Ausgabe 
(13.1.1883) 4
 
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vorliegende zum Muster nahmen. Diese Bilder wurden s, T'smpsra. auf Goldgrund,zumeist auf Cypressenholz gemalt. Die 'I'smpsra. selbst ist das Mischmittel, dessen sichdie byzantinischen Maler bedienten, um die trockenen Farben mit dem Pinsel auftragenzu können. Als solches wurde benutzt der Saft grüner Feigen, besonders aber Harzoder Wachs, das in ätherischem Oele aufgelöst und als eine Art Firniß gebraucht wurve;alle so bereiteten Farben wurden stark aufgetragen, so daß die Bildfläche deutlich hervor-tritt und fast massiv aussieht. Zugleich verliehen sie dem Bilde einen matten Glanzund spielten in das Braune und es kann daher nicht Wunder nehmen, daß diese Bilderim Laufe der Zeit eine ganz schwarze Färbung annahmen, woher auch ihre Benennungabzuketten ist. Charakteristisch für diese Bilder sind der hager gestreckte Körper, die weitgeöffneten, ernst blickenden Augen, die faltenarmen, fast steifen Gewänder, wobei der obereNand der dunkleren Schattirung mit einem Goldstrich gezeichnet ist, und endlich derbyzantinische Nimbus, d. i. zwei Kreise um den Kopf, innerhalb welcher sich mituntergriechische Inschriften befinden; in den oberen Ecken kommt fast immer die verschlungeneInschrift: öooo d. i. Gottesmutter vor. Als diese Bilder vervielfältigt wurden,

behielt man aus Erhrfurcht vor diesem uralten Bilde die dunkle Färbung auch bei Copienbei, wenngleich man die Härten des byzantinischen Styles etwas milderte.

Obwohl die Bilderstürmer einen großen Theil dieser kostbaren Bilder vernichteten,so haben sich doch einige bis auf unsere Zeit erhalten; so gehört das Gnadenbild zuCzeustochau nach dem einstimmigen Urtheile der Kunstkenner der byzantinischen Periode an.

In der Augustiner -Stiftskirche zu Altbrünn befindet sich ein auf Cypressenholzgemaltes schwarzes Marienbild, das entschieden byzantinischen, wenn nicht noch älterenUrsprunges ist, da es eine höchst einfache Schattirung hat und auch die Goldstriche ander Schattirung fehlen; dabei ist die Farbe welche mit Harz gemischt ist, so dick auf-getragen, daß das Bild massiv aussieht, und selbst das bereits morsche Cypressenholzdeutet auf ein sehr hohes Alter hin. Im Jahre 513 wurde dieses Bild in der unterenStadt (Suburbium) von Mailand von dem Bischöfe Fustorchius, welcher dasselbe vondem griechischen Kaiser Anastasius erhalten hatte, zur öffentlichen Verehrung ausgesetztund verblieb daselbst bis zur Zerstörung Mailands durch Friedrich I. (1163). Dieserschenkte das bereits als Gnadenbild weit und breit berühmte Muttesgottesbild dem Böhmen-könige Wratislaw, welcher dasselbe in der Hauskapelle der Köuigsburg zu Prag auf-bewahren ließ; im Jahre 1356 schenkte Kaiser Carl IV. dieses kostbare Bild dem Mark-grafen Johann von Mähren, welcher dasselbe in der von ihm erbauten AugustinerkircheSt. Thomas bei Brünn zur öffentlichen Verehrung aussetzte. Im Jahre 1736 wurdedieses Gnadenbild, welches IMIIuckmm Ickruneima und Osiuinn Ncwuv genannt wurde,in überaus feierlicher Weise gekrönt und 1788 auf ausdrücklichen Befehl Kaiser Joseph'sII. nach Altbrünn übertragen.

Aus dem Gesagten geht also hervor, daß die schwarzen Madonnenbilder zu denegyptischen Götzenbildern auch nicht in der entferntesten Beziehung stehen, sondern daßsie entfchieden byzantinischen Ursprunges sind, daß sie also echt christliche Kunst schuf un-daßnnan sie jahrhundertelang vor den Kreuzzügen bereits kannte; zugleich muß die vonderJllustrirten Zeitung" gegebene Erklärung so lange als gedankenloses Märchen be-trachtet werden, als für die Nichtigkeit derselben nicht stichhaltige Beweise erbracht werden,und das dürste ungleich schwerer fallen, als durch eine unüberlegte oder absichtliche bos-hafte Behauptung das Zartgefühl der Katholiken zu verletzen.

Miseellen.

(Der langweilige Domino.) (Herr von Moswedel geht jedes Jahr alsDomino auf den Maskenball und steht da stumm und langweilig an der Wand zumAerger der jungen, lustigen Damen.)Du, Anna," sagt einmal eine Maske zuranderen,da schau den Domino dort drüben an der steht noch vom vorigenJahre da!"