selbst hermetisch verschlossen. — In dieser Beziehung können mir von den Engländernlernen.
Man sieht es auch den Mannschaften an, daß eS ihnen gut geht.
In den Erdgeschossen befinden sich die Bureaux der verschiedenen Stäbe und dieHandwerksstätten. Die Cantinen sind groß, vorzüglich vsntilirt und auf durchaus prak-tische Weise ausgestattet, die Preise nicht zu hoch.
Selbst einen Lesesaal haben die Mannschaften, der ihnen außer diversen ZeitungenSchach -, Dame-, Trictrac und andere Spiele liefert.
Die Unteroffiziere sind wie kleine Prinzen installirt, und man versteht sehr wohl,daß dieselben sich in ihrem neuen Heim ivohlfühlsn. — Der Saal ist mit Bildern ausder neuen englischen Kriegsgeschichte dekorirt. — Billards sind selstverständlich.
Kasr el Nil ist ein dreistöckiges Bauwerk, die erste und zweite Etage haben rundherum"laufende Balkons oder richtiger gesagt Galerien, mit welchen die Zimmer kommuniziren.Auf diese Weise sind die Mannschaften nicht in ihre Zimmer eingepfercht und könnenauf die bequemste Weise die herrliche Kairiner Luft genießen.
In jedem Zimmer schlafen 22 Leute. Bis jetzt haben die Soldaten auf arabischenBettstellen geschlafen, den sogenannten Kaffassen, welche aus dünnen Palmenstöcken, ähn-lich unseren Hühncrstüllen fäbrizirt werden, selbstredend darf es an guten Matratzen nichtfehlen, weil man sonst seine Knochen am nächsten Morgen ganz bedenklich fühlt. DieseKassassen werden aber jetzt durch eiserne Bettstellen aus England ersetzt, die nach eng-lischer Sitte während des Tages zusammengeschlagen werden, wodurch der durch dieweniger praktikablen egyptischen Palmenbetten bisher fortgenommene Raum in: Interesseder Bequemlichkeit der Truppen gewonnen wird.
Die Zimmer werden musterhaft rein gehalten, aber die Mannschaft hat viel Zeitund Arbeit nöthig gehabt, um die von den eingeborenen Truppen systematisch verdrecktenund verlausten Räume in ihren heutigen Zustand zu versetzen. — Die Aerzte haben einnettes Quantum Tesinfectionsmittel verbraucht, ehe sie den Truppen den Einzug inihre neue Heimath gestatten konnten.
Die Osfiziersmesse befindet sich auf der Nordwestecks des Palastes. Die edlenSportsmen können es sich wirklich nicht besser wünschen.
Eine breite Treppe von weißem Marmor führt in einen Saal von majestätischerBauart und fürstlicher Ausstattung. In der Mitte befindet sich ein wunderbarer Kron-leuchter. Zur Rechten sieht man in den Speisesaal, einen Saal, der mit dem rafsinirtestenLuxus dekorirt ist. An diesen schließt sich ein im arabischen Stil eingerichtetes Rauch-zimmer, der gemüthlichste und wohnlichste Aufenthalt, den man sich nur denken kann.
Sie sehen aus dieser skizzenhaften Schilderung, die ja nur in großen Zügen einBild geben soll, daß die englischen Offiziere und Soldaten keinen Grund haben, sich überdiesen Garnisonwechsel zu beschweren.
Kasr el Nil macht nun allerdings auch eine rühmliche Ausnahme, wiewohl die Truppenin Alexandrien auch keinen Grund zur Klage haben, denn im Ras el Tin-Palaste amMeere läßt sich's auch leben, aber die ganzen Arrangements bei der Auswahl und Anlagevon Kasr el Nil konnten nicht praktischer getroffen wcrden. — Ein Schienenstrang gehtmitten in den Kasernenhof hinein. Bequemer kann man's doch weiß Gott nicht haben— und diese Verkehrsmittel erleichtern natürlich die ganze Handhabung des Dienstes,besonders aber die Verpflegung der Truppen ungemein.
Mit einem Worte, die Engländer sind mal wieder in der Wahl ihres Bratenssehr vorsichtig gewesen, und von ihren» Standpunkte aus kann man ihnen zu dieser neuenAcquisition nur Glück wünschen. Ich glaube, daß Kairo von allen englischen Kolonial -Garnisonen die schönste und angenehmste ist, und daß es den Truppen sehr schwerfallen würde, sollte der Fall einmal eintreten, sich von den Fleischtöpfen Egyptens los-zureißen. Und dies Alles haben sie indirekt dein alten viel geschmähten und vielfach ver-kannten Exkhedive Ismail Pascha zu danken, denn dieser ist der Erbauer von Kasr el Nil.