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anstellte, bis die Verluste, die auch sie erlitten, die Aktionäre veranlaßten, die Sachewieder aufzugeben. Es war freilich eine gute Zeit für Mitglieder und Publikum gewesen,was Gage für die Einen und Ausstattung der Stücke für die Andern anbetraf, aberdas Nachspiel war — des Gegensatzes halber — um so trauriger, da ein Direktornatürlich erst recht nicht im Stande war zu leisten und durchzuführen, was ein bemitteltesPrivatunternehmen auf die Dauer nicht erhalten konnte.
Vom Jahre 1829—34 versuchte der „von Jugend auf an eine Direktionsführunggewöhnte" Johann Weinmüller sein Heil, ebenso zum zweiten Male 1837—41 und so-gar zum dritten Male 1843—44. Es war dies eine um so eigenthümlichere Passionund kostspieligere Gewohnheit, als er von der jährlichen Nente und dem kleinen Baar-kapital, die er besaß, jedenfalls sorgenfreier hätte leben können, als sich bis in seineachtziger Jahre hinein, ohne Vortheil schließlich, mit beständiger Direktionsführung zuplagen. Auch in Augsburg lächelte ihm das Glück nicht sehr holdselig entgegen. Zwarbegann er mit einigen guten Kräften — im Ganzen mit 85 Mitgliedern und 2 Kinder —>führte auch allerlei neue Stücke von Albini, Birch-Pfeiffer, Deinhardstein , Holtei, Naupach,Raimund, Wolf rc. rc., sowie neue Opern von Auber und Rossini in's Treffen, fernerals Gäste die beiden berühmten Charlotten: Birch-Pfeiffer und von Hagen , den Geigen-könig Paganini rc. rc., aber — darüber ging sein Baargeld zu Grunds, und sogar seineRente mußte er für mehrere Jahre verpfänden, obwohl ihm die Stadtkasse einen außer-ordentlichen Zuschuß von 1000 Fl. und die Abonnenten 1600 Fl. gewährten. — Umauch ein wenig Humor in diese Tragik zu bringen, sei eines tragi-komischen Ereignisseserwähnt, das unter dieser Direktion als eine Art von Unicum passirte. Der Musik-Direktor Maurer hatte zu seinem Benefiz eine Oper: „Abraham's Opfer" componirt. DerAbend ist gekommen, das Publikum zahlreich versammelt, doch fehlt der Held, die Haupt-person — Abraham selbst, in Folge einer hartnäckig geschwollenen Wange. Was thun?— Der Mensch muß sich stets zu helfen wissen — wie viel mehr nicht ein Direktorund ein Venefiziant in solchen Nöthen I Ein anderes Opernmitglied wird schnell in dasKostüm des Abraham gesteckt, singt die Partie flottweg aus der Stimme heraus, wäh-rend daneben im schwarzen Frack ein Zweiter steht, die Prosa dazu lesend! —
„Wenn Kunst sich mit Natur verwandelt,
Dann hat Natur mit Kunst gehandelt!" —
Unterbrochen wurde diese dreifache Serie Weinmüllrr durch zwei andere Direktionen.Zuerst 1834—87 durch seinen Schwiegersohn August Nothhammer, der mit einem Per-sonal von 71 Mitgliedern und 5 Kindern die Bühne eröffnete. Er war dies eine sehrthätige Direktion, deren Personal sich nicht verminderte, sondern auf nahezu 80 Mit-glieder erhöhte; auch die Zahl der neugegebenen Stücke war z. B. im zweiten Jahrgangdie respektable von 43 von meist bedeutenden Verfassern. — Unter dieser Direktion hörtauch zum ersten Mal das Zahlen der Abgaben auf, welche allerdings von den ursprüng-lichen 16 Fl. pro Spielabend seit etwa 1803 auf 5 Fl. 30 Kr. für den Wintcrspiel-Abend und 2 Fl. 4b Kr. für den Sommer herabgemindert worden waren. 1836 er-hielt Direktor Rothhammer sogar einen Zuschuß von 600 Fl., welcher in Zukunft jederDirektion per Jahr auf Ansuchen ertheilt wurde, bis die Direktion Beurer (die zweit«,welche — 1841—43 — die verschiedenen Serien Weinmüller unterbrach) diesen Zuschußals Subvention erhielt. Unter Direktor Nothhammer traten auch verschiedene sonstigeAenderungen in's Leben: er entfernte das 2. Parterre, und setzte für den ganzen Par-terre-Raum 30 Kr. Eintrittsgeld für die Oper, 24 Kr. für das Schauspiel fest. (An-fang halb 7 Uhr). Auch eröffnete er ein Sommer-Abonnement (denn die Gesellschaftspielte zum ersten Mal seit Schemenauer während des einen Sommers 1836), bestehendaus 28 Abenden, getheilt in zwei Abonnements zu 12 Vorstellungen nebst zwei Suspen-dus. Auch an hervorragenden Mitgliedern war kein Mangel — es sei hier nur des soviele Jahre dem Augsburger Stadttheater angehörenden Komikers Frdr. August Witz ge-dacht — ebensowenig, als an berühmten Gästen. Eslair, Wilhelmine Schröder-Devrient ,