Ausgabe 
(21.2.1883) 15
 
Einzelbild herunterladen

Kameraden den ivemseligen Komiker in die Garderobe, wo er verzweifelte Anstrengungenmachte, in seinen Frack zurück zn gelangen. Was war aber die Ursache seines eigen-thümlichen Zustandes? Daubray verheirathete an jenem Tage seine einzige Tochter; ineinem benachbarten Restaurant fand das Hochzeitsmahl statt und der pflichteifrige Künstler,der gleichzeitig auch nicht den Brautvater vernachlässigen wollte, benützte jede Gelegenheit,von der Bühns zu desertiren und seinen Gästen zuzutrinken."

(Vom alten Dumas.) In Paris erzählt man sich in literarischen Kreisen einsAnekdote, welche Zeugniß ablegt für die große Gutmüthigksit Alexander Dumas , desVaters, aber auch von dem geradezu verblüffenden Leichtsinne, mit welchem derselbe seinenNamen als Mitarbeiter für Literaturerzeugnisse hergab. Eines Tages kommt sein FreundMauricc, Verfasser einer Anzahl ziemlich vergessener Theaterstücke und Romans, zu Dumas ,vertraut ihm an, daß er sterblich verliebt sei in ein stelbstverfländlich reizendes Mädchen,und daß er heirathen wolle, daß es ihm aber gänzlich an dem dazu erforderlichen Geldefehle. Dumas , bei welchem wieder einmal Geldebbe herrschte, machte ihn: klar, daß erihm in diesem Augenblicke nicht helfen könne.Da irrst Du Dich, lieber Freund!"erwidertMaurice.Ich habe hier einen Roman mit dem vielversprechenden TitelAscnnio."Cadot, der Verleger, gibt mir sofort 40,000 Franks Honorar, sobald Du als Mitver-fasser auf dem Titelblatts stehst."Aber mein Gott, ich habe ja keine Zeile diesesWerkes auch nur gelesen!"Was kommt es denn darauf an, wenn Du mich rettest?"

Dumas gab seinen Namen her, Maurice erhielt 40,000 Franks von Cadot, heirathstsseine Dulciuea, und der Lohn? So oft sich der glückliche Ehemann später mit seinerGattin zankte und das soll öfters vorgekommen sein, fluchte er Alexander Dumas als dem alleinigen Urheber seines Unglücks. O menschliche Dankbarkeit!

(Trauerfarben.) In Italien trauern die Frauen in weißen Kleidern, dieMänner in braunen; in China wird Weiß von beiden Geschlechtern getragen. In derTürkei, in Syrien, Kappadocien und Armenien ist Himmelblau die erwählte Trauerfarbe.In Egypten wird Gelbbraun, die Farbe des welken Blattes, als passend erachtet, undin Aethiopien , wo die Menschen schwarz sind, bildet Grau das Emblem der Trauer.Alle diese Farben sind Symbole. Weiß symbolisirt die Reinheit als Attribut des Todten;das Himmelblau soll den Ruheplatz andeuten, wo glückliche Seelen den Frieden finden;das Gelb oder, die Farbe des welken Blattes will sagen, daß der Tod das Ende allermenschlichen Hosfinmg ist, und daß der Mensch fällt, wie das Blatt im Herbste; grauendlich flüstert etwas von der Erde, wohin Alles zurückkehrt. Die Syrier betrachtetendas Trauern um einen Todten als eine weibliche Beschäftigung und legten deshalb Frauen-kleider an, wenn sie trauerten. Die Thracier gaben sogar ein Fest, wenn einer ihrerLieben starb und waren voll Lust und Fröhlichkeit, womit sie andeuten wollten, daß derVerstorbene aus einem Zustande des Elends in jenen der Glückseligkeit Übergängen sei.Schwarz als Farbe des Trauerkleides wurde erst von der Gattin Carl Vlil. von Frank-reich eingeführt. Vor ihr trugen die Königinnen von Frankreich Weiß zur Trauer undwaren bekannt alsweiße Königinnen."

(Zwei Handwerks burschen) bewunderten die Basreliefs an dem Piedestalder Statue des Fürsten Blücher neben dem Opernhause in Berlin . Als sie eben dasBild betrachteten, wo die Siegesgöttin den! Helden einen Lorbeerzweig reicht, äußerte derEine, auf die Viktoria deutend:Bei welchem Corps mag denn dieser da stehen, derhat ja Flügel am Leibe!"Schafskopf! merkst Du denn nischt!" erwiderte der Andere,der ist ja Blücher'n sein Flügeladjutant."

(Doppelsinnig.) Student:Guten Morgen, Herr Maier, was wünschen Sie?"

Maier:Ich komme um mein Geld." Student:Aber lieber Mann, den Weghätten Sie sich ersparen können, um Ihr Geld wären Sie auch gekommen, wennSie nicht gekommen wären."

Für die Redaktion verantwortlich Alphons Planer in Augsburg . Druck und Verlag desLiterarischen Instituts von Dr. Max Huttler.