Ausgabe 
(24.3.1883) 24
 
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überall auch selbst hier, vor dem Hause seiner Kindheit. Draußen stand er, wie einFremder, und wagte nicht zu pochen, und um Einlaß nicht zu bitten.

Oeffnete sich nicht das Fenster ? Grüßte sie denn nicht zu ihm hinaus, zu ihm, demMüden, Heimathlosen, die Mutter mit dem milden Blick, den er zuletzt umflort von einemThräncnschleier sah? Winkte sie ihn nicht herein, wie ehedem vor langer, langvergangenerZeit, als er noch ein Knabe, ein kleiner, wilder Knabe war, dein der Osterhase, wenner brav gewesen, ein Nest gebracht, worin die vielen bunten Eier lagen?

Nein, sie winkte ihm nicht mehr, das Fenster blieb geschlossen Niemand riefihn, Niemand kannte ihn mehr Niemand?!

Quiwit, quiwit!" erklang es plötzlich über ihm, undßjubelnd schwangen sich dieersten heimgekehrten Schwalben durch die milde Frühlingslufts; die ersten Schwalbenkehrten in ihr heimathliches Nest zurück die Schwalben!

Er dachte nicht daran, daß es ja nicht dieselben Schwalben waren, die er damals

als kleiner Knabe so oft befragt und nicht verstanden, wenn sie ihm Antwort gaben.

Jetzt verstand er sie schon besser jetzt! Sie kannten ihn ja, sie grüßten ihn, sie hieße»ihn willkommen in der Heimath; so war's ihm wenigstens, und nun schmolz auchder Eissplitter, den die lange, herbe Winterszeit in seinem Herz zurückgelassen, und Früh«ling ward es in ihm Auferstehung!

Die Schwalben hatten ihm nun endlich doch das Schöne mitgebracht» um das erfrüher so oftmals sie gebeten, oder hatte er sie nur früher nicht verstehen können?

Jetzt dachte er nicht mehr voll Trotz daran, ob ein treues Mutterherz wohl noch

auf Erden für ihn schlage, dachte nicht daran, ob ihm der strenge Bater jetzt die Hand

zum Gruße reichen, oder sich von ihm abwenden werde» wie er ihn zuletzt gesehen; erdachte nur an Eines: daß er wieder in der Heimath sei, vor seinem Elternhaus« stehe,und daß die Schwalben den Frühling ihm gebracht auch ihm!

Ach, wie war die Welt so weit, so leer und weit, und wie war die Heimath dochso schön, wie war so schön und lieblich: was die Schwalbe sang!

Der Himmel hat gar viele Mittel und der Boten viele, wenn er ein Menschen«herz zurückführt in die Heimath!

Noch läuteten die Glocken die Osterglocken zum Fest der Auferstehung, sieführten mit ihrem Mahn- und Jubelklange den Heimgekehrten den Weg hinein in'sVaterhaus, sie öffneten die Pforten ihm, die Herzen, sie legten ihm die rechten Worteauf die Lippen, die nicht an's Ohr nur, die in's Innere drangen.

Frühling, Ostern war's! In Mitte seiner Eltern zog der aus der Welt zurück-gekehrte Sohn hin zu dem Gotteshause, von ganzem Herzen Gott dem Herrn zu danken,daß Jesus Christ auch für ihn auferstanden, daß es auch Frühling da innen ihm ge-worden sei zur Osterfeier.

An Maria VerkündigungKommen die Schwalben wiederum."die Schwalben, des Frühlings Boten.

Möchten sie Jedem so den Frühling bringen! Möge ein Jeder so sein Herzsns-Ostern feiern, möge doch Jeder so gut verstehen:Was die Schwalbe singt!"

Arithmogrypl).

Hier geben die Anfangs- und Endbuchstaben von oben nach unten gelesen, die Namen2 deutscher Dichter:

1. eine wohlriechende Pflanze.

2. ein deutsches Knstenmeer.

3. ei» österreichischer Dichter.

4. ein weiblicher Eigenname.

5. ein Raubvogel. ck.

Für die Redaktion verantwortlich Alphons Planer in Augsburg . Druck und Verlag desLiterarischen Instituts von Dr. Max Hnttler.