Ausgabe 
(21.2.1883) 15
 
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Erben nun, ich denke, er wird doch reinen zweiten dummen Streich begangen haben/nachdem das Glück uns so günstig war, vaß wir die Folgen des ersten von unseremHaupt abwenden durften."

O, still davon, Streland", unterbrach ihn die Gutsherrn» und ihre sonst sokalten Züge nahmen den Ausdruck der peinlichsten Erreguirg an;mahnt mich nicht anjene furchtbare Nacht, da man mich an das Bett der kranken, sterbenden Frau rief, die^am Abend vorher mit ihrem Töchterchen hier angekommen und im Wirthshaus abgestiegen'war, der Schlag, glaubte ich, müßte mich treffen, da ich ihre Enthüllungen vernahm, als ichaus den mir übergebenen Papieren ersah, daß kein Irrthum möglich, daß das Kind derSterbenden, das sie meiner mütterlichen Fürsorge empfahl o Streland wäret Ihrnicht gewesen, an dessen Stärke ich Anhalt gefunden, dem Schicksal die Stirne zu bieten,mein Sohn, mein Oscar wäre ein Bettler oder abhängig von der Gnade einer Fremden,abhängig» wie ich selber."

Fließt doch das Vernau'sche Blut in ihr", meinte der Verwalter lauernd,undvöllig legitim ist ihre Geburt; es gäbe, meinte ich, ein Mittel, widerstreitende Interessenzu versöhnen"

Niemals, niemals", unterbrach ihn Frau von Solmitz entschieden;soll ich, solange ich lebe, die Mesalliance Leopold's, die Schmach, die er dem Hause Bernau an-gethan, von Geschlecht zu Geschlecht forterben? Freilich wird er» sobald sich meine Augengeschlossen und er bis dahin noch unvermählt, durch Euch erfahren, daß Alida ihm nähersteht» als er ahnt, aber ich hoffe, bis dahin ist er bereits der Gatte der Baronesse vonEbersdorf und das Geheimniß bleibt verschwiegen, das Geheimniß von Oscar's Glück,das einst meine Seele zu büßen hat."

Ich möchte anders über diesen Punkt denken, so lange sich die gnädige Frau ent-schließen können, dem Fräulein Barfeld einen andern Aufenthalt, als eben dieses Gutzu geben, wo ein Begegnen der beiden jungen Leute unvermeidlich und zu Folgen führenkann, die alle unsere Vorsicht, all' unsere Pläne zu Schanden machen dürften.

Freilich wäre es vorsichtiger gewesen, das Mädchen schon in ihrer Kindheit vomGute zu entfernen, allein ich zitterte, sie aus meinen Augen zu lassen, zitterte, sie inanderer Hut, als in der meinen, zu wissen und dann Streland darf ich sie ausdiesem Hause stoßen, aus diesem Hause, das ich mit ihrem Vermögen, mir und meinemSohne erwarb?"

Herrn Streland's verwitterte Züge überflog ein spöttisches Lächeln.Und washaben Sie bezüglich des Fräuleins Barfeld beschlossen?" fragte er dann.

Ich möchte das Mädchen glücklich sehen und ivürde es selber sein, wenn ich sienicht mehr vor Augen habe, ein lebendiges Memento des Leichtsinns meines Brudersund unserer eigenen That. So wünsche ich sie fort und mag sie nicht missen in einemAthemzug, sonst hätte ich längst versucht, ihr eine gute Parthie zu verschaffen, die derPflegetochter Herminens von Solmitz, als die Alida überall betrachtet wird, nicht fehlendürfte. Allein ich zittere, daß der ihr Bestimmte Nachforschungen anstellen dürfte, nachseiner Gattin Herkunft, daß er Fragen an mich stellt, Verdacht schöpfen könnte oStreland, Streland, wären nur die Wochen um und die Todeserklärung Leopold's vonBernau gerichtlich ausgesprochen, dann lassen Sie uns weiter beschließen, dann weiterhandeln!"

Wir werden dazu um so mehr Muse haben", bemerkte der Verwalter, als HerrOscar dann nicht mehr auf Solmitz weilen dürste; wie ich in der Stadt vernahm, wirdnoch heute die Einberufungsordre, die Herrn Oscar zu seinem Regiment befiehlt, hiereintreffen."

Einen Augenblick lang zuckte eine Spur tieferer Erregung durch das harte Antlitzder Gutsherrin, aber bald war sie überwunden.

Er ist mein einziges Kind, er geht dem Tode entgegen", sagte sie,und doch es»st vielleicht besser, daß er aus diesen Verhältnissen herauskommt; das frohe, frische Kriegs-