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Man feierte in ihm nicht nur den siegreichen Feldherrn, sondern liebte ihn auchwegen seiner Herzensgüte. Mit wahrhaft väterlicher Liebe sorgte er für seine Soldaten,die ihn deshalb auch „Vater Nadetzky" nannten.
Seine Leiche wurde nach Wetzdorf überführt, wo er auf Parkfrieder's Heldenbergbeigesetzt wurde und ein herrliches Mausoleum erhebt sich nun über die Stätte, wo dergroße Feldherr ruht. Se. Majestät der Kaiser Franz Joseph wünschte, daß Der,welcher ihm so glorreich gedient, auf einer kaiserlichen Besitzung ruhe; da er aber denWillen des Verstorbenen ehrte und ihn demzufolge aus dem von Herrn Parkflieder zuEhren berühmter Oesterreicher errichteten Heldenberge begraben ließ, so gedachte er den-selben durch Kauf an sich zu bringen. Herr Parkfrieder, dem dieser Besitz um kein Geldder Erde feil gewesen wäre, bat den Kaiser, den Heldenberg mit allen seine» patriotischenDenkmälern als Geschenk annehmen zu wollen.
Während ein einfacher Privatmann sich durch diesen schönen Zug des Patriotismusein unvergängliches Denkmal setzte, kann es nur unser schmerzliches Erstaunen erregen,daß die Hauptstadt des Reiches bis jetzt unterließ, die Pflicht der Dankbarkeit zu erfüllen,indem sie dein Feldmarschall Nadetzky ein Denkmal setzte. Wir dächten, der Sieger vonNovara hätte darauf nicht minderen Anspruch als die Sieger von Zenta, Aspern undLeipzig . Wir sollten stolz darauf sein, diesen De kmälern noch eines hinzufügen zu dürfen,das uns vielleicht dadurch noch werther wäre, weil noch so Viele leben, denen der NameNadetzky in stnrmbewegter Zeit Trost und Muth einflößte. Unsere Zeit, die sonst soeifrig bestrebt ist, berühmte Verstorbene durch Denkmäler zu feiern, sollte den würdigstenAnlaß, der sich ihr hier bietet, unbeachtet lassen? Alle Dichter Oesterreichs haben in edlemWetteifer den Helden von Novara gefeiert und wir meinen diesen kurzen Nachruf, denwir seinem Andenken gewidmet haben, nicht besser schließen zu kennen, als indem wirdie schönen Verse Deinhardstein's anführen, mit welchen der Dichter uns ein so tref-tendes Bild von des Feldmarschalls Wesen liefert:
„Für Nccht und Pflicht das Schwert gezückt,
Den Blick zum Himmel nnvcrrüctt,
Beschützend mit der HeldenhandDen Kaiser und das Vaterland;
Das Herz an Menschenliebe reich,
Ein Kriegs- und Friedcnsfürst zugleich;
Im Handeln stark, im Ltraien mild,
Das ist — Nadetzky's Lebensbild. II. V.
M i s e s l L e rr.
(Die junge Königin von Holland ) führt, wie man aus Haag schreibt, mitihrem hohen Gemahl das harmonischste Familienleben. Die jugendliche Fürstin liebtaber außer ihrem Gemahl noch die schönen Künste und hat es namentlich in der Malereizu einer bewundernswerthen Fertigkeit gebracht. — So überraschte sie den König zumWeihnachtsfeste mit einem prachtvollen — von ihr eigenhändig gemalten — Porzellan-Service. Der hohe Herr war von dieser unerwarteten Gabe so entzückt, daß er desDankes kein Ende wußte und noch am selbem Abend seinem vertrauten Kammerdienerdie Sorge für das künstlerische Geschenk auf die Seele band. „Dieses Service," sagteer, „ist für mich das köstlichste Kleinod unter allen Kunstschätzen, welche ich besitze, undmein königlicher Zorn wird unerbittlich jeden treffen, der mir etivas davon zerbricht. DerUnglückliche wäre sofort entlassen." Es vergingen einige Tage, und eines Morgens er-bat sich mit bestürzter Miene der Kammerdiener eine Audienz bei der Königin, um ihrzu berichten, daß er das Unglück gehabt habe, von dem kostbaren Service die Zucker-schale zu zerbrechen, und daß er nun fürchte, vom Souverän? sofort entlassen zu werden»Huldvoll indeß wußte ihn die junge Fürstin zu tdösten und befahl dem geängstigtenDtener, ihr ein Fläschcheu jenes flüssigen Leimes zu bringen, das in Frankreich unterdem tröstenden Namen „ne zKenros-xlus''' bekannt ist. Die Königin wußte mit großer