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Körnten herstellte, welche Gebirgsländsr zn den hervorragenderen Bezugsquellen der Reichsstadt zählten.— Von München aus zog man dann durch das vielfach genannte Dachauer Gebiet aus der direktenLinie gegen Augsburg, nicht ohne vorher noch einen Aufenthalt bei der Feste Friedberg erlittenzn haben. Denn da, wo heute eine Nothbrücke die Verbindung zwischen Augsburg und Friedberg her-stellt, befand sich damals eine doppelte Zollstälte: auf dem linken Lechufer sah der städtische Zöllner,ihm gegenüber war das herzoglich bayerische Zollhaus aufgeschlagen. Es liegt auf der Hand, daß,gerade wie die Feste Friedberg selbst als recht eigentliches Trutz- Augsburg den Herzogen in politischenHandeln eine willkommene Stütze bot, so der bayerische Lechbrückenzoll in Fehdezeiten dazu diente, aufHandel und Verkehr der Angsburger einen äußerst beschwerlichen Druck auszuüben; und es wundertuns nicht, zu lesen, wie die reichsstädtischen Bürger hinwiederum alles aufboten, dagegen Maßregelnzu treffe». In dem bekannten Bischofstreite des Anselm Nenninger z. B, in welchem sie durch dieBayernherzoge so viel Ungemach zn erdulden hatten, versuchten sie einmal die Friedberger Zollstättedadurch zn umfahren, daß sie die Lechhaufener Brücke benutzten, weshalb Herzog Ludwig derBärtige, als er es gewahrte, diese Brücke mit Querbalken und Schranken und einem in der Eile aus-geworfenen Graben versperrte. Vom Jahre 1462 aber, als sie mit Ludwig dem Reichen in Fehdelagen, erzählt Burkhard Zink: „Die von Augsburg, als sie dem Fürsten abgesagt hetten, da thetensie ein männliche Gethat: sie ließen das Zollhäuslin verbrennen und die Brück abwerfen undkamen all wohl gesund Hermieder, Gott sei gelobt!"
Auch die Verbindung mit den nördlichen Handelsemporien, deren wichtigste für den AngsburgerKaufherrn Frankfurt war, brachte denselben mit Bayern in Berührung. Soweit sich allerdingsdie Fahrt auf den untern Lechrain erstreckte, scheinen die Angsburger auch in bayerischem Gebieteziemlich unabhängig gewesen zu sein; denn es bestand auf dem untern Lech eine Angsburger Wasser-Rotl, deren Rechte sich auch auf die Donau bis nach Regensburg hinab geltend machten. „Item",heißt es in dem Rathsdekrete, welches im Jahre 1446 diese Rott neu ausrichtete: „man hat den Floß-leuten ernstlich empfohlen, mit trucken Flößen ordentlich ze warten, damit niemand gesaumet oder ge-hindert werd; man soll auch dazu Leut bescheiden, die schwören werden, Bürger und Gäst und män-niglich zu versorgen zum besten, als sich gebühret. Und die Floßleut, sollen ze Lohn nehmen gen Rainvon einem Faß 3 Pfd.: item gen Neuburg von einem Faß 1 Psd. Münchner; item gen Jngolstadt voneinem Faß zwen Guldin; item gen Regensburg von zwein Fudern 4 Guldinl"
Wenn nun auch hier die Augsbnrger, wenigstens was den Wassertransport betraf, unabhängigblieben, so befanden sich dagegen in N a i u und Donauwörth wieder herzogliche Zollstätten, undauch, wenn man das Gebiet der Jngolstädter Herzoge hinter sich hatte, war der Einfluß der bayerischen Fürsten noch nicht zu Ende. Zur Frankfurter Messe konnte man nämlich zwei Routen einschlagen:entweder wurde der Waarenzug über Nürnberg, Würzburg und Aschaffenburg geführt, oder manbegab sich durch die Gebiete der Herren von Weinsberg und Württemberg in die pfälzischenKurfür stenthümer, um schließlich unter dem Geleite des Mainzer Erzbischoss nach Frankfurt zu gelange». Auf dieser letzteren Route also waren die pfälzischen Kurfürsten für eine ansehnlicheStrecke die Geleitsherrn, und jährlich zweimal, vor der Fasten- und vor der Herbstmesse, mußte derAugsburger Stadtrath an Herzog Ludwig aus der Heidelberger Linie und an Psalzgraf Otto vonMoSbach für seine lieben Mitbürger und Kaufleute schreiben, welche mit ihren Leibern und Güterndie Messe zu Frankfurt pflichtig seien zu suchen, und deshalb wohl eins freien und sichern Geleitesbedürfen „vor münniglich."
Es konnte aber natürlich nicht fehlen, daß in diesem Verhältnisse mancherlei Irrungen ent-standen: von Seite der Kaufleute gab es Beschwerden wegen Beschädigungen; von den Herzogen da-gegen lief wiederholt in Augsburg Klage ein, weil die Kaufleute, um das Geleitgeld nicht zahlen zumüssen, gar gerne die richtige Straße zu umfahren versuchten. So beklagte sich Herzog Otto ini Mai1438, „daß die Augsbnrger der mehrer Theil die Straße für Pretheim mit ihrer Kausmannschaftschlagen und fahren", und er forderte von dem Rath Abstellung dieses Unfugs. Daiiials wußten dieStadtväter noch eine ausweichende Antwort; als sich aber 1443 dieselbe Beschwerde wiedecholte, sahsich der Rath genöthigt, sämmtliche nach Frankfurt handelnden Kaufleute vor sich zu bescheiden, „umabermals ernstlich mit ihnen zu reden, wie nicht über den Hüchelberg gefahren werde,dadurch die Stadt groß Schmach und Schaden wohl zusteh'n möcht, und daß ein Rath für sie nitmehr leiden wolle." Unter den Kaufleuten, welche solchergestalt strenge Rüge empfingen, be-fanden sich Träger berühmter Namen: Egen, Fugger, Gosssnbrot, Jlsung, Mülich, Nördlinger , Rüm,RavenSburger, Ridler, Tenndrich und Weiser; aber auch andere sind genannt, welche die Steuerbücherals reiche oder wenigstens wohlhabende Kaufleute ausweisen: Limhard Ayslinger mit 19 Gld. Steuer;Thomas Ehern mit 37 Gld.; Jakob Hämerlin mit 19 Gld.; Konrad Rot mit 21 Gld.; Simon Zeltermit 22 Gulden Steuer, und viele andere; mit Einschluß der Wagenleute über siebzig Bürger,welche alle am 4. Oktober 1442 vor den Rath gefordert wurden, weil sie nicht über den Hüchelberggefahren waren I
Aber mehr noch als auf der nördlichen Route kamen die Augsburger mit Bayern in Berüh-rung, wenn sie den Transithandel in die östlichen Länder betriebe», die für den Absatz wie fürden Bezug gleich wichtig waren. In die Steiermark führte die bereits erwähnte Salzburger Straße,und sowohl Salzburg wie die Steiermark werden auffallend häufig in den Quellen erwähnt: einemWagenmann wurde 1421 vom Rath ein Schutzbrief ausgestellt, damit er sicher durch der hochgeboren