Ausgabe 
(24.2.1883) 16
 
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der die räthselhaste Göttin selber deckt, hinter ihm sehe ich den Lorbeer des Helden mirwinken, durchflochten von der Liebe Myrthe, aber das grüne Reis ist blutbespritzt unddas holde Bild wandelt sich in einem Augenblick zum Todrenkranz des Kriegsopfers."

Alida!" der Zukunft gelten Deine Tränen weißt Du, daß ich in jedem Augen-blicke zu meinem Regiment berufen werden kann, um gegen Frankreich in's Feld zu ziehen?"

Ich weiß es und flüchtete zu Ihrer Mutter, Oscar, und hoffte bei ihr ein Echodes Schmerzes zu finden, der meine Seele durchzittert wo ist der Mosisstab, der dieBrust Herminens von Solmitz dem Gefühl erschließt ich schlug an Marmor. Und esist doch Ihre Mutter, Oscar."

Vermag ich das Mutterherz nicht zu erwärmen: die holdeste, die reinste Liebe habeich mir errungen, die Liebe, die für mich sorgt, die für mich betet. Alida, einem un-gewissen Loose, dem Loofe des Soldaten ziehe ich entgegen, bange Ahnungen beklemmenmeine Brust, aber eine Gewißheit will ich mit hinausnehmen in's Feld der Ehre, dieGewißheit, daß Du mir einst gehören sollst. Noch heute rede ich mit meiner Mutter."

Alida schrack zusammen.

O nimmer, Oscar, nimmer, meinst Du denn. Hermine von Solmitz, die scharf-blickende, seclenkundige Frau las nicht seit geraumer Zeit in unseren Herzen? Daher ihreKälte, daher ihre Schroffheit gegen mich, daher ihre Ruhe, wo mein Herz aufschreienmöchte nein, nicht mein Herz denn ihre eigenen Worte waren's ja: die Fremde,die aus Mitleid aufgenommene Fremde hat nicht Herz noch Hoffnung an dieses Hauszu hängen."

Eine Fremde Du? O niemals." Sanft umfaßte sie der kräftige Arm des jungenMannes und zog sie an das Fenster.Blicke in den Garten, Alida", fuhr er fort,erkennst Du jene Linde, die wir einst als Kinder gepflanzt und an der wir den erstenSchwur treuer Neigung getauscht? Mächtig strebt sie empor, wie ein theueres Kleinodbewachte ich ihr Gedeihen.

Wie sie aus zartem Sprößling emporwuchs, den Stürmen trotzend und den Jahrenso soll auch unser Bunnd sich festen und grünen wie diese Linde, daß sein Schatten nochEnkeln Segen spende."

Alida schüttelte das Haupt.Nicht so, Oscar", sagte sie;wie theuer, wie liebS'e mir sind, brauche ich es Ihnen zu verhehlen? Und doch, es gibt noch ein holdes,liebliches Wesen, das mit mir Ihr Herz theilt, und Sie vielleicht glücklicher machen wird,als ich, die arme Waise. Sie sind jung wie ich, Oscar lassen Sie die Zeit waltenund entscheiden."

Was brauche ich Zeit", rief Oscar stürmisch,hold und gut ist Fanny, aberAlida, der erste Name, den mein Mund mit treuer Neigung nannte, Alida heiße einstmeine Brant, meine Gattin."

Für einen Augenblick vergaß das junge Mädchen ihre Selbstbeherrschung. Sieblickte in Oscars treue Augen und wie ein süßer Traum von glücklicher Zukunft zog esdurch ihre Seele.

Ach, schon schreckte sie die Wirklichkeit jäh und rauh empor, denn eine Seiten-portiere theilend, erschien die hohe Gestalt der Gutsherrin im Salon.

Oscar", sagte sie und nichts weiter. Aber für den, der Frau von Solmitz undihr Wesen konnte, mußte das eine Wort genügen, die Bedeutung zu ermessen die ihmsich aussprach.

Aber Oscar, der sonst so gefügige Sohn, auf dessen Seele die erfahrene Mutterspielte, wie eine Meisterin auf wohlbekanntem Instrument, ließ sich heute nicht schrecken;zu mächtig war die Erregung des Augenblicks; fast zu Frau von Solmitz Füße» sinkend,rief er flehend:

Mutter, ich liebe sie, gib sie mir zum Weibe l"

Kalt trat die Gutsherrin zurück.

Steh' auf, Oscar", erwiderte sie,Du weißt, ich liebe keine Sentimentalität, noch