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eigniß auf ihn ein, — eine Traumerscheinung dünkte ihm die Anwesenheit Almas, zunächtlicher Stunde an diesem entlegenen Orte.
Aber es war kein Traum, den nächsten abwärtsführenden Pfad hernieder eilte dasjunge Mädchen — nun war sie unten — nieder warf sie sich in inbrünstigem Gebet vordem Bilde der Jungfrau.
„Dir die Ehre, Madonna" — rief sie — „Du hast ihn gerettet!"
„Alma" — mühsam fand Roberto seine Worte — „Du hier, was bedeutet allesdieses? —"
„Daß der-Tod hinter Dir lauerte und die Madonna schützend ihre Hände breiteteüber unser Glück."
In fliegender Mittheilung berichtete sie dem Verlobten, was geschehen. Als sie denPavillon verlassen, habe nur ein Gedanke ihre Seele beherrscht, — den Bräutigam zuretten. Mit der Gegend vertraut, war ihr bekannt, daß die Höhen entlang ein weitnäherer Pfad als der Reitweg nach Gaöta führe. Einen Mantel umgeworfen, der ihreGestalt verhüllte, das Haupt mit einem Schleier bedeckt, eilte sie vorwärts. Keine Furchtkannte ihre Seele — der Glaube lieh ihr Stärkung — er hatte sie nicht getäuscht.
„Ja", sagte Roberto tief ergriffen, „— es gibt noch Wunder, — was anders alsein Wunder war es, das die tödtliche Waffe von mir lenkte und den Mann, der zumMörder werden wollte an mir, in den Staub warf? Doch des Feindes nicht zu ver-gessen, ist unsere Pflicht — seiner uns annehmen, sei der Heiligsten unser erster Dank."
Er trat zu dem regungslos Daliegenden. „Erhebet Euch", sagte er mit milderStimme, „ich weiß, nichts mehr zu fürchten habe ich von Euch — und was Ihr gethan,sei Euch vergeben."
Beinahe furchtsam erhob der starke Mann das Haupt. „Ist sie fort?" fragte erleise. —
„Fort, wer —?"
„Die Erscheinung, die mir die Himmelskönigin sandte, daß nicht ein Mord meineSeele befleckte, — meine Schwester — Alma Wöhlert."
„Alma Wöhlert, Deine Schwester? Kleingläubiger, nicht länger zweifle an GottesMacht, — keine Erscheinung war es, was Deinen Augen sich bot, — sieh hin — dortsteht sie selber, die uns beide gerettet — es ist meine Braut."
Taumelnd schleppte sich Giacomo bis zu den» jungen Mädchen. „Alma — erkennemich, fluche mir nicht — Wilhelm bin ich, — Dein unglücklicher verlorener Bruder."
„Wilhelm!" schrie Alma auf, „— nein, nicht verloren bist Du, so lange noch dieNeue Dein Herz bewegt. Unsere Mutter segnete Dich und verzieh Dir sterbend und ichsollte Dich von mir stoßen?"
Zu den Füßen des jungen Mädchens lag der wüste Mann. „Die Reue — jaschon einmal, dahinstürmend auf wilder Lebensbahn, hat sie mich gepackt und zur Stättegetrieben, die ich einst meine Heiinath nannte, — ich wollte ein anderer werden! AberMutter und Schwester waren fort, keiner wußte wohin, sie waren geflohen, die Schandezu verbergen, die ich durch meine tollen Streiche über sie gebracht. Da verlor ich denGlauben, die Hoffnung — nur dein Golde wollte ich dienen, gleichviel um welchen Preis.Manche Sünde beschwert mein Gewissen, doch rein von Blut war meine Hand bis heute— daß sie es ferner bleibt, der gnadenreichen Jungfrau verdanke ich's, die den Zweiflerbekehrt, die dem reuigen Sünder vergibt.
„Und ihrem Dienst", rief das junge Mädchen tief ergriffen, „dein Dienst desHeiligen und Guten sollst Du Dich ferner weihen. Hörst Du der Glocke Mahnung vomKloster her? Dir ruft sie, — dorthin zur heiligen Schwelle walle und bitte die frommenBewohner um Dienst. Je schwerer er sein mag, um so leichter wird Dir einst vergeben."
»Ich will's, ich will's", entgegnete Wilhelm, „Deine Hand leite mich zum heiligenAsyl, das auch für Dich wohl Obdach einer Nacht bietet. Nicht zu dem Hause Valdini'ssollst Du kehren, — Du warst Ursache, daß ich Roberto tödten sollte. Nicht verlangte