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schon nach seinem Abzug darüber berathschlagt ward, ob im folgenden Winter das Theater„icht ganz geschlossen werden solle, so wurde schließlich doch beschlossen, statt dessen lieberdem folgenden Direktor, außer freier Heizung und Beleuchtung für Oper und Orchestereinen Zuschuß von 1000 Fl., für das -Schauspiel aber 600 Fl. zu gewähren, währendzuvor die Subvention sich nur auf 1200 Fl. beziffert hatte.
Dieser folgende Direktor war Friedrich Engelken! Unter ihm begannen — 1853 —wieder bessere, künstlerische Zeiten für das Augsburg « Theater, ein idealeres Streben!Ihm wurde auch bewilligt, was vordem nur auf erfolgte Eingabe gestattet war: stetsfünfmal wöchentlich zu spielen; von 1853 an staminte auch das für die ganze Winter-Saison bindende Abonnement. — Doch das Jahr 1853 führt uns schon in die bekanntereNeuzeit, um welche es sich hier nicht handeln soll! Aus dem Gesagten wird ohnehinhervorgehen, daß im Großen und Ganzen kein guter Stern über dem Theater AugburgSleuchtete. Erschien er, erschien auch bald die Wolke, die ihn zu umhüllen drohte, obwohldie beschwerlichen Abgaben endlich ganz aufhörten, obwohl der Zuschuß und die Spiel-tage sich nach und nach vermehrten. — Während 1836—42 dieser Zuschuß jährlich600 Fl. — außer verschiedenen außerordentlichen Beiträgen — betragen hatte, erhöhteer sich im Jahre 1842 von 600 auf 1200 Fl., ohne die indirekten Zuschüsse, durch die1848 von der Stadt übernommene Heizung, und 1849, nach Einführung des GaseS,auch fortfallenden Veleuchtungskosten.
Wenden wir uns nun schließlich noch den Wandlungen und Kämpfen zu, die endlichdas alte Stadttheater zu Gunsten eines neuen verschwinden ließen! — Der alte Bauhatte schon von Anbeginn gar nirgends recht genügen wollen; gar zu eilfertig ward eranno 1776 hergestellt, über 100 Menschen waren täglich dabei beschäftigt gewesen, umin 29 Wochen das Theater fertig zu stellen. 21,147 Fl. 38 Kr. hatte dieser Bau ur-sprünglich gekostet, ursprünglich, denn die zahlreichen Flickereien und Nachbesserungen imVerlauf der Jahre kosteten viel Geld und halfen doch nicht viel. 1832 wurden dannnoch die von rückwärts anstoßenden Schießel'schen Häuser für das Theater angekauftund mit der Bühne vereinigt; man benützte die neuen Räumlichkeiten, (für welche derDirektor erst 75 Fl. Zins zahlen mußte, bis allmählig eine Null aus diesen 75 Fl.ward), zu Bürerau-, Garderobe-, Bibliothek-Lokalitäten rc. rc. Da indessen sehr baldeine Decke einstürzte, und die Parterrezimmer unbewohnbar feucht waren, so mußte 1846Alles niedergerissen und frisch aufgebaut werden.
Schon sehr bald nach dem Bau des alten Stadttheaters waren Projekte für einenNeubau aufgetaucht. Schon unter der Direktion Voltolini (1790 beginnend) sprach manin der ersten Begeisterung von dem Bau eines neuen Theaters, der Gedanke aber andie großen Kosten kühlte die ohnehin im Laufe der Begebenheiten sich legende Begeiste-rung bald wieder ab. 1793 legte der unternehmende Direktor Wenzeslaus Mihule derStadt einen Plan für ein neues Theater auf Aktien vor, wenn man auf einementsprechenden Platze ein passendes, nicht benütztes, städtisches Gebäude dazu fände. Esfand sich aber nichts Dergleichen. Im Jahre 1807 tauchte neuerdings ein Vorschlagauf, der scheiterte, ebenso wie im folgenden Jahre der Plan einiger Spekulanten; 1817wurde gar schon ein Kosten-Voranschlag gemacht init 56,000 Fl. für ein Theater, zuwelchem die Függer'sche Kanzlei in Aussicht genommen war; 1825 zog man das Fugger-haus selbst in Erwägung, und die Idee, einen Theaterbau dort mit „Harmonie-Gesell-schaft" und „Börse" zu vereinigen, eine Idee, welche beim Bau der „Börse" 1829 sichwiederholte, ohne zur Ausführung zu kommen. 1837—38 unterbreitete ein spekulativerKopf dem Rathe Augsburgs seinen Plan, eine Aktiengesellschaft für bauliche Verschöne-rungen im Allgemeinen und Besondern für München—Augsburg zu gründen; das „Be-sondere" galt einem großen Gasthof in München und einem neuen Theater in Augsburg !Auch im folgenden Jahre spukte das alte Gespenst von Neuem, ohne Erlösung zu finden;1851 wurde das ehemalige Armenhaus (später dann „Museum ") für ein Theater vor-