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entseelte Hülle nach Wien gebracht, um von da zur Beerdigung auf dein Heldenberge inWetzdorf iveiterbefördert zu werden.
Was Nadetzky in trüber, sorgenschwerer Zeit für Kaiser und Vaterland gethan, istAllen bekannt; aber wie es Erinnerungstage im Leben der Einzelnen gibt, wo man mitbesonderer Innigkeit theuerer Verstorbener gedenkt, so ist der Tag, an dem es ein Viertel-jahrhundert wird, daß die sterblichen lleberreste des Feldmarschalls nach Wien gebrachtwurden, wohl geeignet, der Verdienste, die er sich erworben, lebhafter noch als sonst zugedenken.
Am 2. November 1766 erblickte Nadetzky in Trzebniz in Böhmen das Licht derWelt; aus einer altadeligen gräflichen Familie entsprossen, trat er als Cadet in einungarisches Kürassierregiment und machte 1788 bis 1789 als Oberlieutenant den Feldzuggegen die Türken mit, wo er sich vor Belgrad die ersten Lorbeern errang.
In der kriegerischen Zeit, die nun folgte, nahm er an den Kämpfen gegen dieFranzosen Theil und zeichnete sich namentlich in der Schlacht bei Leipzig aus, wo erund Langen«» Generaladjutauten des Generalissimus Schwarzenberg waren. Im Jahre1831 wurde er Oberbefehlshaber der österreichischen Truppen in Italien und im Jahre1836 ward er zum Feldmarschall ernannt. Wie viele Proben seines Genies und Mutheser auch bis dahin gegeben, so war es ihm doch vorbehalten, in einem Alter, wo Andere,von dem errungenen Ruhme zehrend, ihre physischen und geistigen Kräfte schwinden sehen,die höchsten Triumphe zu feiern. Als die Revolution im März 1848 in Mailand aus-brach, war Nadetzky vierundachzig Jahre alt; allein die Energie, mit welcher er handelteund ein ihm weit überlegenes Heer inmitten eines aufständischen Landes besiegte, zeigteihn nicht als Greis, sondern als vollkräftigen Mann. Die herrlichen Waffenthaten derJahre 1848 und 1849 sind unverwelkliche Lorbeerblätter in der Geschichte Oesterreichs .Santa Luoia, Sommacampagna, Custozza und Novara sind Namen, welche die Brusteines jeden Oesterreichers mit Stolz erfüllen dürfen, und mag immerhin ein Gefüht derWehmuth uns jetzt bei der Erinnerung daran beschleichen, die Proben von Tapferkeit undAufopferung, welche uirsere Truppen, angeführt von „Vater Nadetzky", gaben, dürfennicht der Vergessenheit überlassen werden.
Am 23. März 1848 hatte Nadetzky Mailand, in welchem die Revolution herrschte,geräumt, und ein Jahr später, genau an demselben Tage, gewann er die Schlacht beiNovara, die dem Kriege mit Sardinien ein Ende machte.
Ebenso bekannt wie die Schlachten, welche Nadetzky gewann, sind die Milde undGroßmuth, die der edle Sieger, jedes unnütze Blutvergießen vermeidend, den Unter-worfenen angedeihen ließ.
Nach dem Friedensschlüsse wurde er zum Generalgouverneur des lombardo-vene-tianischen Königreiches ernannt und erst am 29. Februar 1857 auf sein eigenes Ansuchenjn den Ruhestand versetzt.
Nicht ganz ein Jahr später starb er an den Folgen eines Beinbruches, den er sichdurch einen Fall im Zimmer zuzog. Sein berühmter Vorgänger, Prinz Eugen vonSavoyen , diente unter drei Kaisern, Nadetzky unter fünf Monarchen. Geboren unterder Regierung Maria Theresia's, focht er unter Kaiser Joseph II. gegen den ErbfeindOesterreich's, gegen die Türken; unter Leopold II. und Franz I. nahin er an den Fran-zosenkriegen den rühmlichsten Antheil; unter Ferdinand dein Gütigen bewältigte er dieRevolution in Italien und unter Kaiser Franz Joseph 1. erfocht er den glänzendstenSieg über Karl Albert von Sardinien. Zum Generalgouverneur des lombardo-venetianischenKönigreiches ernannt, stellte er in dem unterwühlten Lande Ruhe und Ordnung wiederher. Die Monarchen, in deren Diensten er so Großes und Herrliches leistete, ließen esan Beweisen der Huld und Anerkennung nicht fehlen und als Nadetzky im Herbste 1849in Wien war, wetteiferten Kaiser und Volk, ihn auf jede Weise auszuzeichnen. So wurdewährend seiner Anwesenheit „Wallenstein's Lager" im Burgtheater ausgeführt und dieVolkshymne zu Ehren des Feldmarschalls gesungen.