Ausgabe 
(17.1.1883) 5
 
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(Ersparnisse durch Nichtrauchen.) Zwei ältere Männer promenirten vorKurzem in einer Vorstadt Wiens. Der eine von ihnen hielt sinnend einen glimmendenCigarrenstummel im Munde. Sie gingen eben an einem netten, emstöckigen Häuschen vor-über.Welche Cigarrensorte rauchst Du?" frug der Nichtraucher.Londres zu 11",erwiderte der Raucher wehmüthig zwischen den Zähnen.Und wie lange rauchst Duschon mein Freund," setzte der Andere fort.Seit meinem 17. Lebensjahre, also seit34 Jahren."Siehst Tu," meinte der Andere,wenn Du all' das Geld nicht ver-raucht hättest, könntest Du jetzt schon Eigenthümer dieses wunderschönen Häuschens sein!"Sehr wahr, nur zu wahr'" erwiderte der Raucher im Tone resignirter Nachdenk-lichkeit. Nach Kurzem aber raffte er sich aus seiner Reflexion auf und sprach:WelcheCigarrensorte rauchst Du?"Ich?" frug erstaunt der Andere, Du weißt doch, daßich nicht rauche!"So? Nun dann bitte ich Dich, mir das Häuschen zu zeigen, dasDu Dir aus Deiner Cigarrenersparniü gekauft hast!"

(Ein Handschriftenkenner.) Der Theater-Dnekior..««.» berühmt da-durch, daß er..weder lesen noch schreiben konnte, befand sich einst an einer Takle d'hote,wo eine goldene Uhr ausgespielt wurde. Jeder der Gäste gab zwei Thaler, schrieb seinenNamen auf einen Zettel, warf ihn in einen Hut, und dann sollte sogleich gezogen undabgemacht werden. Der erwähnte Theaterdirektor war in nicht geringer Verlegenheit,als auch er seinen Namen aufschreiben sollte. Um sich keine Blöße zu geben, that erals ob auch er schriebe, rollte das leere Blättchen zusammen und warf es in den Hut;das Glück wollte, daß gerade dieses gezogen wurde. Allgemeines Staunen, als das Blattaufgerollt und leer befunden wurde. Doch der anwesende Komiker B. ließ es sich geben,und als er es betrachtet hatte, rief er aus:Ich kenne diese Zügel Das ist die Hand-schrift unseres Herrn Theatcrdireklors."

(Dirk ant torri die.) Onkel Willibald hat gcheirathet, und das junge Paarwird zum Besuche erwartet. Endlich fährt her Wagen vor, der die neue Tante bringt;dieselbe wird von den Kindern, wahrscheinlich des mitgebrachten ConlecteS wegen, stürmischbegrüßt; nur der/leine Kurt sieht seiner Gewohnheit zuwider still dabei, die Tantefortwährend fixirend. Tante:Nun, Kleiner, willst Du mir einen Kuß geben? Wes-halb schaust Du mich denn so genau an?" Der kleine Kurt:Weißt Du, Tante,so dumm siehst Du doch nicht aus, als wie die Mama Dich beschrieben hat!"

(Laspus in der gerichtlichen Rhetorik.) Präsident (bei Eröffnung desSchwurgerichts):Wir beginnen die bevorstehende Sitzungs Periode heute mit einemwissentlichen Meineid: an den folgenden Tagen werden wir uns mit einem Morde, einemRaube, mit sechs verschiedenen Diebstählen im Nückfalle und mit Sittlichkeitsverbrechenbeschäftigen, um haun endlich mit einem großartigen Betrüge und Schwindel zu schließen."

(Das Vermächtniß.) Ein altes Weib tritt mit folgenden Worten unter dieStubenthür:Madame, ich bitte schön um das wöchentliche Almosen, welches die alteBärbel seither erhielt> sie war eben eine gute Freundin von mir und hat mir beimSterben das Almosen vermacht."

(Demüthige Betrachtung.)Gnädiger Herr ich habe Ihnen zu melden, daßheute Nacht Ihr Fuchswallach krepirt ist."Mein FuchSwallach krepirt! O Gott,was sind wir doch für gebrechliche Wesen."

(Ein kleiner Redacteur.) Der Redacteur desKieze liVe^t Demokrat" istnur 40 Zoll groß und wiegt nur 45 Pfund. Wenn Jemand mit einem Prügel in derHand in sein Bureau kommt und fragt,welcher Kerl den Artikel schrieb," schlüpft derRedacteur jn seinen Kleistertopf und macht den Deckel zu.

(Bauernregeln für Januar.) Die Nenjahrsnacht still und klar Deutetauf ein gutes Jahr. Wenn im Januar Mücken geigen, Müssen sie im Märzenschweigen.

Für die Redaktion verantwortlich Alphons Planer in Augsburg . Druck und Verlag desLiterarischen Instituts von Dr. Max Huttler.