Ausgabe 
(10.1.1883) 3
 
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Nach und nach verstummte die Unterhaltung, zurück sank Roberto in die Welt derGedanken, die ihn vorher umfangen, so still war die Nacht, so friedlich wie einTempel Gottes; von seinem Hauch durchweht, umgab sie die Natur, des Himmels Augenschauten auf sie herab, konnte in solcher Umgebung eine Menschenseele Böses planen?Mehr als einmal schon hätte sich zu einem Ueberfall Gelegenheit geboten, er warnicht ausgeführt worden.

Weiter ging der Ritt die gewundene, berganführende Straße entlang, Anhöhenbald erhabener aufragend, bald niedriger, schlössen sich von beiden Seiten ein. Naherschallte des Klosters frommes Geläute.

Was glänzte dort in der Nische am Fuß einer der kleinen Erhebungen den Männernentgegen, wie ein Gebilde aus flüssigem Silber? Es war ein Bildniß der Mutter Gottesin Holz geschnitzt, das des Mondes Silberstrahl wie mit einer Glorienverklärung umgab.Der junge Offizier hielt sein Roß an. Es war als ob eine unwiderstehliche Machtihn zu diesem Gnadenbilde dränge, als ob der Arm der hl. Königin des Himmels ihnzu sich winke. Er wußte, daß daheim die geliebte Braut zu der Erhabenen des HerzensFlehen richtete, im Geiste wollte er sich mit ihr vereinen wollte beten für ein anderesjunges Paar im Glanz der königlichen Krone und doch sorgenbeladener, als der Aermsteihres entschwundenen Reiches.

Er wandte sich an seinen Geführten.Wir wollen hier Halt machen", sagte er,nicht an der heiligen Himmelskönigin vorbeiziehen, ohne ihr unsere fromme Andacht dar-gebracht zu haben. Seht, wie des Mondes Strahl verklärt auf ihren Zügen ruht."

Der Andere lachte spöttisch auf, als er den jungen Offizier vom Pferde steigensah, doch folgte er dessen Beispiel.

Ein Soldat und beten?" fragte er höhnisch »meint Ihr, daß Kronen sich durchRosenkranz und Ave Maria flicken lassen?"

Ernst sah ihn Roberto an.Was ist es", erwiderte er,das Gaötas tapfereVertheidiger erhebt und stärkt, was dem Streiter für eine edle Sache Vertrauen leihtund seinen Arm kräftigt? Es ist der Glaube, des Herzens inbrünstiges Gebet. Undwenn er unterliegt, ist's abermals der Glaube, ist's abermals das Gebet, das ihm seinUnglück tragen hilft er weiß, nicht seine Schuld, der Wille Gottes lenkie den Aus-gang, der Wille, der durch schwere Prüfung zum Triumphe führt. So bete ich, Freund,und solchen Gebets braucht kein Soldat, selbst der tapferste, sich zu schämen. UndIhr, habt Ihr das Beten denn verlernt?"

Ja", tönte es dumpf aus des Mannes Brust;auch ich habe einst gebetet undgefleht, ein Bereuender, das. Theuerste wieder zu finden, was ich auf Erden besaßdie Madonna hörte mich nicht seitdem bete ich nicht mehr."

Ungläubiger", rief Robertound weil nicht gleich Dein Verlange» sicherfüllte, zweifelst Du an der Macht der Himmelskönigin? An dieser Stelle muß sieweilen, zur Andacht stimmt des Klosters frommes Läuten mit mir eine Dich imGebet, glaubend, vertrauend."

Entsetzlich zuckte es im Antlitz des Mannes.So mag sich denn Dein Glaubebewähren", schrie er, sechshundert Franken für eine Kugel in Deine Brust, ichverdiene sie mir!"

Mit Blitzesschnelle riß er eine Pistole hervor hell funkelte der Lauf im Lichtedes Mondes.

Roberto Mutter Gottes, schütze ihn!"

Durch die stille Gegend donnerte der Schuß, er hatte sein Ziel verfehlt; un-willkürlich emporblickend zur Anhöhe über dein Gnadenbilde, woher die Stimme erschallte,war der Mörder zurückgetaumelt, der Schuß ging in die Luft, er selber aber schlug schwer,wie vom Blitz getroffen, zu Boden.Allgerechter Gott, meine Schwesterl"

Wie betäubt stand der junge Offizier da, zu mächtig stürmte das unerwartete Er-