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nach Hause kam, was erfahrungsgemäß bei ihm etwa soviel zu sagen hatte, als daß er
— wieder einmal verliebt war. Aber diesmal war die Sache ernster! Fraulein MinaNoth besaß nicht nur die Eigenschaften, welche er vorzugsweise schätzte, nämlich: Verstand,gepaart mit liebenswürdigem Muthwillen, — sie hatte auch, wie er es besonders liebte,reiches blondes Haar, das sich leicht kräuselte und dazu dunkle Augen, die nicht nurschalkhaft, sondern auch gar ernst zu blicken wußten, und endlich hatte sie — als seltenesTri olium — zu allen diesen Vorzügen noch die sehr beachtenswerthe Eigenschaft, einesgar wohlhabenden Mannes einziges Kind zu sein, denn daß der Herr Korbian Noth dieswar, wußte die ganze Stadt, obwohl er erst vor Kurzem mit Frau und Tochter dorthingezogen war, nachdem er sein Geschäft in K. aufgegeben-
Auch der alte, joviale Herr und seine bürgerlich-einfache Frau hatten einen sehrgünstigen und ungemein anheimelnden Eindruck auf Adrian gemacht — solche Schwieger-eltern konnte man sich schon gefallen lassen!
So überließ der Lieutenant sich denn diesmal in vollkommener Gewisscnsruhe undungetrübtem Glücke dem Auftauchen des neuen Sirius — ja, so groß war ihm in Wahr-heit noch kein Stern am Firmamente seines Herzens aufgetaucht, als dieser neusrschieneneSrrius, vor dessen Glanz die andern sämmtlich erbleichen und erlöschen mußten.
Wie es nun weiter ging, und wie es kam, daß Lieutenant Schnell seinen Namenin diesem Falle alle Ehre machte, ist unaufgeklärt geblieben, obwohl es allen einiger-maßen einsichtigen Gemüthern vollkommen klar sein wird, in Anbetracht des Umstandes,daß in der alten, allbekannten Garnisonstadt T. bei den Honorationen wie den Bürgerndie Zahl der Kränzchen, Liedertafeln und sonstiger Versammlungen keine geringe ist —vorzüglich im Karneval — ganz abgesehen von den sonstigen Gelegenheiten, sich zu treffen,wenn man sich nur treffen will, wozu Promenaden, Konzerte und Theater willkommenenVorwand boten.
Jeder Mensch, der einmal dergleichen Zeiten in seinem Leben durchgemacht — undwer hätte das wohl nicht? — weiß ein Lied davon zu singen — schon der Großvaterhat es ja so gemacht, als er einst um die Großmutter gefreit, und so ist es auch gebliebenbis auf den heutigen Tag.
Auch die hübsche Blondine schien den schmucken Lieutenant in der kleidsamen Uniformmit dein Tapferkeitskreuze an der Brust nicht ungern so oft in ihrer Nähe zu bemerken
— wenigstens wurde ihre zarte Gesichtsfarbe unzweifelhaft um etliche Schattirungen mehrrothgefärbt, sobald sie ihn gewahrte.
Dem Papa Privatier nebst seiner braven Ehehälfte konnte dieser immerhin auf-fallende Umstand, in Vereinigung mit der Thatsache , daß der Lieutenant überall, wo siesich zeigten, auch zu treffen loar, oder doch sehr bald erschien, nicht lange Zeit verborgenbleiben. Freilich war dem wackern Privatier im ersten Augenblicke die Sache nicht be-sonders angenehm. Ein mittelloser Offizier als Eidam, der vielleicht auf den opfer-willigen Beutel des allzeit hilsbereiten, gutmüthigen Schwiegervaters spekuliren würde,das ivar ihm gerade keine verlockende Aussicht für die Zukunft seines einzigen Kindes.Bald aber lernte er die Sache mit andern Augen betrachten: nicht nur, weil der Lieu-tenant Schnell allgemein geachtet war, als aus einer braven Familie stammend und alsbraver Mensch und tüchtiger Offizier, sondern vielleicht noch mehr durch den Unistandbewogen, daß die Wünsche seiner Frau mit denen seiner Tochter Hand in Hand zu gehenschienen, denn das gescheidte Mädchen hatte es wohlweislich nicht unterlassen, die ein-flußreiche Mutter vor allen Dingen ihrem Herzenswunsch geneigt zu machen.
Was war also zu thun? Eine» häuslichen Krieg heraufzubeschwören mit dem un-vermeidlichen Kampfes-Arsenal von Bitten, Schmollen Thränen — nein, dazu hatte dergute Privatier wirklich nicht den kecken Muth, um so weniger, als ja im Grunde nichtsStichhaltiges gegen den Heirathskandidaten sich einwenden ließ, er selber aber in derglücklichen Lage war, für ein Dutzend Offiziere die nöthige Hcirathskaution herbeizuschaffen.
So bereitete sich denn der würdige Privatier bereits im Stillen vor, nachdem er