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logirte und nach der Säkularisation der jeweilige Pfarrer wohnte. Dasselbe wurde imJahre 1830 vom königlichen Aerar an die Gemeinde käuflich abgelassen und von der-selben zum Schulhause adoptirt. Die bedeutende Erhöhung der Schülerzahl und diebeschränkten Localitäten der Lehrerwohnung machten die Erweiterung des Schulhauseszu einem fühlbaren und dringenden Bedürfnisse. Deshalb beschloß die Gemeinde Bernried ein neues Schul-, Gemeinde- und Feuerwchrhaus zu erbauen, welches den Sommer überiu n reu beiden Baumeistern Herrn Eberhart und Rottmüller von Weilhcim zur vollstenZufriedenheit hergestellt, am Sonntag den 8. Oktober, Nachmittags 2 Uhr, in Gegen-wart des kgl. Herrn Bezirksamtmannes, des kgl. Herrn Distriitsschulinspectors, Sr.Excellenz Freiherr» v. WendlaNd mit hoher Familie, der Gemeinde- und Kirchenver-waltung, der Schuljugend, des Feuerwehr- und Veteranen - Vereins und vieler Dorf-bewohner mit den entsprechenden Feierlichkeiten eingeweiht und eröffnet wurde. Dasbisherige Schulhaus ist jetzt mit seinen sämmtlichen Nünmlichkeiten dem Lehrer zur Woh-nung angewiesen. -
3) Der Thorbogen mit den Nebengebäuden, worin in einem derselben bis zumFahre 1826 die Schule gehalten wurde.
4) Das Probstgebäude, welches im Jahre 1824 aus Staatsmitteln um die Summevon 3281 fl. 36 !r. in eine Pfarr- und Hilfs-Priesterwohnung umgewandelt wurde.
Nach der Klofleraushebung wurde die Pfarrei Bernried mit den Filialorten Tutzing ,Ober- und UnterzeiSmering, Garatshausen und mit den Riederschaften Adelsrird, CarrahGallifilz, Happerg, Höhenried und Unterholz von einem Pfarrer und HilfSpriester Pasto-rin. Im Jahre 1843 wurden die bisherigen Filialorte Tutzing , Ober- und Unterzeis«mering, dann Garatshausen mit einer Bevölkerung von 378 Seelen von der PfarreiBernried getrennt und zu einer eigenen Kirchengemeinde vereiniget. Die aus Staats-fonds mit einem jährlichen Bezüge von 300 fl. dotirte Caplansstelle zu Bernried wurdeaufgehoben, und dieser Bezug dem Pfarrkuraten iu Tutzing als ständiger Gehalt ange-wiesen und die latholische Pfarrei Bernried zählt bei 2^ Stunden im Umfange 444Seelen mit einer Schule, und würd vom Pfarrer allein pastorirt.
Das am User des Starnbergersee's reizend gelegene Dorf Bernried weit und breitrühmlichst bekannt und durch seine herrlichen Parkanlagen sowohl, als durch den vortreff-liche», der von Wendland 'schen Brauerei entstammenden Gerstensaft, wird während derSommermonate von vielen Fremden namentlich aus Augsburg , Eichstädt, Negensburgund Würzburg besucht, was vielen Dorfbewohnern eine reichliche Eimiahmsquelleverschafft.
Misesllen.
(Aus der guten alten Zeit.) Vor wenigen Wochen starb in einer kleinenProvinzstadt ein guter alter Herr: er war früher Landrichter und ein gar eigener Kopf,mit dem die Bauern seines Bezirks anfangs übel fuhren. Charakteristisch ist folgenderFall. Die Bauern seines ganzen Bezirkes trugen zu der ledernen Hose und dem kurzenJanker mächtige „Sechserln" an den beiden Schläfen. Der gestrenge Herr Landrichterduldete aber fortan diesen Kopfputz nicht mehr. Jeder der mit ihm zu Gericht kam,wurde zuerst zum Gerichtsdiener geschickt, der dann die Sechserl gründlich beseitigen mußteund hiefür einen guten Silbersechser für das „Haarschnriden" verlangte. Erst nach dieserProzedur durfte der Bauer beim Landrichter erscheinen. Als einmal sich . Einer überdieses Bcrfahren beschwerte, wurden ihm von kurzer Hand sechs Streiche dittirt. DerBauer betrat den Beschwerdeweg zur Negierung. Von dorther erhielt der Herr Land-richter einen Verweis, den er dem Geschädigten schriftlich zu eröffnen hatte. Der Bauerwurde vorgeladen und ihm das Schriftstück zum Lesen ausgehändigt, er war jedoch dieserKunst nicht mäcptig, nur die verhäugnißvolle Zahl 6 hatte er enträthselt. „Das ist g'wißweg'n meiner Beschwerde, Herr Landrichter", meinte verschmitzt der Bauer und. gab dasSchriftstück zurück. „Jawohl, hast Du's gelesen?" „Nein, nur von den SechsI" „So,