der warmen Stube erst recht fühlbar. Pfarrer und Kaplan fanden, es sei ihm unmög-lich, weiter zu gehen. . Der Kaplan schlug vor, dem armen Knaben das kleine Zimmeranzuweisen, wo die Kapuziner, wenn sie in der Gegend umher Almosen sammelten, zuübernachten pflegten. Der Pfarrer fand den Vorschlag gut. Der Kaplan führte denKnaben dahin, brachte ihn zu Kette und ging, den Arzt zu rufen. Der Arzt versicherte,ein heftiges Fieber sei im Anzüge und verschrieb Arznei.
Der gutherzige Kaplan Kapistran wartete nun seinem kranken Pflegesohne so lieb«reich ab, wie nur immer die zärtlichste Mutter ihr Kind verpflegen könnte. Als dieHeftigkeit des Fiebers nachgelassen hatte, redete Kapistran mit dem Knaben, um ihnnaher kennen zu lernen. Der Vater desselben war schon vor längerer Zeit, die Muttererst vor kurzer Zeit gestorben. Die fromme Mutter hatte ihrem kleinen Sohns dasVater unser und andere kurze Gebete gelehrt, welche dieser auch sogleich recht deutlichund mit Andacht und mit gefalteten Händen hersagt«. Der Kinderfreund Kapistran, dersich den Unterricht der Kinder von jeher zur wahren Herzensangelegenheit gemacht hatte,lehrte nun seinem Pslegekmde „Gott i» Christus" näher kennen lernen und lieben. DieErzählungen aus der Gesmichte Jesu hörte der Knabe mit der größten Aufmerksamkeitund sie machten ihm unbeschreiblicke Freude; er gewann eine solche Erkenntniß und LiebeGottes und Jesu Christi , wie Kapinran sie noch an keinem Kinde bemerkt hatte. Ebenso groß war dessen kindliches Vertrauen zu unserm Vater im Himmel und zu unsermgöttlichen Erlöser.
Die Krankheit wurde zu einem zehrenden Fieber. Das Kind litt in unbeschreib-licher Geduld und war immer freudig. Es freute sich darauf, zu Gott und zu JesusChristus zu kommen und im Himmel auch seine Mutter und seinen Vater wieder zu sehen.Im Herbste starb der Knabe oder schlief vielmehr sanft ein, um im besseren Leben wiederzu erwachen.
Im folgenden Winter besuchte Kapistran in einem etwa eine Stunde weit entferntenFilialorte einen Kranken, und verweilte dorr so lange bis es Nacht geworden. Der Knechtdes Hauses erbot sich, ihn heimzubegleiten. Kapistran wollte ihm, der sich den Tagüber schon müde gearbei^r hatte, keine weitere Blühe machen; er wisse, sagte er, denWeg, den er schon oft gemacht habe. ohne Wegweiser zu finden. Allein während Kapistranbei dem Kranken verweilt hatte, war eilt frischer Schnee gefallen, und hatte alle diewenig betretenen Fußwege bedeckt und unkenntlich gemacht. Kapistran verirrte sich. Aufeinmal brach mit Krachen der Voden unter ihm. Er war an einen überfrorenen Weihergerathen, dessen Eis aber noch nicht stark genug war, «inen Menschen zu tragen. Kapistranwar bis an den halben Leib in das kalte Wasser gesunken, ohne mit den Füßen einenGrund zu finden, er fand nichts, woran er sich halten konnte und sah keine Möglichkeitsich herauszuhelfen. Da erblickte er auf einmal einen hellen Glanz. Von leichtem Ge-wölle umgeben, erschien ihm das verklärte, freundlich lächelnde Angesicht des Knaben, dener zum Tode vorbereitet und ihm die Augen zugedrückt hatte. Der Verklärte bot ihmdie Hand, stellte ihn heraus auf den festen Boden, deutete mit ausgestrecktem Arme,wohin er gehen sollte und verschwand. Der so wunderbar Gerettete kam unter Empfin-dungen, die er nicht ausspreche» konnte, glücklich nach Hause.
Sobald der Tag angebrochen war, ging er hinaus zur Stell«, wo er in Gefahrgestanden zu ertrinken und durch höhere Hilfe gerettet worden. Er bemerkte in demSchnee seine Fußstapfen bis zu der verhäng,lißvollen Stelle, ebenso seine Fußstapfen v-seinem Krankenbesuche bis hierher. Sonst war keine Spur eines menschlichen Fußtrittszu sehen. Er betrachtete das eingebrochene Eis; der Weiher war gerade hier am tiefstenKapistran blieb hier anbetend und dankend stehen.
Diese Erzählung machte auf mich wohl einen fast so tiefen Eindruck als die Be-gebenheit auf Kapistran selbst. Uns beiden, mir und ihm war diese Erscheinung aus jenerWelt ein überzeugenderer Beweis eines Lebens nach dem Tode, als die feinsten Vernunft-schlüsse, und sogar die göttlichen Verheißungen erschienen uns in hellerem Lichte. Auch