Ausgabe 
(27.1.1883) 8
 
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wieder namenloser Schmerz. Wir ankerten mitten im Flusse, dann kam ein Schiffchenvom belebten Ufer. Ich mußte in das Fahrzeug steigen und Stephans ruderte michhinüber. Kaum hatte ich den Fuß an'S Land gesetzt, als ein Türke in besserer Kleidungsich durch die Neugierigen drängte. Es war Ibrahim. Er war damals, wenn auch schonin den Fünfziger», noch ein rüstiger Mann. Dieser gab dem Stephans, den er zu kennen

schien, eine Börse, dann blickte er mich freundlich an und nahm mich bei der Hand.

Stephans aber sagte: Sieh, Luzia, dieser Mann ist nun Dein Vater und Freund, folgeihm vertrauensvoll.

Seit zwanzig Jahren bin ich die Sklavin Jbrahiin's und kann nicht klagen überharte, unliebe Behandlung. Ich genieße sein Vertrauen seit vielen Jahren und ohnedieses Hütte ich niemals Deinen Kerker betreten dürfen, edler Ritter. Ich durfte noch

keinen Gefangenen bedienen; erst seit Jbrahiin's Leiden ihn an die Stube fesselt, darf

ich Dich, für den er hohes Lösegeld erwartet, pflegen."

Seliina erhob sich und ging, um bei dem kranken Ibrahim nachzusehen.

(Fortsetzung solgt.)

Gokdkörrrer.

Der Neid ist die Becschwisternng mehrerer Untugenden zu einem einzigen Hauptlaster: er trügtzu gleicher Zeit die Abschentichkeit der ungenügsamen Habsucht, des Stolzes, der Menschenfeindlichkeit.Er verwüstet nicht imr die Lebensruhe Dessen, in dem er wohnt, sondern er lechzet auch noch Zer-störung fremden Glückes. Seins Kinder sind die Schadensrende, die Verleumdung, die Ungerechtigkeit,die Heuchelei, der Haß. Neid ist Unzufriedenheit über Begünstigungen und Borzüge, die man nichthat, ein Streben, sie Dem zu rauben, der sie besitzt, um sie sich selbst zuzueignen oder auch nur, siean Andern zu zerstören, wenn man zu ihrem Besitz nicht gelangen kann. Zschokke.

Es gibt eine Höflichkeit des Herzens: sie ist der Liebe verwandt. Aus ihr entspringt die be-quemste Höflichkeit des nutzeren B.tragens. Goethe.

Verstand ist stets bei Wen'gen nur gewesen:

Man soll die Stimmen wägen und nicht zählen. Schiller.

Wer gute Menschen liebt, kaun iveuigsteus nicht ganz verdorben sein.

Lessing .

Das, was Dein Aug' an Andern sah,

Wird Andern nicht an Dir entgeh'»- Tiedge.

Laß die Sonderlings mit Frieden, Menschentroß! Denn es wäre doch wahrlich sonderbar, wenndas Dornengebüsch mit den Eichenstämmen rechten wollte, daß sie einen festen, selbständigen Wuchshimmelan treiben. Benzel - Sternau.

Unser Lebensweg steht auf beiden Seite» so voll Bäumchen und Ruhebänke«, daß ich michwundere, wenn Einer müde wird. Jean Pauk.

Freund! Bewahre Deinen Himmel

Bor dem Dunst der Leidenschaften. Herder.

Leben ist ein Gewebe von Traumen,

Fröhlichen leicht, Betrübten schwer. K. Schmidt.

Schönheit ist ein mißlich Geschick. Sie machet den Liebling

Eitel, und wenn sie entflieht, macht sie ihn traurig und leer. Herder.

Witz als Werkzeug der Rache, ist so schändlich als die Knust als Mittel des Sinnenkitzels.

Schlegel.

Zm- Erinnerung arr NadetzN).

(Aus dem Wiener Vaterland.)

Am^18. Januar 1898 bewegte sich ein langer Tranerzug, vom Arsenale kommend,nach der Stadt zur St. Stephanskirche. Es war das Leichenbegängniß des FeldmarschallsNadetzky. Am 5. Januar war der berühmte Feldherr im 94. Jahre seines Alters inder Villa Reale in Mailand gestorben und nachdem man erst in Mailand , dann auf derDurchreise in Venedig und Trieft große Leichenfeierlichkeiten abgehalten hatte, wurde die