Geschicklichkeit die zerbrochene Dose wieder zusammenzufügen, und so paradirte sie nocham nämlichen Morgen auf dem fürstlichen Frühstückstisch. Der König trank seinenSouchongthee» als plötzlich seine Gemahlin sich erhob, die geleimt« Zuckerdose in dieHand nahm und sie mit allen Zeichen tiefsten Erschreckens zu Boden fallen ließ. „Majestät,"sagte die Königin, auf die Scherben der kostbaren Schale deutend, „Majestät, bin ichnun auch meines AmtcS entlassen?" — „O," sagte der König, verständnißinnig lächelnd,Sie sind ein Engel — ns pleures-plem!
(Eine Symphonie von Richard Wagner .) Am heiligen Abend wurdezur Grburtstagfeier von Frau Cosima Wagner im Hause des Componisten in Venedigeine Symphonie aufgeführt, welche Wagner vor 50 Jahren componirt hatte. Wagner nennt in einem Briefe an das Leipziger „Musikalische Wochenblatt" diese Symphonieein «altmodisches Judenwerk", das zwar einige contrapunktische Sicherheit und Selbst-ständigkeit in der Verarbeitung der Themen zeige, ohne die drastisch feste Formenfassungseiner großen symphonischen Vorbilder Mozart und Beethoven aus dem Auge zu ver-lieren. Die Symphonie wurde zuerst in Leipzig aufgeführt, und Heinrich Laube » dersich damals „mit Aufsehen schriftstellernd in Leipzig " aufhielt, lobte das Werk in seiner„Zeitung für die elegante Welt". Ueber Mendelssohn ist Wagner auch in diesem Briefenicht gut zu sprechen. Wagner , der damals 19 Jahre zählte, überreichte sein symphoni-sches Werk dem berühmten Tondichter, welcher ihm gar kein Wort darüber sagte. „ImLaufe der Jahre," erzählte Wagner , „führten mich meine Wege oft wieder mit Mendels-sohn zusammen; wir sahen uns, speisten, ja musicirten einmal in Leipzig mit einander;er assistirte einer ersten Aufführung meines „Fliegenden Holländer" in Berlin und fand,daß, da die Oper doch eigentlich nicht ganz durchgesallen war, ich mit dem Erfolge zu-frieden sein könnte; auch bei Gelegenheit einer Aufführung des „Tannhäuser" in Dres-den äußerte er» daß ihm ein canonischer Einsatz im Adagio des zweiten Finales gutgefallen hätte. Nur von meiner Symphonie kam nie eine Sylbe über seine Lippe ."
(Umschreibung.) Nechtsanwalt: „Ihr leugnet also gar nicht, den Kläger ge-schlagen zu haben; könnt Ihr denn nichts zu Eurer Entschuldigung anführen!" — Klient:„Ei freilich, Herr Rechtsanwalt! Sehen Sie, wir haben in unserem Dorfe gerade Kirmes,und da bin ich die ganze Woche hindurch in mildernden Umständen gewesen."
(Weiberneid.) Die Kinderlose ist der mit Kindern Gesegneten neidig, weil mandie Unfruchtbaren, als guasi „unnütz," verachtet und die mit Kindern Gesegnete beneidetdie Kinderlose, weil es diese „so schön" hat. — Die „alte Jungfer" aber beneidet Beide,weil sie Männer haben!
(Kompliment.) „Ich habe immer gefunden," sagte ein ziemlich einfältiger, abereingebildeter Mensch, „daß, je weniger Jemand weiß, er desto glücklicher ist." — „Dagratuliere ich Ihnen", bemerkte der Andere, „denn dann müssen Sie sehr glücklich sein."
(Ein Prinzipienman n.) Der Professor Silbenstecher hat sich ohne Verlobungverheirathet, weil er's als Philologe nicht über's Herz bringen konnte, sich zu — ver-sprechen.
(Viel Lärm um nichts.) „Was geschieht denn der« Sau, daß gar a so schreit?"— »Nix g'schieht ihr, abstachen wird's."
(Ehrlich.) Donnerwetter! Der Rock geht aber ausgezeichnet! Wie heißt Dein.Schneider? — Sag ich nicht — kann meinen Schneider allein ruiniren.