Ausgabe 
(28.3.1883) 25
 
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sahen nur daraus, daß fromme, geliebte Verstorbene in jener Welt noch um uns missen,an dem, was uns begegnet, liebevollen Antheil nehmen, und wenn Gott es ihnen ge-stattet, uns in Gefahren des Leibes und der Seele zu Hilfe kommen. Noch ganz be-sonders nahmen wir die Worte, die Jesus, als er die Kleinen zu sich rief, gesagt hat,auf's Neue recht zu Herzen:Wer ein solches Kind in meinem Namen aufnimmt, dernimmt mich auf!"

Also die Erzählung Christoph v. Schmid's in seinen Eingangs gedachtenEr-innerungen aus seinem Leben" (Augsburg 18531857). Wer könnte dieseErzählung ohne tiefste Rührung lesen! ll. L. I?.

G l ü ck.

In jeder MenschenbrustRuht, wenn auch unbewußt,

Des Glückes hoffnungsvoller Keim verborgen.

Wenn Dir das trübeHeut"

Nur Noth und Sorgen beut,

So lächelt Dir vielleicht ein frohesMorgen."

Hält auch die Liebe nicht,

Was sie Dir hold verspricht,

Und reißen jäh der Freundschaft zarte Bande!

Wirft Dich des Schicksals LoosTief in des Unglücks SchookUnd stehst Du vor des Abgrund's düsterm Rande:

Berzage nicht, o Herz,

Blick hoffend himmelwärts,

Noch bist Du nicht verlassen und verloren,

Denn wenn Dn's ahnest kaum,

Erscheint das Glück im Traum,

Das Menschcnherz ist ja zum Glück geboren >

Erfüllt der Tugend GlanzDie reine Seele ganz,

Dann wirst des Lebens Unbill Du vergessen.

Nur wenn Du trauernd Nagst *

Und nach dem Glücke jagst,

Dann kennst Du's nicht und hast es nie besessen!

Carl Felix.

Miseelleir.

(Aus einer Gerichtsverhandlung.) Richter:Sie sind als Zeuge vor-geladen ; ich fordere Sie auf, Nichts von dem Vorfall zu verheimlichen und nur die lautereWahrheit zu sagen." Zeuge:Also damals saß ich in der Wirthschaft und da kam

der Jakob und setzte sich zu mir und als wir den ersten Schoppen getrunken hatten,

ließen wir uns noch einen kommen, denn der Wein war sehr gut und schmeckte so gutbaß ... ." Richter:Aber halten Sie sich doch an das Factum!" Zeuge:DasFactum kommt schon. Der Wein also, ja der schmeckte uns so gut, daß wir uns nochJeder einen Schoppen bestellten und da...." Richter:Aber kommen Sie dochendlich zum Factum; machen Sie doch nicht so viel Gerede!" Zeuge:Ja, ja. Dakommt nun der Seppel mit dem Factum auf'm Rücken und hängt's draußen auf undsetzt sich auch zu uns an den Tisch. Als der den ersten Schoppen getrunken, läßt ersich noch eine» kommen und der...»" Richter:Aber halten Sie sich doch an dasFactum, machen Sie doch nicht solche Umwege." Zeuge:Und wie wir so dasitzen

und trinken, kommt der Peter, nimmt's Factum und läuft damit weg. Als wir das

sehen, springen wir ihm nach und nehmen ihm's Factum wieder ab und haben ihn dabeietwas g'sloßen. So war's Herr Richter und nun hab' ich Ihnen Alles erzählt, wieswar; jetzt will ich Ihnen auch noch das sagen: es war kein Factum es war einKalb." (Flgd. Bl.)