M i s e e l l e,r.
(Eine Prophezeihung für den diesjährigen Frühling.) Der bekannte,französische Astrolog Notredame (Nostradamus ),,der im siebzehnten Jahrhundert lebte unddie Geschicke Frankreichs aus Jahrhunderte im vorhinein in schönen Versen verkündethatte, hat für den heurigen Frühling folgende. Prophezeihung hinterlassen:
„Ln mil stuit ovuts ffuutrs-vwAt trois,
(jnunck on varra varäir los b»,is,
Oontro Asno ot Lontl'L mslestunes,
Dn doiteux suuverw lu j^rnneu."
(Im Jahre tausendachthundertachtzigunddrri,
Wenn von den Bäumen werden die Knospen springen,
Allen Hindernissen zum Trotz
Wird ein Hinkender Frankreich Rettung bringen.)
Diese Prophezeihung wird nun auf den Grafen Chambord, welcher ein wenig hinkt, be-zogen. Nostradamus hat bekanntlich auch von Napoleon III. verkündet, daß er »acht-zehn Jahre weniger ein Viertel, nicht einen Tag mehr, nicht einen Tag weniger regierenwerde," und so ist es auch eingetroffen.
(Der schlaue Caro.) Jägerlatein. Akiba, der alte Ben, würde seinen weisenAusspruch: „Es ist alles schon dagewesen," nicht gethan haben, wenn er meinen Carogekannt hätte. Ja, ja, ich sage Ihnen, meine Herren, mein Caro ist ein merkwürdigesThier. Aber einmal, da hat er mir doch eine schöne Geschichte angerichtet. Früh Morgensbekam er immer das Semmelkörbchen in's Maul, darin schön in Papier eingewickelt dasGeld, um beim Bäcker das Frühstücksgebäck zu holen. Lange ging das so fort. Dabekomme ich aus einmal zu Neujahr von, Bäcker eine Rechnung. Na, denke ich, das isthübsch, bin ja dem Menschen gar nichts schuldig. Ich ging also hin und fragte denBäcker, wie das komme, da das Geld täglich im Körbchen lag. Das gab aber der Bäckernicht zu und bestand auf Bezahlung der Rechnung. Nicht lange darauf mußte ich ein-mal noch vor dem Frühstück fortgehen. Wie ich beim Fleischer vorbei komme, springtgerade der Caro heraus, das Semmelkörbchen um den Hals und gar fröhlich an einerfetten Knackwurst kauend. Hat also der verfluchte Kerl sich jeden Tag eine Wurst ge-kauft und ist dem Bäcker die Semmeln schuldig geblieben: nun wußte ich, wieso dieBäckerrechnung entstanden war. Ja, meine Herren, 's ist ein merkwürdiges Thier,mein Caro.
(Varus, gieb mir meine Legionen wieder.) In einem Provinzial-Theaterwird ein pompöses Drama aufgeführt, in welchem der Hauptdarsteller zu sagen hat:„Varus, gieb mir meine Legionen wieder!" Varus, der sich nicht an die Antwort er-innern kann, die er zu geben hat, bleibt sprachlos. „Varus," wiederholt der Erste „gibmir meine Legionen wieder." Varus (?) immer verwirrter, sieht ein, daß er seinen Partnerunmöglich ohne Erwiderung lassen kann. Schon aber ruft dieser zum dritten Mal:„Varus, so gib mir doch meine Legionen wieder!" Hierauf Varus rasch entschlossen:„Wenn Du so schreist, dann bekommst Du sie erst recht nicht."
(Ein in Berlin bekannter Musiker) spielte dieser Tage in einem gemischtenKonzert in einer Provinzialstadt. Als er als Arrangeur des Konzerts das Programmdem Unternehmer zur Drucklegung brachte, schien es demselben, als wäre der BerlinerMusiker zu karg gewesen» Er äußerte sein Bedenken. Der Virtuose erwiderte: „LassenSie'S gut sein, wenn applaudirt ivird, spiele ich zum Schluß noch die Mazurka von M"Der Unternehmer gab sich zufrieden. — Auf dem Programm, welches am Abend aus-gegeben wurde, fand sich aber wörtlich folgende Fußnote: üiÜ. Wenn applaudirt wird,spielt Herr G. noch die Mazurka von T.
(Geometrische Scherzfrage.) Wo liegt die Spitze des Kreises? — Antwort:„Der Herr Landrath liegt auf dem Sofa."