Goldene Regel »» für Sondwirthe.
(Auch sür andere Leute nützlich zu lesen.)
Wer seinen Acker fleißig baut,
Aus cig'ne Tüchtigkeit vertraut:
Wer gleichermaßen wohl bemißt,
Was er der Wiese schuldig ist;
Wer seinen Viehstand sorgsam pflegtUnd Füller stets im Vorrath legt;
Wer jeden Handel baar besorgtUnd nicht leichtsinnig kaust und borgt:
Wer mit der Sonne sriih ausstehtUnd srijch an seine Arbeit gehl:
Am Sonntag ruht und Herz und GeistMit Früchten edler Geister speist:
Wer sich an Ordnung, ReinlichkeitIm Hans und Hof und Stall erfreut:
Wer Habsucht und Verschwendung fliehtUnd seine Kinder brav erzieht;
Wer Mäßigkeit liebt in guter ZeitUnd gern entbehrt in Noth und Leid;
Wer auch in dem Geringsten treu,
In Wort und Werk von Falschheit frei;
Mit dem wird's gut im Hause stehn;
Wie es auch kommen mag und gehn.
M i s - e l l e rr.
(„Der richtige Verliner") — jene fleißige Sammlung von Berliner Redens-arten, die im Verlage von H. S. Herrmann erscheint, hat abermals eine neue Auflage erlebt'Unter den neueren, interessanten geflügelten Berolinismen finden wir „Nitzenschieber" für„Geleise-Reiniger bei der Pferdebahn." Ein Schüler sagt zu einem anderen: „Au, Dirzeig' ick an!" Die Antwort ist: „Na, zeige man nich vorbei." Für „eenen drinken"heißt es auch „eenen uf'n Diensteid nehmen." Weil die Dienstboten am dritten Feiertagfreien Tag zu habt» und dann zum Tanz zu gehen pflege», heißt eine nicht sehr nobleTanzgesellschaft: „Drittes Feierdaas-Publikum." „Wat is schneller wie'» Gedanke?"Antwort: ,,'n Berliner Droschceupserd; wenn man denkt, et fällt, denn liegt et schon."„Sein Se milde", deutet an: „Sie übertreiben." „Eenen mit de Nase uf die Duschecketraktiren" heißt: „Jemanden nichts vorsetzen," und die Frage: „Haben se Dir denn watvorgesetzt?" wird beantwortet: „Die sind froh, det se alleene nischt haben." „Haareapart, Boulctten apart" sagt man, wenn man ein Haar im Essen findet. Mit „Kellneer,'n andern Jast", giebt mau einem mißliebigen Tlschnachbar in der Kneipe sein Unbehagenverstehen. Vokabeln wie „Thrankonditor" für „Materialienwaarenhändler" und „Waden-Oper" für „Oper mit Balle!" können gewiß nur in Berlin entstehen. Für „Er heiratheteine Waise" ist die Redensart aufgekommen: „Er genießt seine Schwiegereltern kalt".„Ick habe blos eenen Jungen" wird auch ausgedrückt durch: „Ick habe.blos eenenJungen zu verzehren". Schon früher sagte man: „Er is'n bisken schüchtern uf de Oogen"für „Er schielt". Danach ist gebildet: „Er is schüchtern uf de Casus", d. h. er kann„mir" und „mich" nicht unterscheiden. Zur Empfehlung eines Magenligueurs sagt man:„Er hitzt, kühlt, führt ab, stoppt ooch, nimmt den Schwindel, stärkt's Jedächtniß unjiebt 'n verlorenen Verstand wieder". Zur Definition vom „Stiesel": Präsident: An-geklagter, Sie sollen zum Zeugen „Stieselcr" gesagt haben." — Angeklagter: „Nischtvor unjut, Herr Gerichtshof, aber erschtenS heeßt et „Stiesel", det iS nämlich 'n Mann,der immer so dnht, als wenn er wat dächte und am Ende en janz jewöhnlicher Ochseis, aber zweetens habe ick det Wort jar nich jejen ihm jebraucht."