sich einmal mit dem Gedanken vertraut gemacht hatte, zu dem Bündniß Ja und Amenzu sagen, falls, wie nicht zu zweifeln war, eines schönen Tages der Lieutenant seinenAntrag vorbringen werde. Einstweilen freilich hatte derselbe nur einige Anstandsvisitenin dein Noth'schen Hause machen können — um so freudiger wurde er daher überrascht,als er eines schönen Frühlingstages eine Einladung des Privatiers: „zu einem TellerSuppe mittags um 1 Uhr erhielt."
Daß er diese günstige Gelegenheit nicht unbenutzt vorübergehen lassen dürfe, umirgendwie sich Klarheit zu verschaffe», darüber war der Lieutenant sogleich mit sich einiggeworden. Jetzt oder nie mußte sein Schicksal sich entscheiden, nachdem ein feindlichesGeschick jeden Augenblick, der verhängnißvoll zu werden drohte, durch irgend ein Wieoder ein Was dazwischen sich gedrängt; — außerdem hatte er gar keine Lust, sich einenKorb zu holen — das wollte Alles überdacht und wohlerwogen sein! Freilich glaubteer der hübschen Mina sicher sein zu dürfen, wenn nicht Alles log und trog. Aber dieseWeiber! Wer sie ergründen konnte! Und dann die Eltern? — Allerdings schien die er-haltene Einladung ein günstiges Zeichen ihm zu sein! — Durfte er es also wagen? —
Diese Gedanken waren es, welche den Lieutenant Adrian Schnell so ernsthaft undso ausschließlich beschäftigten an jenem Frühlingstage zu Anfang unserer Erzählung, denngerade der heutige Tag sollte ja über sein Geschick entscheiden.
Endlich aber erinnerte er sich doch daran, daß eS wohl an der Zeit sein dürfte,auch seil'ein äußern Menschen einige Beachtung zu schenken, zu Ehren des feierlichenAugenbltckS. dem er entgegen ging.
Er wendete sich deshalb vom Fenster fort, um — o Eitelkeit — vor den Spiegelzu treten, und aufmerkiam hineinzuschauen. Was er da sah, war allerdings ein garnicht übles Bild. Ein recht stattlicher Männerkopf mit gesunder, leicht gebräunter Gesichts-farbe, braunem Haar uno Bart und freundlichen, blauen Augen blickte ihm entgegen - eswaren eigentlich ine heitern Züge eines sogenannten „Sonntagskindes", das überall ausallen Dingen im Leben den Honig zu finden iveiß, wie- die Bienen aus den Blumen —das Gift lassen sie darin.
Der Lieutenant schaute auch nicht unzufrieden drein nach seiner Selbstmusterung— dann rief er laut, so laut, als ob er vor der Front stünde: „Kaspar Mayer!"
„Zu Befehl, Herr Lieutenant!" tönte es mit echoartiger Pünktlichkeit darauf zurück,und in's Zimmer trat, mit einem Nohrstock und der Kleiverbürste bewaffnet, vom Flurher der Gerufene in's Zimmer.
Da der Betreffende dazu berufen ist, eine nicht ganz geringe und nicht ganz un-wichtige Rolle in dieser Heirathsgeschichte zu spielen, so lohnt es wohl der Mühe, ihnetwas näher zu betrachten.
Kaspar Mayer gehörte offenbar zu jenen Menschen, bei denen ihr Lehrer sich ver-geblich Blühe gab, ihnen mehr beizubringen, als sie bald darauf und ohne Mühe ver-gessen lernen. Borstige, flachs-blonde Haare krönten seine niedrige, nichts weniger alsimelligei.te Stirn, während ein Zug großer Gutmüthigkeit in seinen wasserblauen Augennkit deren Mangel an Klugheit einigermaßen aussöhnte.
Kaspar Mayer war erst seit Kurzem der Bursche des Lieutenants, und hatte eswährend dieser kurzen Zeit verstanden, sich demselben einerseits durch seinen guten Willenbeliebt, andererseits aber durch seine Dummheit fürchterlich zu machen.
„Kaspar Mayer", sagte der Lieutenant fast feierlich zu dem eintretenden Burschen:„Ist meine neue Uniform geputzt und Alles gut im Stande?"
„Zu Befehl, Herr Lieutenant!" erwiderte Kaspar, den Nohrstock schulternd, alspräsentire er das Gewehr, während er mit der andern Hand die Kleiderbürste an sichdrückte.
»Ich gehe jetzt aus", fuhr der Lieutenant fort. „In einer halben Stunde kommeich zurück; bis dahin muß Alles parat liegen, daß ich mich iokort umziehen kann. — wiezur Parade — verstehst Du mich?"