„Ich weiß nicht, wie ich Dir dieses Liebeswerk vergelten soll, sprach der Ritter.Nimm dieses werthvolle, mir so theure Geschenk meiner Agatha als ein Andenken an dendeutschen Ritter, den Du so treu gepflegt, den Du den Seinen wiedergegeben hast! Ichweiß es, ich darf Dir's gebe»,. das Geschenk meiner Gattin, sie selbst würde es derRetterin ihres Jörg anbieten! — O Luzia! Möge es Dich zurückgeleite» in Dein schönesHeimathland, zu Deinem Kinderglauben und möge es Dir einst, wenn nothwendig, auchmateriellen Nutzen gewähren!" —
Selima betrachtete das Medaillon unter Thränen, küßte dasselbe und sagte:
„Ich danke Euch, Herr Ritter! Ja, ich nehme das Kleinod als Geschenk von Euch,als Andenken an den frommen deutschen Ritter. Ich hoffe, Gott wird mir gnädig seinund mein Samariterwerk als Sühne für den Abfall vom Christenthums ansehen, bis ichwieder so glücklich sein kann, zur lieben Kirche meiner Jugend heimzukehren!" — Darauferhob sie sich, trocknete ihre Thränen und indem sie den Krug ergriff, sagte sie noch:„Jetzt kleidet Euch um, ich muß zu Ibrahim, komme aber noch vor dem Gebete. Laßtdes Alten Kleider nur hier in der Laube, ich versorge sie später."
Ritter Jörg sah dem Mädchen nach, bis dasselbe unter der Thurmthüre verschwand,dann kniete er nieder und betete lange und innig. —
VII.
Als Selima wieder an das Lager des Kranken trat, hatte sich der Kaufherr bereitsentfernt. Ibrahim winkte dem Mädchen näher zu treten und sprach dann mit leiser,matter Stimme:
„Antonio ging zufrieden fort, nun ist uns Beiden gedient. Er hat, was er solange ersehnte, erhalten und ich habe die Kaufssumme, so angelegt, wie ich's für's Bestehalte, nämlich für Dich bei dem Kaufherrn."
„Wie dank ich Euch, mein zweiter Vater, für Eure Liebe!" antwortete ergriffendas Mädchen und drückte die dürre Hand des Alten.
Nach einer Pause fuhr dieser fort:
„Antonio wird, wenn ich nicht mehr bin, für Dich sorgen. Du warst mir nichtnur eine treue Sklavin, sondern mehr noch, eine sorgsame Tochter und Pflegerin. Nach.meinem Tode bist Du frei, Selima. - Dann verlasse diese Festung, die Dir nur denAnblick armer Unglücklicher geboten. Kehre zurück in Deine schöne Heimath und gedenkemanchmal des alten Ibrahim, der Dir so lange Freund und Vater war." —
Dann fuhr er fort:
„Wie steht es mit dem Ritter im rothen Thurmes Ist seine Wunde geheilt?"
Selima entgegnete etwas betroffen:
„Die Wunde verursacht dem Ritter wenig Schmerz; doch kann er sich nicht rechterholen, er kann nicht zu Kräften kommen, wenn er nicht kräftigere Nahrung erhält."
„Wir dürfen dem Gefangenen nur das Vorgeschriebene geben, doch magst Du ihmmanchmal ein wenig Obst reichen, jedoch vorsichtig. — In drei Tagen kommt ein neuerTransport Gefangener aus der Schlacht von Varna . Diese wird der Commandant derFestung selbst empfangen und da müssen mehrere der älteren Gefangenen ausgelösetsein, außerdem werden sie verkauft. Sorge, daß der Ritter bei Ankunft des Gouverneursin Ketten sich befindet, wie der Befehl lautet." —
„Der arme Ritter!" seufzte Selima. „Wer sollte für denselben Lösegeld senden?Gewiß kennen seine Angehörigen in Deutschland den Aufenthalt des Unglücklichen garnicht und wie lange muß er noch in dem feuchten Thurme liegen, bis diese Angelegen-heit bereiniget sein wird! — Der Gouverneur wird eben die armen, vermögenslosenGefangenen als Sklaven verkaufen, um Platz zu machen; die Besseren aber, von denen ^er reichliches Lösegeld hofft» werden diese Burg wohl lange nicht verlassen dürfen!"
„Wir können Nichts ändern!" lispelte der Kranke.
.Wie froh war das Mädchen, daß alle Vermuthungen des Gefängnißwärt-rs be-züglich der Zukunft des Ritters durch dessen Flucht gegenstandslos würden. Sie war