licher die Kirche die Lehre von der Menschwerdung Jesu aus Maria feststellte, desto mehrfühlten sich die Christen hingezogen zu Maria , die iin Erlösungswerke eine so hervor-ragende Stellung einnimmt. Aber gerade diese kindliche Verehrung, welche die ChristenMarien zollen, war seit jeher allen Nichtchristen der Gegenstand bitteren Hohnes» Schondie Juden der ersten Jahrhunderte überhäuften die geheiligte Person Mariens mitSchmähungen der schändlichsten Art; erwähnenswerth ist in dieser Hinsicht das harteUrtheil Mohammed's über die Schmähschriften des Celsus, obwohl Maria (Mirjam)nur die Mutter des zweiten Propheten, Christus, ist. „Weil die Juden nicht geglaubt(an Jesum) und wider Maria große Lästerungen ausgestoßen haben, so haben wir sieverflucht," (Koran , Sure 4.)
Gleich den Juden verhöhnt in unseren Tagen die aufgeklärte Presse mit den ehr-losen Waffen des Hohnes den Marien-Cultus. Ein Beispiel, wie weit die Gehässigkeitgegen Alles, was der Katholik hochhält, führen kann, hat die Leipziger „Jllustrirte Zeitung"geliefert, indem sie die „schwarzen Marien" für ursprünglich egyptische Götterbilder er-klärt: „Dieselben sind ursprünglich gar keine Marien und haben mit dem Christenthum,seinen Personen und Dogmen auch nicht den entferntesten Zusammenhang, sondern sindvielmehr Bilder der Isis allein, oder mit dem Knaben Horns, also egyptische Götter-bilder. Diese Statuetten wurden, oftmals nur in der Größe gewöhnlicher Amulete, inMenge von den Kreuzfahrern in Kleinasien, Syrien und den Küsten- und Hafenstädtenvorgefunden und mit in die Heimath gebracht, wo sie entweder für Maria oder Mariamit dem Christuskinde gehalten oder als solche gedeutet wurden. Vor den Kreuzzügenhat Niemand etwas von den schwarzen Marien gewußt; erst im zwölften und dreizehntenJahrhundert kamen sie zum Vorscheine und in viel bewunderte und für die Kirche lucrativeDiode. Die meisten schwarzen Marien befinden sich in Spanien und Italien , die gefeiertste,„wnnderthätigste" von allen in Loretto. Von den deutschen sei nur die in Alt-Oettingengenannt." (24. Dezember 1881.)
Ist es wahrscheinlich, daß derlei Statuetten zur Zeit der Kreuzzüge an den an-gegebenen Orten in Menge gefunden werden konnten? Um diese Frage zu beantworten,ist es nothwendig, einen Blick auf die religiösen Zustände jener Länder vor den Kreuz-zügen zu werfen. Die christliche Religion verbreitete sich rasch über den ganzen Orientund mit gerechter Bewunderung blicken wir auf die glaubensfesten Christen jener Länder,welche von der Wahrheit ihres Glaubens so durchdrungen waren, daß sie sich von Allem»was nur im Entferntesten mit dem Heidenthnm zusammenhing, ängstlich fern hielten, daßTausende und Tausende von ihnen ihr Hab und Gut, ja selbst ihr Leben freudig Hin-gaben, bevor sie ihre Ueberzeugung verleugneten und Götzenbildern opferten. Daß beidiesen Christen, welche sich aus Scheu, in den allen Bilderdienst zu verfallen, nur gewisserSymbole bedienten, wirkliche heidnische Bilder, von welcher Form immer, Aufnahmefanden, wird Niemand zu behaupten wagen; ja die Christe» mußten sich geradezu mitAbscheu von diesen Bildern abwenden, weil die Isis-Feste und Isis-Tempel die Frei-stätten der schändlichsten Ausschweifungen waren und sich deshalb selbst römische Kaiserveranlaßt sahen, solche Feste zu verbieten und die Tempel wiederholt zu sperren. Alleindaß auch die Juden weder die Verbreitung noch den Gebrauch solcher Bilder förderten,muß Jedermann zugestehen, der die nationale Abneigung der Juden gegen alle Bildererwägt.
Seit dem siebenten Jahrhundert bis zu den Kreuzzügen waren die genannten Länderdem Islam zugethan und in dieser Zeit wären die Bilder der Isis unbedingt der völligenVernichtung anheimgefallen, da der Islam alle Bilder auf das Strengste untersagt;Mohammed selbst vernichtete die 360 Götzenbilder, welche sich in der alten Kaaba derAraber befanden, darunter Bilder des Abraham und Jsmael, und seinem Beispiele folgtendie Araber auf ihren Eroberungszügcn. Daß die Mohmmedaner, welche nicht einmaldas Bild ihres Propheten besitzen, auch keine anderen Bilder unter sich duldeten, ist voll-kommen gewiß.