Ausgabe 
(21.2.1883) 15
 
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leben wird ihm wohlthun; er wird jugendliche Ideale und kindische Passionen inmitteneines bewegten Lebens vergessen und bis er heim kommt, ist Leopold von Bernaubüraerlich todt erklärt und Alida vielleicht nicht mehr im Hause."

Ein bescheidenes Klopfen unterbrach das -Gespräch der Frau von Solmitz mit ihremVerwalter; auf dasHerein" der Dame trat ein junges Mädchen von etwa siebzehnJahren über die Schwelle. Alida Barfeld, die Waise, die ihre Existenz der Güte derFrau von Solmitz verdankte, in deren Haus sie ein Asyl seit ihrer Kindheit gefunden,war keine Schönheit zu nennen, allein ihre Züge waren von einer Lieblichkeit und Regel-mäßigkeit, die ihr hohen Reiz verlieh; ein schlichtes Kleid von lichtblauer Wolle umgabeng ihre schlanken Formen und paßte trefflich zu dem hellblonden Haar des jungenMädchens, das sie schlecht gescheitelt ohne jeden Schmuck trug. Aber die sonst so hell-leuchtenden Augen des Mädchens blickten heute trübe und die Hand, die eben das mit-gebrachte Erdbeerenkörbchen auf einen Nebentisch setzte, zitterte merklich.

Verzeihung, gnädige Frau, wenn ich störe", sagte sie mit weicher, melodischerStimme,allein die Unruhe trieb mich hierher, zu Ihnen, der Mutter des Herrn Oscar,die gewiß von gleichen Empfindungen bewegt, wie ich, die mit ihm die frohen Tage derKindheit getheilt, dir hohe Dankbarkeit an dieses Haus und seine Glieder kettet. Ist eswahr, was sich die Diener erzählen, daß man in jedem Augenblick die Einberufungsordredes Herrn Oscar zu seinem Regiment erwartet?"

Die Eutsherrin warf einen fast strengen Blick auf das junge Mädchen.Auchmir ist eS schon bekannt und so schmerzlich mich die Nachricht trifft, trage ich als Mutterergeben eine Bestimmung, die ich mit taufenden von Müttern theile und wundere mich,daß Du, mein Kind, eine natürliche Thatsache mit einer Exaltation betrachtest, die mannur der Jugend verzeihen kann."

Alida ward bleich, es war dies stets bei ihr das Zeichen innerer Erregung.

Gnädige Frau", sagte sie mit erstickter Stimme,wenn Herr Oscar ein Unglückträfe, wenn der furchtbare Krieg, der initleidslos dahinschreitet über Herzen und Hoff-nungen "

Herzen, Hoffnungen", wiederholte Frau von Solmitz noch strenger als zuvor,ich wüßte nicht, was bei Dir Herz noch Hoffnung zu thun hätte, wenn es sich umOscar handelt; ich bitte Dich, laß solche Reden nicht wieder laut werden, als hi-r imvertrautesten Kreise, willst Du nicht Dich falschen Deutungen unterworfen sehen. Herz,Hoffnung, was das für Reden im Munde eines jungen Mädchens sind, ich wette»die Baronesse Ebersdorf, obwohl sie sich durch gegenseitige Uebereinkunft der Eltern alsBraut meines Sohnes betrachten darf, würde nicht solche Aeußerungen laut werden lassen,wie sich Alida von Barfeld erlaubt, die ich bitte, nicht zu vergessen, daß sie dem HauseSolmitz eine Fremde war und stets eine Fremde bleiben wird. Doch es wird Zeit,Streland, daß Sie mich in das Archiv begleiten, die Akten über das neuerworbsusWeideland mir zur Einsicht vorzulegen", unterbrach sie sich, das Gespräch wechselnd.

Erwarte mich hier, mein Kind, vielleicht habe ich bei meiner Rückkehr noch mitDir zu reden."

(Fortsetzung folgt.)

Einiges von NSrdlingen.

(Schluß.)

Diesesvergnügte Zurückkehren" man weiß nicht von den Todten, oder vorn Berge wieman auch nicht recht dassie" undihr" versteht wird wohl deswegen der Fall gewesen lein, weilder Poet noch nicht zu den Todten gehörte, sein Poem aber vergnügt noch forttebt in den Eharteken,was er wohl prophetischen Geistes voraussah. Wir kehren von den Todten und ihrem schönei^Rnhe-platz auch zurück und treten in das neu restanrirte Kirchleiu des Spitals ein, nicht um dessen L-ehens-Würdigkeiten zu bewundern, denn es sind keine da, sondern nur um zu constatiren, daß dieses Kirchleiuden Altkatholiken zur Nutznießung vom Magistrate eingeräumt wurde. Das Kirchleiu der alters-schwachen, kranken, presthaftsu Spitaliten! Wohl hat man am Ende vorausgesehen, daß derneuecsttkatholijche" Mann ein Spitalit sei trotz der) ausposaunten Stärke, denn es gibt auch schwindsüchtige