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eigentliche Kanzel Prächtig gothisch aus Stein gehauen, ist der Schalldeckel aus Holz und steht auf dem-selben der Auferstandene. Es wird unseres Wissens wirklich noch die Frage veutilirt, ob n^»i denSchalldeckel ganz entfernen soll, weil er nicht „gothisch genug" sei. Wir sind ebenfalls der Meinung,„gothisch genug" ist er nicht, dennoch aber ist er nicht zu verachten, was die Arbeit anlangt. Etwaszu blöckisch, wenn der Ausdruck gebraucht werden darf, schien er uns und was die praktische Seite,den Prediger selbst betreffend anlangt, so glauben wir, daß er etwas zu tief angebracht ist. Dievier Evangelisten aber, die an der Brüstung angebracht sind, sowie die anderen kleineren Statuettenverdienen sicherlich den Beifall jedes Besuchers, desgleichen die durchbrochene steinerne Kanzcltrevpe.So ziemlich gegenüber der Kanzel befinden sich aus der Nordseite zwei kleine Kapellen mit den Grab-steinen der Erbauer derselben. In einer befindet sich ein ächter Scheufelin, darstellend die „BewcinungJesu Christi nach der Kreuzabnahme." Früher bildete es das Altarbild auf dem Altare zwischenChor und Schiff, welcher bei der neuesten Renovation entfernt wurde. Den Schmerz Mariens undder andern acht sich um den Leichnam des Herrn schaarende» Personen getreuer darzustellen, wirdwohl nie gelingen.
Im Hintergründe sind die Kreuze, eines leer, und rechts erblicken wir die Stadt Jerusalem mitseinen Tempelskuppeln und Zinnen. Der hochselige bayerische König wollte, wie dies der Ciceronedes Tempels Jedem mit Freuden erzählt, für das Bild der Stadt 80,000 Gulden geben, umsonst undwohl mit Recht! Gegenüber diesem Bilde schauen wir ein viel älteres, die „Kreuztragung Christi"darstellend, dessen Berserriger unbekannt. Wir erwähnen dieses nicht der Kunst wegen, sondern ivegender ganz merkwürdigen Auffassung. Aus den Henkersknechten machten nämlich die Maler lauter Teufelmit grauenhaften Tcufelsgesichtern, vor welchen man wirklich Angst bekommen kann. Im Hinter-gründe rechts schauen wir Maria und Johannes, während Simon von Cyrene wirklich ungemein„guthmüthig", ganz und gar nicht „genöthigt" dem Herrn das Kreuz nachzutragen sich anschickt. —In der zweiten Kapelle gewahren wir als Bild „den Sturm auf dem Meere", aus welchem wir dieAngst der Apostel so recht deutlich erschauen können. Gegenüber ist das Bild des BürgermeistersWelsch angebracht, welcher soluo fiel im Kampse gegen die Psäfflinger. Oben wird eben seine Leichehinausgetragen.
Rings um die Kirche liefen früher Emporen, die Neuzeit hat sie weggeschafft und wohl nurmit Rücksicht aus die Verschönerung der Kirche. An denselben, sowie an den Pfeilern waren uu-gemein viele, mitunter ganz und gar unschöne sogenannte Leichenscheibc», welche zum großen Theil auchmit Recht entfernt wurden; die noch vorhandenen sind schön renovirt. Bor der Sacristei an demsogenannten Psaristuhl sind Bilder angebracht, welche zu den ältesten der Holzschueiderei gehörensollen. Ueber der Sacristei befindet sich die alte Orgel, ein Werk, das Einsender nicht so loben kann, wiees Andere thun, obwohl es selbst den „maurischen Stil" darstellen soll. An dem bunten Durcheinanderkann deswegen wohl mancher eine Freude haben, weil das Sprichwort bis heute noch gilt: „clo gasti-dus voll est ckisputauckum." Dagegen müssen wir jedem Besucher die Treppe empfehlen, welche ausdie alte Orgel führt, da der Raum derselbe» in zwei Theile gechcilt ist, so daß Zwey welche mitein-ander Hinausgehen, einander nicht sehen, bis sie oben zusammenkommen. In der sacristei befindetsich unter anderem auch ein Bild, die „Kreuzigung Christi" darstellend, das, eine Nachahmung Tilians,wegen der merkwürdigen Beleuchtung der Beachtung werth ist. Zu der Hauptorgel — um mit Westendurch welches wir eintraten, zu schließen.— welche ein sehr gutes Werk ist, führen zwei steinerneTreppen, die gegen Süden etwas einfacher, aber schöner Construction, während die gegen Norden einMeisterstück der Archieteklur ist.
Verlassen wir jetzt St. Georg und seinen schönen Tempel, und betrachten nun in Kürze diezweite, die katholische Kirche all 8. 8alvatorow! Bescheiden birgt sie unsere Ringmauer, fern vom Welt-getöse, bescheiden ist ihr gothischer Bau, bescheiden die Fenster, bescheiden das Dachreiterle mit seinenzwei kleinen Glocken, bescheiden sind ja auch die Verhältnisse der hiesigen Katholiken (circa 1200 Seelen)die doch endlich „geduldet" sind. Die Sacristei ist der Unterbau des nicht aus- und ausgebautenThurmes und befindet sich in demselben ein sehr altes Bild, die Einstehung der Kirche darstellend.Es soll dieses Bild ein Scheufelin sein, wir müssen aber das „soll" doppelt nnterstreichen. Es bestehtaus zwei Abtheilungen. Links oben bringt ein Priester einem Kranken die heilige Wegzehrung, alsplötzlich der Boden unter ihm bricht, Alles fällt herunter, auf den Boden und aus dem Kelche sinddie heil. Partikel herausgefallen. Rechts gewahren wir unten eine Procession eum 8on>:tissimo, obenein Feuer, aus welchem eine intacte Hostie hervorragt. Es habe nämlich ein 8. Partikel gefehlt, undum ihn zu bewahren vor Exsccration, habe man den Schutt rc. auf einen Hausen gethan, um Alleszu verbrennen, der Partikel aber sei ganz unversehrt aus dem Feuer herausgekommen. An diesergeweihten Stelle, sagt der Chronist, sei kein Thier mehr vorbeigegangen und man habe da die Kircheerbaut. Das Innere der Kirche ist recht wacker bemalt, der Doppetflügelaltar im Chor ist alt undgehört zu den schönsten in ganz Schwaben, die drei Glasfenster des Chores sind hübsch. Die Kanzel,eine Art Lettner , ist mit fünf broucirlen Reliefbildern versehen. Recht hübsch ist der Seitenaltar all8. Llariam aus der Evangelienseite und ist derselbe ein Werk des Augsburger Meisters Baldauf.Das Gegenstück all 8. llasetum soll in nicht zu langer Zeit ebenfalls die Kirche zieren, denn der nner«müdliche Herr Dekan ruht nicht, bis alles „stimmt." Das Schiff der Kiche ruht auf zehn hölzernenalso gewiß nicht sehr massiven Säulen und gewahren wir oben ein Getäfer, sicherlich zum Beweisedaß die seinerzeitigen Mittel das Massive nicht erlaubten. Wir machen noch aufmerksam auf die recht