Ausgabe 
(14.2.1883) 13
 
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Von meinem Jörg?« rief Agatha freudig, erhob sich rasch vom Stuhle und eilteum die Ecke des Jägerhauses, von welcher, bis zum Waldsaume die Entfernung nur eure

kleine war. Eben trat der Pilger in's Freie. . ^ .

Auf den Lippen Agatha's schwebte einen Augenblick dre Frage: Wer mag derPilger sein? Sofort aber saate ihr das treue Frauenhsrz: Es ist Jörg, mein theurer

In demselben Augenblick erhob Jörg beide Arme und eilte auf Agatha zu.

Mit dem Rufe: Mein Jörg! Gott sei gelobt und Maria, die Hilfe in der Noth!eilte auch sie dem Geliebten entgegen und lange hielt sich das überglückliche Ehepaarumschlungen in seliger Wonne des Wiedersehens! ? r-

Der Wald schwieg. Die Tannenä stehen unterbrachen ihr trauliches Geflüster, siewollten der Liebenden Seligkeit nicht stören, nur horchen auf das Schluchzen der Wieder-gefundenen!

» (Schluß folgt.)

Spielmamrsweisen.

Von Wilhelm Hörner.

Bin einst still vorbeigegangen ! An die Schläfer in dem kühlen

An der alten Friedhosspfort', > Erdengrundc denk' ich still,

An den Kreuzen aufgehangen, Und ein frommes, schauernd Fühlen

Welkten Blumen halbverdorrt. ! Meine Brust deschlsichen will.

Rings der Böglein Jubel schallte,

Doch ich betet' unbeirrt:

Weis; ich denn, wie bald, wie baldeMan um mein Grab beten wird?

Einiges von Nördlingen .

0. In kurzen Zügen wollen wir uns etwas mit der Metropole des Rieses beschäftigen, mit derStadt Nördlmgen, welche es vermöge ihres Alters und ihrer reich bewegten Vergangenheit wohl ver-dient bat. Sie ist eine uralte, einst kaiserlich freie Reichsstadt, der älteste und vornehmste Ort in derMitte des untern Nies, dieser wahren Kornkammer. Es ist geradezu fabelhaft, wie viele und mit-unter gesuchte Ableitungen in Scene gesetzt wurden, um den Namen Nördlingen herauszubringen.Einige mögen auch hier der Erwähnung werth befunden werden. Nach grauer Sage wurde Nörd-lingen schon auuo wuiicli 3947 20 Jahre vor Christi Geburt temporcr Olauckii Niberü dtoionis,ab; er unter dem Kaiser Augustus die Vindclicier bekriegte, auf St. Jmmeransberg erbauet undvom besagten Claudius Tiberius Nero, welcher nachmals auuo Christi 17 der dritte römische Kaiserwar, wurde dem erbauten Castell der Name Nöroliuga gegeben. Von hier aus sei die ganze Umgebung'gouvernirt, unk in beständigem Gehorsam erhalten worden. Der Chronist sügt nicht übel beidieszu behaupten ist schon noch zu prolnren." Die Chronik bemerkt weiter:wie dem aber auch schlechterGrund hiezu vorhanden, daß, wie es heißt, snno Christi 72 die Stadt Nördlmgen vom Kaiser FlavioVespasiauo nach seinem Abgott und daselbst geheiligten Altar all aras bllaviao oder Flavianos ge-nannt worden und diesen Namen bis anno 363 behalten haben, sofort aber von den alten Inwohnernder Name Nördlingen wieder recipirt worden sein sollte, welchen dieselben bis auf den heutigen Tagcontiuuirt und fortgesetzt haben." Eine weitere Ableitung, welche ausdrücklich als dieallerglaub-lichste" angeführt wird geht dahin: daß die erste Anlage von den Deutschen geschehen sei, die Anfangsiu statu uaturoli (Nördlingen ) nackt einherliefen und doch ganz rein lebten. Sie heiratheten Gutund Blut zusammen. Daher bemerkt die Chronik erfolgte, daß die Oomwunio bouoruin noch vor-handen hin und wieder in Deutschland ." Wir bemerken hiezu, daß das Zusammeuheirathen der altenFamilien in Nördlingen allgemein gebräuchlich ist, daß hier, wie ein Eingeboruer selbst sagt, die größteVetterschast" herrscht, oder um mit einem Rechtsgelehrten unserer Zeit zu reden,eine große Blut-wurst" sich hier befindet. Zeiler will den Namen ableiten von Uorioo oder Nordgau oder gar vonNordwmd, iveil die Stadt gegen Norden liegt; Beatns Rhenan meint Ickb. XII. vor. 6srm. p. 122Nördlingen habe den Namen von der edlen Familie der Nördlinger, welche im Nordgau gewohnt undnach Zujanunenziehung ihrer Wohnungen die Stadt Nördlingen angelegt hätten. Tiefe Ableitungerklären wir rundweg für verspätet.

Daniel Haakb, gewesener Nördlinger Superintendent, glaubt, der Name rühre daher, weil dieStadt an den Grenzen von dlorieum liege und wähl sei sie deshalb aus die uralte Zeit zurückzuführen,als die Xorici an der Donau ihren Sitz hatten. Ein neuerer Forscher, nach dessen Ableitung aller-dings die Stadt sehrneuen" Datums sein sollte und müßte gibt an: der Name käme von dem WorteNähring", weil man hier zu Land nicht Nvrdling, sondern Nährling spricht und alslieg" oft so»