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wackeren Stationen und aus eine sehr alte Pieta, bei welch' letzteren aber uns der Leib des Heilandsetwas gar z» ütheriich erscheint.
Die ganze Kirche macht einen recht hübchchen Eindruck auf den Besucher. Weil wir gerade anden Kirchen sind, so möchte wir »och zwei Kirchlein erwähnen. Droben auf der Höhe, Kleinerdlingenzu, erhebt sich ein hübsches neues gothisches Kirchlein, schon weiß herabsehend auf die alte Reichsstadt,die ja seinerzeit da droben stand. Heutzutage aber befinden sich dort die Todten, alte und neue seligeNördlinger . Der Gottesacker mit einem Leichenhaus ist sehr schon — wenn der Ausdruck für einenPlatz der Todten paßt — angelegt. Wir können nicht umhin, die Verse eines Poetasters hier anzu-führen, der also dichtet:
„Dort auf dem kleinen Berge,
Jetzt ruhen TodlensürgeDort, die man ihm vertraut.
Sie blickt bei AbendrötheJn's Thal, wo Schilf und Moor Sonst war, und wo die HirtenflöteNicht tönt zu ihr empor.
Bis zu dem Donaustrande,
Sieht man in einem BlickDas Ries im Aayerlaude,
Und kehrt vergnügt zurück "
(Schluß folgt.)
M i s e e l l e ir.
(Amerikanische Fabel n.) Unter diesem Kollektivnamen bringt ein amerikanischesBlatt eine Reihe von Fabeln, von denen wir eine zitiren wollen: Nach einem heftigenStreite mit der Hyäne beschloß der Wolf, sie zu vernichten, und wandte sich deßhalban den Löwen um Rath. — „Stelle ihr eine Falle,« sagte dieser, „und wenn Du siegefangen hast, so friß sie auf." — Der Wolf ging fort und richtete eine Falle auf einemPfade auf, den sein Feind oft passtren mußte, aber während er vor Befriedigung kichernd,das gelungene Werk betrachtete, stolperte er und stürzte selbst in die Falle, die ihn sofortfesthielt. Da kam der Löwe herbei. — „Himmel was seh' ich?« rief er aus. — „Ichsitze nun in meiner eigenen Falle," sagte demüthig der Wolf. — „Ja, und ich kam her,«versetzte der Löwe, um Dir beim Fressen der Hyäne zu helfen: da nun aber die Sacheso steht, so werde ich der Hyäne helfen, Dich aufzufressen.« — „Aber, ich stellte ja dochnur auf Deinen Rath die Falle auf,« protestirte der Wolf. — „Das ist wahr,« erwidertegleichmüthig der Löwe, „aber ich gab Deinem Feinde genau denselben Rath, und für michist es ganz egal, ob ich einen Wolf oder eine Hyäne fresse.« — Moral: Der Advokatbekommt seine Zahlung, der Prozeß mag ausfallen, wie er will.
(Wohlbekomm's.) Eine Bande Zigeuner sollte bei einem Gutsherrn zumTanze ausspielen. Man tanzte im Saale und die Zigeuner wurden im Vorzimmer unter-gebracht, wo der Baßgeiger alsbald eine Flasche hinter dem Ofen aufgespürt hatte, welchedie Aufschrist trug: „Szeaszarder.« Kern Zweifel, irgend ein Diener hatte die Flaschemit deni kostbaren Inhalte bei Seite geschafft. — Ein Blick des Einverständnisses genügteund der Beschluß war gefaßt, die Flasche als gute Beute zu behandeln. Der Baßgeigernahm einen tiefen Schluck, riß weit die Augen auf und — reichte die Flasche schweigenddem Nebenmann. Der Klarinettist erstickte beinahe an dem Zuge, den er aus der Flaschethat, verlor aber nicht die Geistesgegenwart. Der Primgeiger entwand ihm rasch dieFlasche, von diesem war es bekannt, daß er die Flasche bis auf den Grund zu leere»pflegte, ohne Rücksicht auf die etwa noch durstigen Hintermänner. Der Cymbalspielermaß ihn auch mit wüthenden Blicken, als er sich des kostbaren Nasses bemächtigte, undwar nicht wenig überrascht, als auch für ihn noch einige gute Tropfen übrig blieben.Als sie Alle getrunken hatten wechselten die Zigeuner wieder schweigend einen Blick;dann wendete sich der Baßgeiger an den Clarinettisten und sagte: „Nun, Kamerad, essenwir nicht etwas Bürste dazu?« In der Flasche war nämlich flüssige Stiefelwichse ge-wesen. -