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Vespermann (der zuerst in Augsburg Goethe's „Faust " gab) und Frau Sigl-Vespermann,Charlotte Birch-Pfeiffer, Lang rc., ebenso wie dem größeren, schaulustigen Publikum inentsprechender Weisx Rechnung getragen wurde durch das Auftreten einer spanischen Hof-tänzergesellschaft Tourniaire, die mit Pferden auf die Bühne kam. So bemühte sich derthätige Direktor, «S gar Allen recht zumachen, und das auf möglichst künstlerische Weise;
— Letzteres gelang ihm — mit einem Chelard als Capellmeister und Wolff als Regisseurzur Seite — auch sehr wohl, Ersteres dagegen gelang ihm leider nicht. Wenigstensging er trotz Alledem mit allein seinem guten Willen und aller Anstrengung, das Bestezu leisten und zu bieten, doch schon im dritten Jahr« seiner Theaterleitung vollständigzu Grunde, namentlich, da die im Winter 1837 in Augsburg herrschende, heftige Grippedas Publikum noch weit mehr als sonst dem Theater fernhielt. Als der arme Noth»Hammer sich zahlungsunfähig erklären mußte, spielten die Mitglieder auf eigene Rechnungfort, bis der Schwiegervater Weinmüller seinen Schwiegersohn wieder in der Direktionablöste, um endlich selbst ein ähnliches Schicksal zu erleben. Er schloß die Bühne: »wegendes grassirenden Nervenfiebers und der wachsenden Theuerung aller Lebensmittel." —(Während dieser zweiten Serie Weinmüller gelangte das Augsburger Theater aus denHänden der St. Martins-Stiftung, in welche es seit etwa 1803 aus denen des Almosen»Amtes übergegangen, in die der Commune.)
Auch dem andern Direktor — Carl Beurer — der die verschiedenen DirektionenWeinmüller unterbrach, wäre es nicht besser ergangen, wenn er nicht sammt seiner Gat-tin einer „weisen Sparsamkeit" gehuldigt hätte — auch in Bezug auf die Wahl derStücke, deren Zugkraft und Wiederholungen sich sehr glücklich-speculativ erwiesen. AlsBeispiel, wie es zu seiner Zeit (1841—43) mit der Wiederholung von Stücken beschaffenwar, diene die folgende Notiz: Die Oper „Czar und Zimmermann" von Lortzing , undMarie, die Tochter des Regiments" von Donizetti, sowie die Nestroy 'sche Posse „EinenJux will er sich machen" waren z. B. damals Novitäten, welche 6—8 Wiederholungenper Saison mit Erfolg gestatteten. Direktor Beurer hatte keinen besonderen Vor- abergerade keinen Nachtheil von seiner Direktion in Augsburg , dafür aber hatte auch dasAugsburger Theater weder unter ihm, noch unter seinen Nachfolgern einen Aufschwungzu verzeichnen; im Gegentheil, denn es ergab sich nach Nothhammer 16 Jahre hindurcheine gewisse Ebbe und Dürre in den Theaterverhältnissen Augsburg's , die ihren Gipfel-punkt in einem vierblättrigen Direktions-Kleeblatt, bestehend aus zwei Männlein und zweiWeiblein» fand, die sich folgerichtig stets befehdeten. Deren Nachfolger — WilhelmLippert (1845—51) — hielt viel auf äußern Glanz, war thätig und speculativ und er-hielt viel Erleichterung und vielen Zuschuß; so hielt er sich auf diese Weise über Wasser.
Unter dieser Direktion verschwand — 1850 bis 1851 — zuerst die »och aus demvorigen Jahrhundert herrührende Bezeichnung: „Madame und Demoisellö" von denZetteln, um dem deutschen: „Frau und Fräulein" Platz zu machen.
Nach einem nochmaligen kurzen Auftauchen von Karl Beurer (1851—52) erschienfür den folgenden Jahrgang ein Direktor, welcher mit Recht besonderer Erwähnung ver-dient, als Derjenige, welchem es gelungen, mit verhältnißmäßig geringsten Mitteln denverhältnißmäßig größten Bortheil in Augsburg zu erzielen. Es war dies Ernst Walter
— wegen seiner Manier, alle Welt mit „Freundchen" anzureden: „Freundchen Walter"genannt. Während seiner nicht viel über fünf Monate währenden Direktion war eSallerdings stets voll, denn die Anziehungskraft seines Programms bestand in der Berück»fichtigung des allgemeineren Publikums, durch viele Possen, durch die Sonntags gegebenenNitterkomödien, wie: „Blaubart, oder die Todtengruft und Maklerkammer", mit benga-lischer Feuerbeleuchtung. Ferner z. B. „der gebändigte Tiger" mit der fett gedrucktenZettel-Notiz: „Der Tiger kommt lebendig vor!" — Und er kam wirklich, d. h. der„lebendige Tiger" bestand aus einem Statisten, eingenäht in eine bemalte Tigerhaut.
Als „Freundchen Walter" von Augsburg schied, erklärte er zum Abschied, daß:»was gefordert werde, mit den gegebenen Mitteln nicht zu beschaffen sei", und wenn
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