Wie ehedem Fastnacht gefeiert wurde.
Erzählt von Klara Reichn er.
* Es ist ein sehr alter Brauch, das Fest der Fastnacht zu begehen, welches bis aufunsere Tage mit soviel Scherz und Lustbarkeit gefeiert wird.
Allerdings ist unsere heutige Art eine etwas andere, als die vor ehedem, und diedamaligen Gebräuche würden wohl kaum viel Glück mehr machen und zeitgemäß mehr sein.
So zum Beispiel herrschte in etlichen deutschen Städten der Brauch, zur Fastnachts-zeit eine riesenlange Wurst umherzutragen. Dies geschah von Seiten der Verfertiger,der Metzgerzunft, welche dabei allerlei Schwank und Possen trieben. — In Königsbergin Preußen fabricirten die Metzger im Jahre 1583 eine Riesen-Bratwurst von 434 PfandGewicht, und einer Länge von 596 Ellen, welche von nicht weniger als 91 Metzger-burschen auf Gabeln von Holz durch die Stadt getragen wurde, indem sie gar muntereLiedlein dazu sangen.
Noch größer war die Wurst, welche man 18 Jahre später durch die Stadt trug,denn deren Gewicht bestand aus — 900 Pfund und ihre Länge 1005 Ellen. — DieseNiesenwurst ward dann feierlich verspeist, und zwar hatte die edle Metzgerznnft zu diesemZwecke auch die der Bäcker mitgeladen, welche sich für dieses Festmahl dadurch revanchirte,daß sie sechs Riesen-Bretzeln und acht Niesen-Strietzel von je 5 Ellen Länge backten,und 12 Scheffel Weizenmehl dazu verwendeten; diese Kunstwerke der Bäckerzunft wurdendann ebenfalls durch die Stadt getragen, und gleichfalls in Gesellschaft der Metzger ver-zehrt. Außerdem aber fand sich auch sogar ein Dichter, der diese wichtige Begebenheitgebührend in einem großen, lateinischen Gedicht besang.
Auch in Bayern, und zwar in Nürnberg , herrschte früher der Brauch, zur Fast-nacht eine ungeheure Wurst im Triumph umherzutragen; — zum letzten Mal geschahder feierliche Akt im Jahre 1658. — Auch diese letzte der Fastnachts-Niesenwürste vonNürnberg wurden verewigt» — durch eine möglichst naturgetreue Abbildung. Ueberdiesem in Kupfer gestochenen Wurst-Portrait aber befand sich die folgende Inschrift:
„Eigentliche Abbildung der langen Bratwurst, welche von den Knechten des Metzgsr-Handwerks den 8. und 9. Februar dieses ablaufenden 1658. Jahres ist in der Stadtvon ihren zwölf herumgetragen worden, und war ihre Länge 658 Ellen, hat an Gewichtgehabt 514 Pfund; die Stangen, daran sie ist getragen worden, war 49 Schuhe lang.Die Wurst war oben mit Grün besteckt. Die Träger hatten in der linken Hand Gabeln,damit sie ruhen konnten." —
Eine andere Fastnachtssitte in Nürnberg , welche nahezu 100 Jahr lang in Ge-brauch war, bestand in dem sogenannten „Schönbartlaufen." — Der Name stammte hervon Schön- oder Scheinbart, das heißt: einer Larve, die verschönt, beziehungsweise ver-mummt. —
Die Entstehung dieses „Schönbartlaufens" geschah, seit onno 1349 die Zünfte inNürnberg gegen den hohen Rath der Stadt sich erhoben, und denselben mit Ueberfallund Todschlag bedrohten, welch' Ungemach indessen durch die rechtzeitige Warnung einesMönches abgewendet wurde, indem die also Bedrohten durch die Flucht sich retten konnten.Während nun der eigentliche Rath der Stadt nahezu IV 2 Jahr sich fern halten mußte,setzten die Zünfte einen neuen ein, bis Kaiser Karl IV. gen Nürnberg kam, die Rädels-führer der Rebellien durch Kerkerhaft und Enthauptung richtete, und den früheren Rathwiederum in seine früheren Rechte setzte. — Nur die Zunft der Metzger hatte sich durchNichtbetheiligung an diesem Aufstand ausgezeichnet, folglich zeigte sich der strafende Kaiserauch allein gnädig gegen sie, und ertheilte ihnen zum Zeichen und Beweise seiner ganzbesondern Wohlgeneigtheit das Privilegium, eine Fastnachts-Lustbarkeit alljährlich abhaltenzu dürfen, während er sonst alle bis dahin erlaubten Vergnügungen verbot. — Diesesbesondere Privilegium der Metzgerzunft war das „Schönbartlaufen", welches bald sobeliebt wurde, daß die reiche männliche Patrizierjugend der Stadt Nürnberg der Zunftdas Recht alljährlich abkaufte, und auf diese Weise das „Schönbartlaufen" sehr zu Glanz