Ausgabe 
(27.1.1883) 8
 
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Nr. 8.

Samstag, 27. Januar

1883 .

Jörg von Mslderk.

Eine Erzählung aus dem fünfzehnten Jahrhundert von F. Schenk.

(Fortsetzung.)

IV.

König LadiSlaw von Ungarn hatte das zum Kampfe gegen Murad II. zusammen»gezogene Christen-Heer in der Nähe von Ofen an der Donau aufgestellt. Von hier ausrückte dasselbe in drei Kolonnen, unter dem König, unter Georg Kastriota und demWoywoden Hunyad, Donau abwärts.

Die österreichischen, bayerischen und tiroler Ritter mit ihren Reisigen, waren derKolonne des Woywoden zugetheilt und zogen an der Save gegen Belgrad . ZwischenGradiska und Brod stieß die Kolonne auf eine größere Abtheilung des türkischen Heeres,welche sich ihr kühn entgegen warf. Es entspann sich ein wüthender Kampf dessen glück-licher Ausgang für die Christen lediglich dem rechtzeitigen, geschickten Eingreifen der Deutschenund ihren gewaltigen Streichen zu danken war.

Jörg von Waldeck verfolgte mit einigen Rittern eine an die Save sich zurückziehendefeindliche Abtheilung, da verhinderten zahlreiche weite und mit Schlamm gefüllte Gräbenjede weitere Verfolgung. Dieses gewahrend, wandten sich die türkischen Bogenschützenund Ritter Jörg, einer der vordersten Kämpfer sank, von einem Pfeile getroffen, bewußtlosvom Rosse. Nur ein kleiner Theil dieser verfolgenden Abtheilung konnte sich noch durchdie Flucht retten, da die Schützen, welche die maskirten Graben-Uebergänge kannten,rasch vordrangen.

Die Verwundeten wurden als Gefangene in die nahe Festung Brod geschleppt oderauf Ochsengespannen dahin gefahren. Unter den letzteren befand sich Jörg von Waldeck,welchem die Pfeilspitze unter der Achselhöhle in die Brust gedrungen war und einengroßen Blutverlust zur Folge hatte.

Wenige Wochen nach dem Kampfe an der Save bewegte sich ein Zug gefangenerchristlicher Streiter durch das felsige Narentathal der Festung Mostar zu. Schwerver-wundete oder vom Blutverlust Ermattete wurden gefahren und lagen gebunden auf Stroh.Leicht Verwundete aber, welche noch gehen konnten, wurden von ihren rohen Wächternmit Peitschenhieben vorwärts getrieben.

Als der Zug über eine hohe, gewölbte Brücke ging, sah man die gewaltigenMauern und Thürme der Festung, dahinter das tiefblaue adriatische Meer, in welchessich unterhalb Mostar die Narcnta ergoß.

Jörg seufzte beim Anblicke seines künftigen Gefängnisses tief auf. O, wüßte dietheure Agatha in welchem Zustande der geliebte Waldeckcr und wo sich derselbe befand l

Endlich kamen die Unglücklichen über die Zugbrücke in die Festung. Die Reisigenwurden in die Kaffematten vertheilt, während die Ritter in den feuchten und schmutzigengewölbten Thurmgefängnissen, zu welchen nur wenig Luft und Tageslicht gelangen konnte,