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der größere Theil des Publikums noch während seiner letzten Variationen aufbrach. Sehr -ärgerlich und grundphilisterhaft ist diese erbärmliche Besorgnis; des Publikums um seineMantel, während es in eine Welt versetzt sein sollte, wo man keine Mantel mehr braucht.Hätte doch der Künstler allen Störern zugleich seine Geige an den Kons schlagen können!
Doch nein! An diesem Felsen sollte das edele Saitenspiel nicht zerschellen! Einen Blickaber warf Artot auf die Barbaren herab, so zürnend und verachtungSmächtig, daß ermir in der Seele wohlthat; aber nur Einen. Von diesem Augenblicke klang sein Adagionoch viel leidenschaftlicher und tiefer; es klang wie ein schmerzliches Fortflüchten aus demKreise dieser Rohen und Kalten und wie ein Ausweinen in den Armen seines Genius.Artot soll leben! Er ist ein wahrer Künstler; ein unechter hätte, beleidigt schlechter ge-spielt; Artot spielte besser."
(Was Knübbe sagen würde.) Oberst (zum Musketier Knübbe, welcher bisheralle Fragen des Officiers über das Gewehr unbeantwortet gelassen hat): Na, mein Sohn,
Du mußt doch etwas vom Gewehr wissen, bist doch lange genug darüber instruirt. Dumußt Dich nicht etwa ängstigen weil ich hier zuhöre; nimm einmal an, daß Dich einerDeiner Kameraden fragt: Knübbe, sage mir 'mal, aus welchen Theilen besteht das Gewehr,was würdest Du da antwortend — Knübbe (nach kurzen: Besinnen): Ick würde sagen:
Hlat das Maul, Kerl, wat geht Dich meine Flinte an!
(Sparsystem.) „Ja," sagt der Barbier von Segringen, „das ist ein strenger s
Winter und alle Geschäfte gehen schlecht; Jeder hält sein Geld zurück, nicht einmal die ^
paar Pfennig für's Haarschneiden wollen sie sich mehr kosten lassen. Wißt Ihr, wie's i
der Bachschuster macht, wenn die Zeit zum Haarschneiden da ist? Er und seine Bubentauchen die Köpfe in ein Schaff mit Wasser, stellen sich dann hinaus in den Hof, lassen ^
die Haare gefrieren und brechen sie dann ab. Aus diese Weise haben sie das Geld für s *
Haarschneiden erspart."
(Wohl noch nicht dagewesen!) Ein von Mewe in Westpreußen nach Amerika ^Ausgewanderter war mit seinen Steuern im Rückstands geblieben unv schickte dieselben -
von Newyork nn die Kämmereikasse seiner Vaterstadt. Das erinnert ja fast an das
„Wunder von Jena": Eine große Menge Menschen (fast die halbe Stadt) hatte sichauf dem dortigen Marktplatz mit Kind und Kegel versammelt, um einen Studentenzu begrüßen, der soeben ein Zwanzig-Markstück auf die städtische Sparkasse getragen.
(Visitenkarten) sind bequem — Und oft im Leben angenehm. — wer dankenwill schreibt d'rauf p. r. — Das heißt zu deutsch : ich danke sehr. — Willst ferner sagendu Adieu, — So schreibst du einfach x. p. o. — Bringst einen Fremden du ins Haus,
— So drückst du durch x. p. es aus. — Thür Dir das Leid des andern weh, — Schreibst !
auf die Karte du p>. e. — Der Glückwunsch, was er auch betreff' — Er lautet einfach
nur x. k. — Und in der Kart ein Eselsohr — Bedeutet: „Ich sprach selber vor." !
(Ein Farme r) kaufte in der Stadt in einem Fruchtladen für einen Cents Kastanien.
Nach einer halben Stunde kam er zurück und legte eine Kastanie auf den Ladentisch. ' '„Was soll das bedeuten?" frug der Ladenbesitzer. „Das ist die einzige gute Kastaniedie im Papicrsack war," antwortete der Farmer, „uyd ich nehme an, daß Sie dieselbeirrthümlicher Weise hineingethan haben. Ich bin ein ehrlicher Mann, der aus einem Irr-thum keinen Vortheil ziehen will."