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(Gedicht der Kronprinzessin Viihres ersten Kindes):
Komm, du mein allersüß'stes Kind,
Das Muttcrherz nun Raum gewinntA» deinem Vettlein ganz alleinSich deiner vor dem Herrn zu freun.
Ja! Lächle mir nur freundlich zuIn deiner Unschuld sel'geu Ruh;
Wär' meine Mutter nur gleich hierUnd theilte meine Wann' mit mir.
Heut ist geschehen dir großes Heil,
- Denn heut ward Jesus dir zu Theil,
Und du selbst wurdest eine Neb',
Die nun an ihm, dem Weinstock klebt.
Bewußt ist dir dies zwar noch nicht,
Dennoch ward es so zugericht';
Des heil'gen Geistes Keim und TriebWirkt nun in dir in inn'ger Lieb'.
ctoria vonPreußen nach derTaufe
Bist du geboren auch am Thron:Ohn' Ihn, den wahren Gottessohn,Bermagst du dennoch nichts zu thun,Um selig einst bei Ihm zn ruhn.
Er ist dir Rath, Kraft, Friedefürst,Wenn du Ihn kennen lernen wirst;Ich seh, wie dann dein Herze lacht,Das; man dich heut zu Ihm gebrach
Es lagert sich des Himmels HeerFür's ganze Leben um dich her;Wird deines Glaubeizs FelsengrundJmmanuel zu jeder 'stund.
Nun schlafe wohl, mein liebes Kind!Die Engel Gottes bei dir sind,
Als Seme Boten hergesandt,
Zu hüten dich sür's Vaterland.
Wohl liegst du hier in Gold und Seid,Und Purpur ist wohl einst dein Kleid,Doch daß du anzogst Jesum Christ,
Das dir der rechte Schmuck nur ist.
Bild' es nach Dir zu einem Mann,
Der Deiner Ehre dienen kann;
Dein Fried' sei ihm das Ziel im Reich,Dein Will' ihm Helm und Schild zugleich.
So decke nun, o! Heiland Du,
Mein Kind mit Deiner Gnade zu;Laß' es Dir wohl befohlen sein,
Und herz' es, segn' es mit Gedeih'n.
(Eine Reminiscenz.) Jetzt, da Prinz Plon-Plon von der französischenRepublik eingesponnen war, mag folgendes Dekret, das s. Z. von der königl. bayr. Re-gierung gegen seinen Oheim, den verstorbenen Kaiser Napoleon III. ergangen ist,von Interesse sein: „Im Namen Sr. Mas. des Königs von Bayern . Inhaltlich eineran die unterfertigte Stelle ergangenen höchsten Ministerialentschließung vom 6. April v. I.soll der unter dem Titel eines Grafen von Starberg oder Starburg gegenwärtig in Deutsch-land reisende Prinz Louis Napoleon im Falle seines Betretens auf bayerischem Gebietgemäß Allerhöchsten Befehls festgenommen und zur Verfügung der Regierung an dienächste Polizeibehörde abgeliefert werden. Das u. s. w. angewiesen, sich vorkommendenFalls hiernach zu richten und den Polizeibehörden beim Vollzugs der solchen gleichfallszugehenden Weisungen möglichst behilflich zu sein. München , 6. April 1817. General-administration der kgl. Posten, v. Göb." Dieses Actenstück erschien im Regierungsblatt,damals noch Jntelligenzblatt genannt.
(Der künftige Feldherr.) Fritzchen hat zu Weihnachten einen großen Kastenvoll Bleisoldaten erhalten. Am letzten Sonntag unterwirft die Mutter die bleierne Armeeeiner Musterung und bemerkt, daß eine große Anzahl abgeschlagener Beine und Armeauf dem Boden des Kastens liegen. „O pfui!" ruft die Mutter im Tone der Empörungdem Söhnchen zu, „so gering achtest Du das Geschenk Deines Papas, daß heute schon,sieben Soldaten die Beine und drei die Arme eingebüßt haben?" Fritzchen bricht inThränen aus und entgegnen „Wir brauchten Invaliden!"
Original-Lttbett-Näthsel.
(Zweisilbig.)
* Durch die Zweite schwindet des Durstes Qual,
Die Erste verscheuchet die Sorgen zumal,
Doch füeht die erste Dich, armer Mann,
So wende zur Hülfe das Ganze au. —
Für die Redaktion verantwortlich Alphons Planer in Augsburg . — Druck und Verlag desLiterarischen Instituts von Dr. Max Huttier.