Ausgabe 
(13.1.1883) 4
 
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Zu Befehl, Herr Lieutenant", wiederholte Kaspar ehrfurchtsvoll.

Gut!"

Der Lieutenant griff nach seiner Mütze und ging. Er fühlte in Wahrheit dasBedürfniß, nach etwas Sammlung draußen in frischer Luft, bevor er daran ging, dieFestung zu erstürmen.

(Schluß folgt.)

Klausner und Räuber.

Ballade.

In der Bergschlucht liegt begrabenEinsam still des Klausners Hütte:

Ihre Gäste sind die NabenUnd ein Lindenbaum voll Blüthe.

Drinnen spricht bei TagesgrauenFromm der Greis die Morgeubitte;Einsam ist's, doch Engel schauenNieder auf die stille Hütte;

Engel schweben leis herniederAuf den Lindenbaum und singenMit dem Klausner Frühlingslieder,Perlenreich die weißen Schwingen.

Engelein mit lichter KroneSitzen auf des Klausners Hütte,

Und es glitzert in der Sonne Ihr Gewand wie weiße Blüthe.?

Von der Höhe schaut mit LachenHört! ein Räuber auf die Hütte,

Gute Beute soll er machen,

Hieß es in der Brüder Mitte.

Von der Höhe sieht er funkelnHehre Pracht im stillen Walde,

Sieht die Klause dort im Dunkeln:Welche Pracht in armer Halde!

Goldne Balken sieht er strebenAuf zur jungen Maiensonue,

Uuter'm Dach voll SilberrebenThront ein Greis mit reicher Krone.

Und er steigt zum Thale nieder,

Seine Raubgier will er stillen:

Heute kann ich meiner BrüderHerzenswunsch einmal erfüllen."

Wie er niederkommt zum Thale Und zum hohen Lindenbaume,

Wird's so arm mit einem Male:

War das wirklich, war's im Traum?"

War's im Traum' denn, als ich drobenGlitzern sah die goldne Hütte?

Stand ich trunken noch dort oben?

Sah im Taumel ich solch' Blüthe?"

Arme Bretter, alte Seine,

Und ein Klausner längst vergessen:

Das die Beute die ich meine?

Kaum ein hartes Brod zum Essen?"

Fluchend stieg er aus vom Walde,

Wilder Zorn im Herzen glühte,

Und er schaut nicht mehr zur HaldeUnd zur moosbewachsnen Hütte.

Unten zieht zur AvcstundeJetzt der Greis am alten Strange,Friedlich tönt im ThalesgrundeGlockenmund mit Hellem Klänge.

Horch! der Räuber hört es hallen,

Und er schaut zur Bergschlucht nieder,

Wo die Silberklüuge schallen:

Älter Prunk und Reichthum wieder!

Goldne Balken sieht er strebenAus zur jungen Maiensonne,

Unter'm Dach voll SilberrebenThronen einen Greis mit Krone.

Und der Räuber hört es hallen,

Mächtig tönt der Ruf zu Herzen,

Und zum Thale seht ihn wallen,

In der Seele Reueschmerzen!

In der Klause fromme LehreWird dem Jüngling von dem Greise.Niederlegt er seine Wehre,

Lauscht des Friedens Worten leise.

Engel schweben still zur ErdeAuf den Lindenbaum und flehen,

Daß dem Jüngling gnädig werdeBesserung und Auferstehen.

lU. ll.

Einiges über dieschwarzen Madonnen."

Aus derGerm." von Fr. Clemens Janetschek.

Die sittliche Größe und der erhabene Werth hervorragender Personen wird zumeisterst erkannt und in vollem Umfange gewürdigt, wenn sie dem Erdenleben bereits ent-rückt sind. Recht augenfällig zeigt sich dieser Erfahrungssatz an der jungfräulichen Mutterunseres Erlösers. Mariens Name begann zu glänzen, da sie auf Erden nicht mehrgesehen wurde, und die Entfaltung des Marien-Cultus hielt gleichen Schritt mir demKampfe gegen die Häresie und dem Siege über dieselbe. Denn je klarer und Nachdruck-