Ausgabe 
(21.2.1883) 15
 
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legung Christi mit wundervollem Christuskopf. Der Schmerz in oen Gesichtern der'Aus dem Bildebefindlichen elf Personen kann prägnanter nicht dargestellt werden. In neuester Zeit hat sich diesesBild besonders des Beisalls jüdischer Frauen zu erfreuen. Das zweitbeste Bild deiselben Meisters istach unserer Ansicht die heil. Elisabeth. Das Gesicht der Heiligen ist wirklich auf das feinste, wennder Ausdruck erlaubt ist, auf die Leinwand hingegossen.

Den zweiten Meister Herlen betreffend ist derselbe höchst wahrscheinlich ein Rothenburger undfinden wir ihn bereits im Jahre 1449 als Maler. 1469, nach anderen 1467, wurde er hier Bürgerund Stadtmaler,Dieweil er als ein Meister, der mit niederländischer Arbeit umgehen kann", erprobtwurde. Er starb dahier circa 1560. Seine Hauptwerke befinden sich hier ungefähr in doppelterAnzahl des vorigen Meisters. Zwei seiner Gemälde möchten wir auch bei diesem Künstler pnm» loeohervorhebe». Für's ersteDie Darstellung Jesu im Tempel" wegen der prachtvollen Perspective.Obwohl wir in einem Tempel sehr gerne das Geschlecht der Viersüßigcn vermissen, möchten wir dochauf das Hündclein, das Herlen auf eben berührtem Bilde angebracht, den Beschauer aufmerksammachen, weil der Kerl gar so natürlich dasteht. Als Weites Hauptbild erwähnen wir dieVerehrungMariens". Wir gewahren ferner vier Bilder von Sebastian Taig von Nördlinae», einem L-chülerScheifelins, welcher 15081554 abivechselnd sich beschäftigte alsGlaser, Maler, Faßmaler und Ler-golder". Desgleichen finden wir einige Bilder von Jesse Herlen, Enkel des Friedrich Herlen, welcherauch die Außenseite des Rathhauses bemalte (heutzutage davon nichts mehr zu schauen) und dahieram 19. August 1575 gestorben ist. Georg Marcell Haak, ein Bopfinger, geboren 1652 und 1719dort gestorben, ist ebenfalls mit mehreren Gemälden vertreten, welche die italienische Schule, inder er ausgebildet wurde, verrathen. 1684 erhielt er 36 sl. für ein Meisterstück. Auf einjüngstesGericht" von Herlen machen wir schließlich noch ausmerksam wegen der ganz merkwürdigen Auffassungund Darstellung.

Es ist ferner erwähnenswerth, im Museum eine ziemlich ausgedehnte Sammlung Nördlinger Reichsmünzen, sowie die großartige Münzsammlung, welche Eigenthum des Herrn Nector und ArchivarChr. Mayer ist. Dieselbe erstreckt sich von der Zeit Carl des Großen (768714) über die Zeit derKarolinger, der Sachsen, der Hohenstaufen bis herab auf den Reichsverweser Erzherzog Johann 1848.Hieran schließt sich eine nicht minder große Münzsammlung verschiedener Städte ca. 120 , demselbenHerrn gehörig, unter welchen Städten das alte Frankfurt die Hauptrolle fpiclt. Den Herrn Archivarselbst anlangend, so hat er sich die größten Verdienste am Archiv und Museum erworben. Wir glaubennoch erwähnen zu sollen eine wunderschön gearbeitete Tausplatte und Kanne dazu von Caspar Ender-lein aus Basel (1634) aus Zinn , auf's feinste cijelirt; mehre Silber-und Goldplatten, verschiedenartigengoldenen Schmuck; das Kleinod der Meistersänger zu Nördlingen ; chinesische Arbeiten, Elfenbein-schnitzereien , sowie mehrere sehr alte werthvolle Schilde aus dem Anfang des fünfzehnten und scchs-zehnten Jahrhunderts. Die der Geologie und Geognosie Beflissenen können sich ergötzen an Zähnenund sonstigen Reliquien von vorsündfluthlichen Mamuten, von Niesenhirschen oder von nachsündslnth-lichen Eseln, Pferden, Hyänen, Nashorn, Neun» und Höhlenthieren. Diese Räume verlassend, habenwir noch kurz den weiteren getrennten Saal zu besichtigen, die sogenannte frühereBundesstube".Der darin befindliche Hauptschah ist dieBelagerung Bethuliens", oder dieEnthauptung des Holo-ferues durch Judith" von Scheiselin. Das Bild ist auf die Wandfläche selbst gemalt und nach unsererSchätzung ca. 6 H 2 Fuß hoch bei einer fast doppelten Breite. Ein gewaltiges Meisterwerk haben wirvor uns, und trotz der Darstellung eu masso kein quick zwo guo, sondern ein sehr systematischangelegtes und durchgeführtes Ganze. Der Künstler hat sich ganz an die Darstellung der hl. Schriftgehalten (17. Judith, Cap. 7. ff.). Stolz schreitet die schöne Jüdin durch das Lager und die Zeltehin zu Holosernes, der sie freudig empfängt, stolz verläßt sie nach vollbrachter That mit ihrer Magddas Zelt des Heerführers, um ganz oben durch ein Fenster alsSiegesfahne" den Kopf des Erschla-genen herauszuhängen. Scheiselin selbst hat sein Porträt unten am Bild verewigt und rechts dieWorte angebracht: ckobavuos Lebeikelin kivxit TlOXV. In diesem Jahre erhielt er, wie oben be-merkt, für das Bild 42 fl. und das Nördlinger Stadtbürgerrecht. König Ludwig aber hochseluzen An-gedenkens der Knnstniäcen soll der Stadt für dieses Bild die gewiß respectabls Summe

von 60,000 fl. angeboten haben, ohne es zu erhalten. An Bildern sind noch zu erwähnen 6 FriedrichHerlen; das älteste Bild der Stadt gemacht 1549. An Urkunden, deren Zahl sehr groß, nehme» ver-möge ihres Alters hervorragende Stelle» folgende ein: König Heinrich bestätigt eine Schenkung andas Hospital, vom Jahre 1233, bei weitem das älteste und vom großen Stadtbrand übrig gebliebene.Sodann: Das älteste Nördlinger Stadlrecht aus dem Ende des 13. Jahrhunderts; das Todtenbnchdes Barfüßer Klosters, 1333 begonnen; Stistungsbrief des Reichen Almosens 1418 mit dem altenStadtsiegel; eine Bibel von 1462; verschiedene Urkunden aus dem 15. und 16. Jahrhundert; dasMeinradibüchleiii vom Jahre 1577, das Blntbnch von 1655. Zu diesem Schauerbnch gehört zudemeine rechtanständige" Sammlung von Folterwerkzeugenmännlichen und weiblichen Geschlechts";Richtschwerte reihen sich diesen an und den Schluß bildet ein Armensüilderstuhl, worauf »ochwahr-haltige" Blutflecken der darauf Hingerichteten ohne Luppe geschaut werden können. Brrr! An denWänden herum gewahren wir schön restaurirte alte Epitaphino, die seinerzeit in der Kirche sich be-fanden, und zum Andenken an die traurigen Kriegszeiten schauen wirfriedlich" aussehende Fahnen,Trommeln, Spieße -c. in großer Anzahl, und dürfte diese traurige Sammlung aus trauriger Zeitihrcg Abschluß finden in zwei Broden aus Kleie und Leim vom Jahre 1635, welche von Oftersonntag