Ausgabe 
(20.1.1883) 6
 
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Mis-ellsn.

(Jude und Christ.) Als Herzog Christoph von Bayern in Schongau lebte,hörte er von zwei Wucherern. Von denen war der Eine ein Jude, Namens Aaron,der Andere aber war ein Christ, und hieß Petrus Großwein. Es wurde Beiden derProceß gemacht, und weil sie Beide gleichauf gefehlt hatten, wurde ihnen auch gleicheStrafe zuerkannt, die war: Einhundert Goldguldeo und zwei Monats Gefängniß. Daswollten sich die Zwei nicht gefallen lassen und beriefen sich auf des Herzogs weiterenAusspruch. Da nun der Amtmann kam und die Angelegenheit vorbrachte, sagte HerzogChristoph :Die Beiden haben ganz recht, daß sie an mich kommen. Denn der Aaronwird seines Theiles um die Hälfte zu streng bestraft, der Großwein aber deßgleiche»zu mild."Aber, hoher Herr!" sagte der Amtmann,das versteh' ich nimmer.Haben Beide doch auf gleiche Summa und in gleicher Weise gefrevelt: wie sollten siedann verschieden bestraft werden?"Warum denn nicht!" entgegnete Christoph.Eben weil sie gleich gefehlt haben. Der Aaron ist ein Jude, hat's als solcher nicht fastzum Besten, vor Allem aber entbehrt er unserer göttlichen Lehre. Der Großwein hin-gegen ist wohl auf und in jeder Art geschützt, dabei ist er ein Christ und soll die Lehr'und christliches Gesetz wohl kennen. Wo er nun thut was betrügiich ein Jude thut, ister mindestens viermal schuldiger als Jener." Der Jude Aaron wurde auf einenhalben Monat in Haft gesetzt und mußte fünfzig Goldgulden zahlen. Der Petrus Groß-wein aber ward auf zwei Monate gesetzt und mußte zweihundert Goldgulden zahlen.

(Jeden andern, nur den nicht!) Der hochselige am 2.Jan. 1861 entschlafeneKönig Friedrich Wilhelm IV. befand sich bereits in hoffnungslosem Zustande, alsseine besorgte Gemahlin zu dem Hofleibarzte Dr. Schönlein, der mit dem I)r. Weißzusammen den königlichen Patienten behandelte, den Wunsch äußerte, noch einen drittenberühmten Arzt hinzu zu ziehen. Die hohe Frau machte den Vorschlag, den ihr persön ichbekannten Geheimrath Nix aus München zu berufen, aber hartnäckig weigerte sich HofrathSchönlein, diesen College » anzunehmen.Jeden andern Arzt, Majestät, nur diesen nicht!"war seine Rede. Schließlich sagte die Königin etwas gereizt:Aber, lieber Schönlein, sagenSie mir doch endlich einen vernünftigen Grund für Ihre Ablehnung." Der Leibarzt ant-wortete nach kurzem Zögern respectvoll:Majestät, jetzt steht unter den täglichen Bulletinsüber vas Befinden Sr. Majestät des Königs:Schönlein. Weiß!"" und das treue Volkist beruhigt. Soll etwa künftig darunter zu lesen sein:Weiß Schönlein Nix?"" EinenAugenblick flog ein leises Lächeln über die Züge der Königin, die dann ironisch meintetLieber Hofrath, ich würde vorziehen zu unterzeichnen:Schönlein weiß Nix!"

(E,n nicht unverdienter Mann) ist am 23. Dec. in Eldena bei Greifs-walde gestorben, nämlich der Gastwirth Richter, allen Greifswäldern als Wirth desHaines bekannt. Aber weit über die Grenzen Deutschlands hinaus wurde sein Namerühmend genannt als derjenige, der zuerst die Nistkästehen für die Staare und andereWaldvögel praktisch zur Anwendung brachte. Von Eli'enham nach Eldena aus hat sichdiese wohlthätige Einrichtung dann über die ganze civilisirte Erde verbreitet und trotzmanchen Widerspruchs werden in jedem Frühling den freundlichen Sängern neue Wohnungenbereitet.

(Eine öcono mische Braut.)Nun, Clara, wählst du das Collier, oder dieOhrgehänge oder das Bracelet?"Nur wirthschaftlich, lieber Heinrich! Ich bin über-zeugt, daß, wenn du alle drei Gegenstände zusammen nehmen würdest, du sie gewißbi lliger kaufen möchtest."

(Gambettistische s.) Schultze:Haste jelesen. Alle französischen Blätter meinen,Frankreich habe mit Gambetta einen jroßen Staatsmann verloren!" Müller:Kennenjrvßen, aber eenen dicken; denn er war die letzte Zeit mehr beleibt als beliebt." Sch.tSo is etl"

Für die Redaktion verantwortlich Alphons Planer in Augsburg . Druck und Verlag desLiterarischen Instituts von llr. Max Hnttler.