Ausgabe 
(31.1.1883) 9
 
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Nachdem ein halbes Jahr nach dem Brande verflossen war, wählten die Vrüderzu des unglücklichen Albert Nachfolger den thätigen und einsichtsvollen Pater Heinrich.

Dieser unermüdliche Klostervorstand wird in der Chronik der zweite Stuter genannt,denn seinen Bemühungen gelang es, das Stift in einigen Jahren wieder einigermaßenbrauchbar herzustellen. Aber noch fehlten Paramente, Altäre und andere nothwendigeKirchenrequisiten. Die Bibliothek war, wenige Urkunden abgerechnet, ein Raub derFlammen geworden. Die Oekonomiegebäude waren nur zur Noth rasch aufgebaut, be-durften daher einer solideren Construktion. Alle diese Bedürfnisse konnten vom armenChorherrenstifte nicht beschafft werden und wenn auch aus Salzburg und Tegernsee , dannvon nahen Augustinerklöstern manche Geschenke anlangten, so reichte das nicht aus.

Probst Heinrich mußte weitere Hilfe aussinnen. Da kam er auf den Gedanken,die Einverleibung der Pfarrei Neukirchen zu erbitten. Diesen theilte er dem bewährtenFreunde seines Stiftes, dem edlen Ritter Georg von Waldeck eines Tages mit, als dieserzum Besuche nach Weyarn geritten war. Georg billigte den Plan des Probstes undversprach, bei nächstem Besuche in Freising, dem Bischöfe Paulus daselbst den WunschHeinrichs vorzutragen und dessen Erfüllung zu bewirken.

Wenige Wochen nach dieser Unterredung, es war im Frühling des Jahres1371 kam Herr Georg von Waldeck wieder gen Weyarn und überbrachte dem Probstedie erfreuliche Nachricht, daß ihm von dem Bischof der Rath ertheilt worden sei, dieAngelegenheit wegen Neukirchen bei Sr. Heiligkeit dem Papste persönlich mit dem Probstevon Weyarn vorzutragen. Er werde als Beweis seines Einverständnisses die beidenHerren von seinem Freunde, dem gelehrten Theologen I)r. Alban von Fünfkirchen be-gleiten lassen.

Bald darauf traten die drei Männer in Begleitung von zwei Dienern des Rittersdie Reise nach Avignon in Frankreich an, wo damals die Päpste residirten. Es warwohl eine beschwerliche Reise in damaliger Zeit, durch Schwaben an den Genfersee undauf der Rhone abwärts nach Lyon und Avignon !

Papst Gregorius XI. willfahrte den demüthigen Bitten des Probstes, nachdem auchRitter Georg die traurigen Verhältnisse des Klösterleins zu Weyarn in rührendster Weissgeschildert und der bischöfliche Abgesandte dieselben bestätiget hatte.

Die Reisenden kehrten wenige Tage darauf mit der päpstlichen Ermächtigung, wo-nach die Pfarrei Neukirchen dem Kloster Weyarn inkorporirt wurde, in die Heimath zurückund bald darauf traf der Freiiinger Bischof in Weyarn ein, um den Willen des Papsteszu vollziehen.

Das Kloster aber wird, so lange dasselbe besteht, niemals vergessen, was es demedlen Georg von Waldeck verdankt, wie es denn auch die von dem Genannten, im Jahre1386 gestifteten Seelenämter in würdigster Weise feiert, wobei alle im Convente an-wesenden Priester Beimessen für den unvergeßlichen Wohlthäter und seine Angehörigencelebriren.

Ich danke Euch, Herr Probst!" sagte Frau Agatha.Ich wußte wohl, daß meinseliger Schwiegervater ein Freund und Gönner Eures Klosters war. Auch mein Jörgwird, wenn ihn Gott wieder in die Heimath zurückführen sollte, um was ich ihn jastündlich bitte, dem Weyarner Kloster gewiß mit Rath und That beistehen, wenn esdesselben bedarf.«

Dann sprach der Probst zu Frau Anna von Pienzenau:

Auch Eurer Angehörigen gedenken wir in Folge der Stiftungen des Ritters Christianvon Pienzenau in den Jahren 1380 und 1381 am St. Bartholomäusiage jeden Jahres.«

Ich weiß es!« erwiderte diese.Mein seliger Christian war ja auch ein Freundder Augustiner Chorherren und ruht nun seit nahezu dreißig Jahren in der Weyarner Stiftskirche. Am nächsten Jahrestage der Stiftung komme ich ohnehin nach Weyarn .Vielleicht begleitet mich meine liebe Agatha?«

Recht gern", erwiderte diese.Nun aber wird's kühler in der Laube; ich denke,