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Zfr. 3.
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Mittwoch, 10. Januar
1S83.
Uor dem Mndonnenbilds.
Erzählung von Hermann Hirsch selb.
-(Schluß.)
Unwillkürlich mußte Roberto lächeln. „Das sehe ich", sagte er, „und weßhalb stelltIhr Euch, wenn Ihr wirklich der Sache des unglücklichen Königs Eure Kraft weihenwollt, erst jetzt?"
„Weil ich ferne von Italien war, Herr; heimgekehrt, vernahm ich von meinem altenVater, einem treuen Anhänger des Königs. Franz, was geschehen und machte mich sofortauf den Weg."
Prüfend blickte Roberto in die Züge des Redenden. „Ihr seid ein Italiener, sagtIhr? Seltsam, Euer Antlitz spricht nicht dafür — es erinnert mich entfernt an ein Wesen— man sollte meinen Ihr wäret ein Deutscher."
„Ihr seid nicht der Erste, der mir das sagt, Herr", entgegnete der Mann, sichabwendend.
„Doch mir kamüs gleich sein", meinte Roberto, „Ihr kennt die Richtung nun, lebtwohl, mich drängt die Zeit."
Gewand schwang sich der Zweite auf sein Pferd.
„Darf ich mit Euch des.Weges ziehen, Herr?" fragte er, „man reitet besser zuzweien und nicht geheuer von Räubern soll diese Gegend sein."
„Die Straße ist nicht für mich allein", erwiderte Roberto, „ich kann Euch nichthindern. Aber", fügte er hinzu, „ich benachrichtige Euch, daß ich nichts von Werth, wohlaber gute Waffen bei mir führe und jede Eurer Bewegungen scharf bewache."
Der Mann lachte. „Ihr traut nur nicht, — ich kann's Euch nicht verdenken, ichhoffe, Ihr sollt anders von mir denken."
„So kommt. Ich habe zweifelhafte Gesellen noch lieber mir zur Seite, als hintermir." —
Die Neiler setzten ihre Pferde in Bewegung, vorwärts ging es durch dje stilleNacht. Beide sprachen nicht, ab und zu blickte der angebliche Anhänger des Königs Franzfeinem Gefährten in's jugendfrische» Antlitz; etwas wie ein Ausdruck von Theilnahmeleuchtete aus den.verwitterten Zügen, aber bald genug verlor er sich und abgerissene Wortedrangen wie ein Selbstgespräch aus der breiten Brust empor.
Ich möcht's nicht thun, — er hat etwas, das ihn mir lieb macht — und doch —>sechshundert Franken — das erste Mal — und gerade dieser —
Auch Roberto hatte seinen Gefährten nicht aus den Augen gelassen, — von seinemSelbstgespräch'verstand er natürlich nichts und keine verdächtige Bewegung war ihm auf-gefallen. Mit seinem guten Herzen sing er an, sein anfängliches Mißtrauen zu bereuen.Er begann einige Worte mit dem ihm aufgedrungenen Begleiter zu wechseln, — einkurzes Gespräch entspann sich, der Fremde zeigte sich harmlos und vertrauend und mehrund mehr wurde des jungen Offiziers Argwohn beschwichtigt.