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dann will ich Dir's sagen. Du hast Dich bei der k. Regierung beschwert über mich, nunist der Beschluß gekommen, wonach Du nochmal sechs Hiebe erhalst und da Du dieselbenauf diesem Originalbeschluß bestätrigen mußt, so kann ich Dir die Strafe nicht nachlassen,so gerne ich dieses auch thäte." Und die Sechs kamen zum Vollzüge, der Bauer bestätigteden Empfang und ging seine Wege. Fortan aber waren sämmtliche „Sechserln" ver-schwunden und- der Gerichtsdiener um seine Nebeneinnahme gekommen.
(Ein allerliebstes Weihnachtsmärchen) erzählt Iwan Turgenjew in der„Revue Politigue et LitUraire": „Zwei oder drei Tage vor Weihnachten gab der liebeGott ein Fest in seinem Azurpalast. Sämmtliche Tugenden waren dazu eingeladen, abernur die Tugenden. Keine Herren, lauter Damen. Da sah nzan denn auch auels Tugendenbei einander, große und kleine. Die kleinen waren gefälliger und hübscher als diegroßen, aber Alle schienen mit einander wohl bekannt und befreundet zu sein. Plötzlichaber sah der liebe Gott zwei schöne Damen, die einander dem Anscheine nach gar nichtkannten. Der Hausherr nahm nun eiize derselben bei der Hand, um sie der anderenvorzustellen. Die „Wohlthätigkeit", s^gte er mit einem Blicke auf die erstere. Die„Dankbarkeit", fügte er hinzu, indem er auf die andere zeigte. Die beiden Tugendenwaren höchst erstaunt. Seit Erschaffung der Welt begegneten sie sich hier zum erstenmale."
(Viehzählung.) Der Millionär: „Wenn es nach Herrn Wedell-Malchow ginge,müßte ich meine sämmtlichen Goldfüchse in die Listen eintragen." — Der Student:„Ob ich zur Viehzählung herangezogen werde, wenn ich so fort ochse?" — Der Reporter:„Himmel, wenn ich die Enten alle mitzählen müßte, die ich schon habe auffliegen lassen!"
— Der Chef: „Müller, Sie werde ich der Ordnung gemäß als Rhinozeros anführen."
— Der Skatspieler: „Schulze, vergessen Sie nur das große Schwein nicht anzu-geben, welches Sie immer haben!" — Der Zechbruder: „Ihr lieben Affen, wenn ichEuch noch zählen konnte!"
(Die Philosophie des Rausches.) Ein gutmüthiger Trunkenbold wackeltdurch die Straßen, indem er- folgenden optimistischen Gedanken Ausdruck gibt: „DieReichen — ha die Reichen! Was können Die machen? Sie können auch nicht betrunkenersein, als wir!"
(Einer von der meteorologischen Station.) „Den schau an, der hat denHut bis über die Augen, den Rockkragen naufzog'n und laufen thuat er mir sein Par.rplui,als wenn er g'stohl'n hät." — „Den kenn i, der is bei der meteorologischen Station.Der schämt si, weil er Heuer 's Wetter gar nie derrath!"
(Aus der Kinderstube.) Besuch: „Ah, das ist wohl Dein Stammhalter,lieber Freund? — Komm', Kleiner, gib mir 'Ne Hand." — Kind: „Bist Du ein Haar-schneider?" — Besuch: „Ich? Nein, — weßhalb?" — Kind: „Ei Papa jagte vorhin,als Franz Dich anmeldete: Ich wollt', der ließe mich ungeschoren."
(Gegenseitige Ueberraschung.) Vater: „Schau', Richard, die Menge schönerSpielsachen, die ich Dir mitgebracht habe!" — Richard: „Nein das hätt' ich nimmergeglaubt, daß ich ein so lieber, braver Bub' bin!"
(Ein Ausweg.) „Ich habe die Bibliothek meines Bräutigams bereits gänzlichdurchgelescn, und langweile mich-nun entsetzlich!" — „Aber liebe Freundin, da würdeich mich an Deiner Stelle einfach um einen anderen Bräutigam umsehen." (F. B.)
(Ehrlich.) Gehilfe: „Wenn Sie mir eine Stelle in Ihrem Geschäfte geben,werden Sie sehen» daß Sie mir in Geld- und Geschästssachen vollständig trauen können!"
— Prinzipal: „Wie haißt trauen? Heut zu Tag' trän' ich mir selber kaum!"
(Seltsamer Maßstab.) Lieutenant: „Sie, Einjähriger Miller, Sie wollen eingebildeter Mensch sein und können nicht einmal über diese Palissade springen!?"
(Verschiedene Eigenschaften.) A: „Wie ist denn, der Ür. Heilreimer alsArzt? Seine Verse macht er sehr lebendig." — B: „Und seine Kranken sehr todt!"
Für die Redaktion verantwortlich Alphons Planer in Augsburg . — Druck und Verlag deslitterarischen Instituts von Ur. Max Huttler .