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wir lassen uns wieder heimfahren und die Herrn bringen den Abend auf der Hochburgzu. Morgen wird der Herr Probst für die baldige, glückliche Heimkehr meines theurenJörg in der Georgskapslle eine heilige Messe lesen. Nicht wahr, Hochwürden?"
„Wie Ihr wünscht, edle Fraul" antwortete der Probst. „Doch Mittags muß ichwieder in Weyarn sein, denn ein unaufschisbliches Geschäft erwartet mich dort."
„Ganz gut", bemerkte Frau Anna. „Ich habe*in Pienzenau zu thun und lasseEuch nach Weyarn fahren."
Die vier Personen nahmen von der Jägerswittwe freundlichen Abschied und stiegenMit Martha, der Zofe, zum bequemen Nachen hinab, der von zwei kräftigen Rudererngezogen, rasch ans jenseitige Ufer eilte. —
(Fortsetzung folgt.)
Goldkörner.
Sind die Frauen gut, so stehen sie zwischen dem Mann und dem Engel: sind sie schlecht, sostehen sie zwischen dem Mann und dem Teufel. Kvtzebue.
Das ist nicht immer Gnade, was so scheint,
Verzeihung ist die Amme küust'gen Weh's. Shakespeare .
Die Leidenschaften sind Mängel oder Tugenden, nur gesteigerte.
Goethe.
Was sich nie und nirgend hat begeben,
Das allein veraltet nie. Schiller.
Alles, was wir wirklich liebe», ist unersetzlich, und Alles, wofür Ersatz uns denkbar ist, habenwir niemals wahrhaft geliebt. Nierltz.
Etwas fürchten und hoffen und sorgenMuß der Mensch sür den kommenden Morgen,
Daß er die Schwere des Daseins trage
Und das ermüdende Gleichmaß der Tage. Schiller.
Willst du das höchste Ziel, so lern' entsagen!
Die Alpenhöh' kann keine Reben tragenWillst dn empor aus Adlerflügeln steigen,
Verzicht aus's Ncstlein in den Blüthenzweigen!
Willst dn der Sterne Spielgeselle werden,
Verzichte auf die Blumen hier aus Erden!
Such' in dir selbst dann deines Glückes Bronuen! —
Einsam geh'n durch den Weltenraum die Sonnen.
Emil Rittorhaus.
Die Menschen wären glücklich, wäre nicht der Mensch des Menschen Henker.
R aupa ch.
1 Friedrich Freiherr v. Flotow .
In Darmstadt ist am 24. Januar Vormittags Flotow, der Schöpfer der „Martha ",gestorben. Sein Name hat einst hell am deutschen Theaterhimmel gestrahlt, und ver-mochte Flotow auch in späteren Jahren nicht auf der Höhe des Ruhmes zu bleiben, dieer in der Mitte unseres Jahrhunders erklommen hatte, so reichen doch die wenigen voll-giltigen Gaben seines anmuthigen und heiteren Talentes hin, um ihm für immer einevornehme Stelle in unserer Musikgeschichte zu sichern. Gerade in unseren Tagen, da mandas nach melodischen Schöpfungen dürstende Publikum Deutschlands zu einem wahrhaftasketisch strengen Tonleben verurtheilen will, hören wir mit doppelter Trauer vom Todeeines Mannes, dessen liebenswürdige Laune uns Alle bezauberte und der uns einst wreein reicher, sonnig erglänzender Springquell mit seinen harmonischen Gaben überschüttete.Flotow gehörte nicht zu den himmelstürmenden Geistern, seine Begabung war eher fran-zösisch zierlich oder sanft sentimental, aber er gab, was er besaß, mit vollen Händen;sein Melodienquell sprudelte frisch und erfrischend, er quälte das Publikum nicht mit er-habener Langweile, und als ihm die Erfindung spärlicher floß, versagte er sich die Genug-