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»var, und er auf's Neue die Conzesfion für weitere 6 Jahre erhalten hatte. Diese Zer-splitterung, im Verein mit den schlechten Zeiten, führte endlich — es waren von demzweiten Contrakte erst 3 Jahre abgelaufen — einen Krach herbei. Zwar hatte „MadameKaroline Müller" alles Mögliche versucht, um auf den Geschmack und die Schaulust desPublikums zu spekuliren: biblische Tableaux aus der Leidensgeschichte mit begleitendemVortrag in der Charwoche, ein Oratorium mit biblischen Gemälden am Himmelfahrtstags.Ferner wurde der Einzug der verbündeten Truppen in Paris bei festlich beleuchtetemHause durch eine Festvorstellung mit Schlachtengemälden gefeiert (1814), ebenso 1815die siegreiche Heimkehr der bayerischen Soldaten; außerdem einmal ein Transparent-Gemälve: „Der Brand von Moskau" mit Musikbegleitung aufgeführt u. s. w. Alsaber endlich gar während der Saison 1815/10 Madame Karoliue Müller, um die Zug-kraft zu vermehren, jedes neue Stück — oft von sehr zweifelhaftem Werthe — pomp-haft auf den Zetteln anpries, und endlich gar im Theater — ein Lamm ausspielte, dawar der Anfang vom Ende gekommen. Das Ende bestand in finanziellen Verlusten derDirektion und in ihrem Verschwinden von dem Schauplatz, lange vor Ablauf der zweitenConzesfion, »vorauf ein Direktor, Karl Hain, wieder nebst Frau, erschien, welche ihm in-dessen um so nothwendiger war, als er, in Folge seiner Gicht, stets gefahren oder ge-tragen werden mußte; er gab mit seinem Personal von 33 Mitgliedern und 11 Kindern98 Vorstellungen vom 17. November 1816 bis 30. Mai 1817, ohne sonderlichen Erfolgzu haben.
Trotz dieser traurigen Erfahrungen erhielt der nun folgende Direktor Josef Scheinen«auer, wegen des guten Rufes, der sich an seinen Namen knüpfte, abermals, wie derDirektor Müller, die Conzesfion gleich auf sechs Jahre. Ein Prolog: „Thaliens schöneZukunft" eröffnete verheißungsvoll die neubeginnende Saison, dessen Verfasser einNachfolger des erwähnten, dramatischen Gelegenheitsdichters Philipp Schmid, DoktorWilhelm war; auch ein auf sonstigem dramatischem Gebiet mit glücklichem Humor, trotzfeines jahrelangen Gichtleioens, thätiger, Augsburger Theaterdichter, der nicht nur: „die ^Hunnen vor Augsburg ", sondern auch Puppenspiele für's Marionettentheater schrieb.Unter dem Direktor Schemcnauer, der Winter und Sommer spielte, entstand der Anfangder Sperrsitze, indem vorerst die drei vordersten Parterre-Bänke dazu eingerichtet wurden.Gespielt wurde für gewöhnlich: Sonntags, Dienstags, Freitags — Anfang: 6 Uhr; dasWinter-Abonnement währte vom 1. September bis Ende April, und die Preise der Plätzewaren — ohne je erhöht zu werden: 1 Fl. für 1. und 2. Rang, 48 Kr. für Sperrsitz,36 Kr. für 1», 18 Kr. für 2. Parterre, 12 Kr. für Galerie und 6 Kr. für den letztenPlatz. Das während der ersten drei Jahre aus 69 Mitgliedern und 9 Kindern be-stehende Personal leistete im Verein mit hervorragenden Gästen (darunter Franz Liszt als12jühriger Knabe) sehr Tüchtiges, das Nepertoir war vielseitig, reichhaltig, theilweise ausbedeutenden Erzeugnissen der „zweiten Sturm- und Drangperiode" bestehend, theilweisejedoch schon beeinflußt durch die nachfolgende, minder glückliche Zeit unserer dramatischenDichtung (Schicksalstragödien u. s. w.). Auch ein sehr vielseitiger Augsburger Dichtertrat mit Erfolg hervor in der Person des Freiherr» Ecker von Eähofen, welcher, außerden gebräuchlichen Gelegenheitsdichtungen, durch Uebersetzen und Dramatisiren hervor sichthat. — Trotz Alledem aber schlug auch die unfreiwillige Abschiedsstunde des DirektorsSchemenauer, nachdem er auf sechs weitere Jahre der Permission erhalten, als die erstevon 1817 abgelaufen war; dieses zweite halbe Dutzend lief indessen nicht mehr völligab, denn nach zehn Direktionsjahren in Augsburg mußte er die Bühne schließen, mitVerlust all' seiner Habe. Ungeachtet der ohnehin schon stattgehabten Gagen-Abzüge,betrug die Schuldenlast der letzten zwei Jahre 6451 Fl>< von denen die Gläubiger dieHülste erhielten.
Und nun begann abermals eine Jnterimszeit l Die Mitglieder gaben auf eigeneRechnung etliche Vorstellungen, alsdann trat ein Comitä zusammen, bestehend aus Augs-burger Honorationen, das zwei Jahre lang das Theater leitete, und einen Geschäftsführer