Ausgabe 
(31.1.1883) 9
 
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vor Gericht an, sie habe gemeint, nach einen, Gespenst, nicht aber nach einem Menschenvon Fleisch und Blut zu stechen!

Deutschland ist aber doch nicht so recht eigentlich der rechte Boden für die tolleFastnachtslustigkeit; das Land der ausgelassenen Maskerade ist vorzugsweise ja Italien ,während auf deutscher Erde leicht Lustigkeit in solche», Falle zur Derbheit wird.

Jedenfalls ist aber unsere oft geschmähtemoderne Zeit" trotz Allem und trotz rAllem nicht so extravagant, als man es ehedem gar häufig war, in der viel gepriesenen,goldene», derguten, alten Zeit", wenn Fastnacht gefeiert wurde. ^

Missellsrr.

(Zur Genealogie der Familie Goethe .) In derDarmstädter Zeitung"hat der Gymnasiallehrer Hr. Robert Schäfer in Friedberg interessante Forschungen überden Friedberger Zweig der Familie Goethe veröffentlicht. Daß Goethe Verwandteväterlicherseits in der Wetterauer Reichsstadt Friedberg besaß, wissen wir aus seinenMittheilungen inDichtung und Wahrheit ". Genaueres war über den genealogischenZusammenhang beider Zweige nicht bekannt. Hrn. Schäfers Untersuchungen führten denUrsprung des Friedberger Zweiges zunächst nach Allstedt (Sachsen-Weimar ) und dannnach Ariern in der Grafschaft Mansfeld, welches längst als Sitz der Famile Goethe bekannt ist. Der Großvater des Dichters und der Stammvater der Friedberger Familiewaren Brüder. Ihr gemeinsamer Vater war der Hufschmid Hans Christian Goethe zuAriern, ch 1694. Sein Sohn der Schreiner Johann Christian Goethe zu Friedberg (ch 1768) hatte eine Tochter, geb. 1731, welche von Frau Cornelia Goethe zu Frank-furt , der Großmutter des Dichters, aus der Taufe gehoben wurde und deren Namenführte. Die Familie Goethe ist in Friedberg erloschen, und das Haus zum Ritter,welches ihm von 17301770 gehörte, ist 1879 abgebrochen worden.

(Was ist der Ehestand?") P. Abraham a. S. Klara beantwortet diese Fragealso:Der Ehestand ist ein Garten in welchem die Brennesseln die Blumen vor-stellen. Es ist ein Nuß bäum, worauf Kümmernisse wachsen; eins Stadt, so sichschreibt Klagefurt; ein ABC, in welchem der Buchstabe W der fürnehmste ist; einLazareth mit zwei Suchten: Herrschsucht und Eifersucht; ein Himmel, an demnichts zu sehen ist als Unstern; eine Jagd auf der man zum öftesten fangt ein Elend-thier; eine Prozession, wo allzeit das Kreuz vorangeht; eine Hauskapelle derNothburga; ein Wald, worin alles Holz wächst, nur der Segenbaum nicht."

(Zur Steuer-Reform.) Ein Wink oder Rath an unsere Finanzminister undSteuerbeamten rc. zugleich eine heilsame Lehre für manchen geschwätzigen Ort.

Besteuert alle Verleumdungenund alle Lüge n mäuler mit;

Das höchste Ziel ist dann errungen.

Gedeckt wird jedes Defizit,

Fünf Pfennig nur für jede LügeUnd zehn für jede Klatscherei;

Was solche Steuer wohl betrüge?

Ich glaub', wir mär en steuerfrei."

(Das Garderobezimmer) eines Pariser Theaters war allabendlich so mitalten Frauen überfüllt, welche den jungen Schauspielerinnen dienten, daß sich der Direktorendlich genöthigt sah, folgendes Placat in dem Zimmer anbringe» zu lassen:Es wirdden zum Verbände des Theaters gehörigen Damen absolut verboten, mehr als eineMutter auf einmal mitzubringen!"

(Ein guter Anfang.) Mutter:Aber Mann, schau her, wie der Karl gebücktdaher kommt." Vater:Weibchen sei froh, daß er sich frühzeitig kümmern lernt,wenn er noch entsprechend dumm ist kann er's zu was bringen."

Für die Redaktion verantwortlich Alphons Planer in Augsburg . Druck und Verlag desLiterarischen Instituts von Dr. Max Huttler.