auszehrende Leute mit auscheiueud gesundem Aussehen. Daß cher Nordlmger Altka hollcismus sehrkraut im Spitale liegt, beweist die Entbehrlichkeit des Gottesdienstes rc. Bei einem solchen vor Jahrund Tag, lies; sich Einsender berichten, das; ein Dutzend, Mann, Weib, Kind und Kegel mitgerechnet,denselben besuchte. Armer kranker Spitalite! Wir könnten uns kräftigen von diesem Excnrs ui einerder ein Dutzend umfassenden Brauereien, oder in einem der siebenzig Wirthschaften, wir könnten wohlauch das eine oder andere Thor besuche», um Umschau zu halten über die, welche in P-ws oder mbeüo durch dicielben eingetreten, wir wollen dies Alles übergehen, da es zu weit sichren wurde.. Eineserübrigt uns noch, nämlich das Rathhaus kurz aus's Korn zu nehmen und den freundlichen Leier aufdessen bedenleiide Sehenswürdigkeiten ausmerksam zn machen. Es ist ein ziemlich weitläufiges hübschrepräsentirendes Gebäude, unten mit verschiedenen Marktläden versehen, gekrönt mit Erker und alslUmie prangt ein Thurm. Eine schöne durchbrochene Treppe sührt uns hinauf und stehen mir obenangelangt vor einer weiblichen Figur, üustiria, genannt, welche so recdt für jedes Ralhhans vorneRnpatzt. Das Bild hat die Unterschrift: „Ein Manns red Ein Halbe red Man soll sie Höre» beed.Ferner ist angebracht an demselben die Stelle Nöm. 13: Jederman sei, Unterthon der Oberkait dannsii ist Bon Gott Verordnet, als Gottes Dienerin zur strafs über die so böses thon, und zu schütz derfromen." Eingetreten! durch die Heiligen Hallen, finden wir den schonen, etwas düsteren Sitzungs-saal der Väler der Stadt, in welchem über das Wohl und ost auch Wehe der Einzelnen und desGanzen berathen wird. Wenn so ein alter Rathhaussitzungssaal von mehreren Jahrhunderten sprechenkönnte! Zuerst mühten sicher heutzutage die Steuern mit ihren runden und bunten Zahlen ansmar-schiren und der Nördlinger „Bätersaal" könnte wohl ausrufen: „Hätten unsere Ahnen und Urahnennicht gesorgt durch reiche Stiftungen, durch reiches Spital rc , so müßten wir, die Enkel und Urenkelhundert Prozent Umlage bezahlen, bei der so „theuren Zeit!" Nun andere müssens auch, Einsenderdieser Zeilen'kann auch ein Lied mit mehreren Bersen über dieses Kapitel singen, aber trösten wiruiis Alle bei hundert Prozent mit dem Gedanken, es könnten auch hnndcrtein Prozent sein! —Galgentrost kann mancher denken! —
Als Zierde des Lmales gewahren mir nebst dem Bilde Sr, Majestät drei Bilder eines NördlingerMeisters Namens Bolz, darstellend „Tillrfts Verwundung": „Gustav Adolf bei Lätzen" und das Biv„Gustav Adolf bei seinem Einzug in Nördlingen im Jahre 1632." Auf der Hand hat Gustav eineSchwalbe, im Hintergrund sehen wir einen Raubvogel, der die Schwalbe verfolgt hatte und derSchwede soll ausgerufen haben, „auch Du suchst Zuflucht bei mir." Zu ergänzen wird wohl sein:„wie Nördlingen und die ächten Deutschen alle!" Ferner gewahren wir im Saale eine Tafel ausdem Jahre 1571 mit nachstehender herrlicher Inschrift:
tzaisguis Lonator Ot'lleü causs. ouriam juzrscksris^uto boe ostlam privatos aL'sotms oinneo abjioito,
Irom vim ocliam amleitürm aclulatiouein raipubl:
Kam ut slu8 asguus ant iniguus zucksx kusris:
Ita gnugus zuüUinm äsi oxspoetottis st sustiusbls.
Eine passendere Inschrift für ein RathhanS, ein passenderes Motto für die Herrn Räthe läßt sich nichtReicht denken, als diese dreihundertjährige. Wir setzen sie in's Deutsche übersetzt bei:
„Trittst Du ein als Nathsherr von Nmlsivegen in den NathhanSsaal,
So laß vor der Thüre draußen alle persönlichen Ncgnngen
Wie: Ausgcregtsein, Ueberlcgenheit, Feindschaft, Freundschaft, Schmarotzerei oder Schmeichelei,
Denn gerade so, wie Du andern gegenüber Richter sein wirst, gerecht oder ungerecht,
So wirst Du Gottes Gericht erwarten und über Dich ergehen lassen müssen."
Wir steigen in den obern Stock hinauf und werden am Musennisoorplatz angeschaut von denalten Bürgermeistern der Stadt Nördlingen . Kühnen Auges schauen sie herab und ihr Mund scheintsagen zuweilen: „Wanderer steift still lind betrachte uns, die wir All' das, was Du hier schauest undbewunderst, gesammelt haben." Diesen Regenten aus alten Zeiten gegenüber befinden sich mehrerealte Kästen, von welchen einer mit einem mächtigen Mamnthknochen gekrönt ist. Verschiedene Alter-thümer ohne besonderen Werth lassen sich hier beschauen. Unter ihnen befindet sich ein sehr großerWirlhsschild, der früher die Gaslwirschast zum „Kanicel" zierte vulgo Sixen. Es ist ein schönesSchmidewerk und soll ex voto von dem jetzigen Besitzer Beyschlag aufgehängt worden sein. BesagterHerr ist nämlich etwas „Cyprianer", fand aber in Wildbad Heilung, welche nach unserem herzlichenWunsche recht lange anhalten soll. Zum Dank hiefür soll er seinen Niesenschild dem Museum fürewige Zeiten vermacht haben. Garantie für diese Mittheilung können wir in alkweg nicht gewähren!Zuerst wollen wir uns al - Liebhaber der Malerei in das eigentliche Museum begeben, wo uns prächtigeWerke von^Scheiselin und Herlen begegne». Wir schreiben trotz aller neuen Forschung „Scheiselin"und nicht Schenfclin oder Schänselin und berufen uns darauf, daß der Meister an sein größtes Bild,das wir später näher betrachten wollen, seinen Namen in dieser Fntzon geschrieben hat. Scheiselin istcirca 1430 zn Mrnberg geboren und erkangte hier 1515 das Bürgerrecht nebst 42 Gulden für seingrößtes Bild. L:eine ineisten Bilder sind hier, etwa circa ein Dutzend. Eines von ihm befindet sichs" Oberdorf, eines im Schloß Enzensberg in Tirol, eines in der Galerie zu Casscl und ein weiteresrn Ahausen. Der Meister starb 1540 dahier und ist an seinem Hanse eine Gedenktafel angebracht.Las schönste Bild Scheiselins in den Räumen, in welchen wir uns eben befinden, ist wohl die Grab«.