Ausgabe 
(10.1.1883) 3
 
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* Geschichte des Dorfes und ehemaligen Klosters Bernried »

(Schluß.)

Graf Otto von Valey und dessen Gemahlin Adelhaid, eine königliche Prinzessin ausSizilien , haben das. dem touronischen Bischöfe St. Martin zu Ehren geweihte Gottes-- Haus 1120 den regulirten Chorherrn des hl. Augustinus als Klosterkirche eingeräumt.

Im Jahre 1404 ließ der Prälat Johannes Grunnpacher mitten in der Stiftskirche zuEhren der seligsten Jungfrau Maria und der hl. drei Könige vor dem Chöre einen neuen' Altar aufsetzen, der im Jahre 1408 am Sonntage nach dem Himmelfahrtsfeste Christi

vorn Herrn Bischofs Wilhelm Wiidenhover eingeweiht wurde und Prälat Ulrich III. hatte1432 das Unglück von dem auf ihn fallenden Vildniß Christi, das er am Himmelfahrts-tage Christi jährlich hat in die Höhe gezogen, erschlagen zu werden. Ein in Mitte derKirche vor Zeiten gelegener Stein soll dieses Unglück angezeigt haben mit folgendenWorten: ^Obrutus o-t Dominos praopositus lue.« Unser Herr Probst ist da getödtetvordem Bon diesem Steins weiß man jetzt nichts mehr. In den Jahren 1653 bis1603 wurde, gleichzeitig mit der baulichen Restauration des Klostergebäudes, das Gottes-haus St. Martin, weil es Alters halber ganz verfallen wäre, restaurirt und vielleichtvom romanischen in den Renaissancestil umgewandelt; es wurde am 17. Juni 1663durch den hochwiirdigsten Herrn Bischof Caspar feierlich samt den Altären consecrirt.Im Jahre 1734 den 7. April war ein unerhört furchtbares Donnerwetter, welches auchin Vermied in den Kirchthurm einschlug, durch welchen Streich die Kuppel zerschmettertdie große Orgel verrückt und ein Clerikus während des Gswitterläutens erschlagen wurde,nebst fünf weltlichen Personen, welche geläutet haben, vier Geistliche wurden nieder-geschlagen, kamen aber mit dem Leben davon. Im Jahre 1803 erfolgte die Säcula-risation des Klosters, seitdem wird die Klosterkirche St. Martin als Pfarrkirche benützt.Die Pfarrkirche ist Eigenthum des königlichen Staatsärars. Gemäß Neichsdeputalions-Hauptdeschluß vom 23. Februar 1803 wurde von Staatswegen anerkannt und angeordnet,daß nicht nur die Baureparaturkosten der einstigen Kloster- und jetzigen Pfarrkirche all-jährlich gleich andern Ararial-Gcbäuden in den Dauetat aufgeführt werden sollen, sondernauch, daß der Kirche eine Jahresdotationssumme von 40 Gulden für die übrige Exigenzausgeworfen wurde. Seit der Säkularisation des Klosters wurden an der Pfarrkirchefolgende größere Reparaturen vorgenommen: Im Etatsjahre 1861/62 wurde ein neuesGewölbe im Schisse der Kirche und ein neuer Plafond hergestellt im Betrage zu 7000 fl.Im Etatsjahre 1873/74 wurde der am 7. April 1734 durch einen Blitzstrahl zerstörteThurm wiederhergestellt im Betrage zu 8163 fl. 14 kr. Im Etatsjahre 1874/75 wurdedie große 31 Zentner schwer« Glocke größtentheiis aus freiwilligen Beträgen der Gemeinee-bürger angcfchasst mit einem Kostenauswande von circa 3000 fl.

Als besondere Wohlthäter der Pfarrkirche sind zu nennen: der frühere Gutsbesitzer» Andreas von Dall' Armi , der derzeitige Schloßbeützer Excellenz Freiherr von Meridians)

königlicher Kämmerer und Gesandter a. D. und der Webermeister Mathias Schwab vonHausstadt.

In der Pfarrkirche befinden sich folgende Merkwürdigkeiten:

1) Zwei gemalte Wappenschilde im Plafond des Chorbogeas» wovon das eine imI. und 2. Felde die bayerischen, weiß und blauen Rauten und im 2. und 3. Felde denpfälzischen Löwen, das andere Wappen aber das complicirte Lanveswappen von Savoyendarstellt mit der zwischen beiden angebrachten Inschrift:

8a1nslrn:e ckvmura Veo et utr Iris8«renHuris k -etu.

Heil diesem Hause von Gott, und von diesen Durchlauchtigsten, welche es ansehnlich er-baut haben. Beide Wappen beziehen sich aus den Kurfürsten Ferdinand Maria und seineGemahlin Henriette Adelhaid, eine geborene Prinzessin von Savoyen, welche große Wohl-häter der Kirche und des Klosters gewesen sind.