Ausgabe 
(14.2.1883) 13
 
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viel alslich" bedeutet, z. B. ehrlich heißt im Volksmimdehrling", ss wäre also Nährling Nähr-lich d. h. ein nahrhaster Ort, wo man sich ant nähren kann. Es scheint fast, Kiefer Sprachforscherhabe den Markt am Samstag besucht und sichehrling" mit einem Dutzend Seidelwnrstle oder einerdoppelten Portion Schlachtpartie genährt. Die neueste Ableitung unseres Wissens ist die, welche derTurnverein bei seiner letzten Fastnachtsanssührnng auf großen Plakaten preisgab, indem er seineKünstler vonNürrling" herstammen ließ, eine Ableitung welche selbstverständlich nur für die dreiFastnachtstage Geltung haben kann.

Kommt der Name her, woher er wolle, eine uralte Stadt ist Mrdlingcn, denn beim Abbrecheneines alten Tempels fand man die Nachricht, daß derselbe drei Jabre vor Christi Geburt erbautworden sei. Das Alter der Stadt geht auch schon daraus hervor, daß man sichere Nachrichten überihren Ursprung nicht hat; allerdings kommt dies wohl meist daher, weil bei großen Bränden imdreizehnten Jahrhundert die Urkunden vernichtet wurden. Freilich, wenn Dellejus Paterculus ll. p. 95behauptet, daß zur Zeit des Kaisers Augnstus außer Augsburg in derselben Gegend auch andereStädte gewesen seien, kann man hieraus nicht stritte schließen, wie es geschehen ist, daß auch Nördlingen darunter gewesen sei. Paterculus sagt blos:Ubaetvs Viuclolicosgue aggiessi, multio nrkium eteastelloruin oppugnaticuübus neo von äireeta guoguo acie tolioitor t'uuari gentos pocclomuerunt."Anno Christi LO sollen die aus Noin durch Nero Vertriebnen Juden sich auch hieher gesetzt habenund von denen zu Jerusalem Briefe von der Kreuzigung Christi bekommen haben, wie Briefe diesesInhalts auch bei den Juden in Ulm gesunden morden sein sollen. Vielleicht aus Liebe zu dieser altenTradition'haben sich die Jsraeliken seit mehreren Jahren die Hauptstadt des Reiches zur Hauptstadtihres Wirkens für die ganze Umgebung gemacht, ein Satz, den wir als eigentliche Behauptung selbst-verständlich nicht ausstellen wollen. Anno Christi 34 soll (!) der hl. Apostel Paulus auch hier gepredigthabe». Möglich ist es, zu beweisen ist es aber auch noch. Clemens Romanus schreibt in seiner epi-stola üä Ooriutbios er hat ja mit Paulus gelebt daß Paulus sowohl im Morgenland alsAbendland gepredigt hat und bis an die äußersten westlichen Inseln und Gegenden gekommen sei.So viel vom Namen und der Ueberlieferung unserer Stadt, welche nuter dein 48. Grad 45 Min.Breite und dem 32. Grad 40 Min. östliche Länge in der Ebene des Rieses liegt und einen Knoten-punkt ini Weltverkehr bildet, indem sie an der Eisenbahn von München nach Nürnberg liegt undden Ausgangspunkt der Linien StuttgartNördlingen , und DombühlNördlingen bildet. Verfolgenwir noch kurz die Geschichte der Stadt vom dreizehnten Jahrhundert an, von ivelcher Zeit die Datenals unumstößlich wahr festzuhalten sind, nachdem auch die Einäscherung der Stadt durch Attila oderChlodwig im sünsten Jahrhundert nicht als gar glaubwürdig erscheinen dürfte, und auch ein großerBrand in der Mitte des elften Jahrhunderts nicht in allweg auf Wahrheit Anspruch machen kann.

Nachdem die Stadt, welche im dreizehnten Jahrhundert reichsiinmittelbar geworden war undin den damaligen Streitigkeiten zwischen Papst und Kaiser zu letzterem hielt, durch Feuer bis auseinige Häuser zerstört worden, entschlossen sich die Bürger, die Stadt, welche oben auf St. Emmerans-berg erbaut war an die Eger herab zu trnnslociren und wurde diese Translocation in der Mittedes dreizehnten Jahrhunderts ausgesührt zwischen 1240 und 1203. Von den Kaisern des Reiches er-hielt die Stadt viele Privilegien, kgl. Regalien, Exemplionen und Immunitäten und zur Zeit Lud-wigs des IV. 1374 wurde sie Festung und als solche mit Thürmen und Ringmauern wohl versehe».

Wir heben an dieser Stelle mit größter Freude hervor, daß gegenüber andern Städten, welchesich befleißigen, mit diesen alten Wahrzeichen alter Herkunft und alter Ausdauer tabust» rasa zumachen, der Magistrat zu Nördlingen die alten Zeichen einstiger Kraft und die Zeugen so vielerKämpfe wohlweislich erhält und ihnen nicht nur das Gnadenbrod des Alters gibt, sondern die altenKerle" stets wieder ausbessern läßt all msmorstrm sompitorvam! Was die oben angeführten Privi-legien betrifft, so möchten wir nur anf Eines aufmerksam machen, nämlich auf das betreffs der Nörd-lingcrMeß", welche heute noch nach Pfingsten gehalten wird und für unsere Zeit freilich zu langedauert, nämlich fast 14 Tage. Im Jahre 1463 verbot Friedrich III. zum Wohle der Stadt, daß aus2 Meilen Umkreis kein Jahr- oder Wochenmarkt gehalten werden dürfe, so lange die Nördlinger Meßdaure. Auch mehrere Judenverfolgungen, in denenmassacrirt" wurde, habe» wir zu verzeichnen.Die bedeutendsten sind vor sich gegangen im Jahre 1290 und 1383. Daß in der letztgenannten 200erschlagen wurden, dürste der Wahrheit nicht entsprechen, denn damals dursten sie nur in der sogen.Judengnsse wohnen und diese war sehr klein. Aus dieser Judenverfolgung entsprang »in großer Haßder benächbarlen Edelleute gegen die Stadt Nördlingen , da viele dieser Edelleute bei den ermordetenoder geflohenen Juden reiche Pfände hatten, deren sie verlustig gingen, da eine allgemeine Plünderungin den Judenhäusern von der Stadtbevölkerung in Scene gesetzt wurde. Der Magistrat, der denziemlich bedeutenden Abgang der Judensteuer im Stadtbeutel bedeutend fühlte, habe Schritte gethan,dieselben nach ihrem Wegzug wieder in die Stadt zu ziehen. Theilweise seien sie gekommen, dieBürger aber hätten sich nicht mit ihnen versöhnen können, sondern immer wieder seien Händel ent-standen. Die Kopfzahl der heute in Nördlingen lebenden Jsraeliten dürfte nahe an 400 sein, währendEinsender, der noch kein halbes Jahrhundert alt ist, die beiden ersten hereingezogenen Familien weiß.Im Jahre 1440 versuchte der Graf Hans von Oettingen durch das Thor, an welchemein Bube steht,der warren muß, bis a Kotsch kommt, daß er en Groscha kriegt", durch das Löpsingcrthor einen Ueber-sall, welcher aber vereitelt wurde. Die Verräthcr wurdengrausam zu Tode gebracht", der ganzeVorsaU aber ist zu einem Mythenkranz geflochten worden, dessen einzelne Blätter den Leser mitunter