Fürsten und Herren Land zu Bayern mit zwen Wägen gen Salzburg und herwiederum heimfahrenkonnte, und in gleicher Weise 1422 dem Wagenmann Thomas Klemm, der sich durch Bayern in dieStciermark begeben wollte. Hans Fucker von Augsburg war 1430 niit einem Salzburger Mautnerwegen Verführens der Psnndmaut in Conflikt gerathen, und zwei andere reiche Bürger, Hans Gwärlichund Ulrich Halter, hatten in den steicrmärkischen Städten Peltau und Friesach geschäftliche Verbin-dungen; in der letzteren Stadt verknuste ihr Diener Ulrich Hüber im Großen Augsburger Gewand,und als einer der Friesacher Bürger „an Gewände um etwas namhafter Summ Geldes" schuldigblieb, forderte Hüber anstatt der Geldschuld zwei Häuser nebst Hossache, welche ihm auchüberanlwdrlet und als Gwärlichs und Hallers Eigenthum in das Friesacher Stadtbuch eingeschriebenwurden.
Ebenso wichtig waren die Verbindungen mit Wien und Ungarn, wohin man theils über München ,Octting, Burghauseu, theils über Landshut und Schärding suhr; auch die Donau , wo die HerzogeGcleitrecht übten und Zölle nahmen, wurde als natürlichste und bedeutendste Wasserstraße benutzt, undebenso stellten die niedcrbayerischeu und oberpsälzischen Gebiete die Verbindung mit Böhmen undPolen her.
Da sich alle bisher genannten Straßen aus den Transithandel der großen Augsburger Kaufherrnbezogen, so lag ihre Bedeutung hauptsächlich darin, daß die herzoglichen Beamten Zölle und Geleit-geld forderten; oder daß die Bürger einzelner Städte durch Stapel und Rottrecht ihren Einflußgeltend machten; oder auch, daß Aufhaltungen und Beschädigungen von Handelswaaren vorkamen.Solche Beschädigungen nun, so unlieb und leidig sie dem betroffenen Kaufmann sein mochten, sindsür den, welcher heutzutage ein möglichst vollständiges Bild jener Zeit gewinne» will, oft höchst er-wünscht und willkommen, da sie nicht blos über Namen von Kaufleuten, sondern bisweilen auch überHandelsgegenjtände detaillirtcsteu Ausschluß geben. Als zum Beispiel im Jahre 1417 der RitterRudolf von Westerstellen mehrere von der Nördlinger Messe zurückkehrende Augsburger beraubte,in der Meinung, es seien bayerische Kaufleute, forderten die Rathgeben von ihm Rückerstattung Mdberichteten, man habe genommen: „Heinrich dem Engelschalk vier groß Scheiben Wachs und 21 sackMetwachs; Hansen dem Gewärlich 3 Pällach, darin sind bei 900 Bech, 8 Seid, 70 Vechrück, einsüchsin Rock, ein Mantel und sunst ander klein Ding, bei drei Guldin wert; item Kunradeu Sumer ,
1 Pällin, darin sind zwo süchsin und ein eichhörnin Kürseu, 225 Vechrück, 1 Rock und 1 Mantel; itemdem Bytzel ein Fäßlin, darin ist männigerlei Kaufmannschaft, als er auch den Schlüssel darzu sendet,und 60 Pfannen, klein und groß; item Hans Mangmeifter hat behebt sür sich selb ein Fäßlin und !
einen Wautsack, und sür Jörgen, seinen Bruder, einen Perlinkranz und ein Fäßlin mit blauer Färb; !
item Barthvlome Mäuler hat behebt ein Bett, einen Stechschild, ein Pavcse», Saut Jose» Bild ge- !
schnitten und ein halb Pfund blauer Färb; item die Talerm hat behebt an ihrs Mannes Statt dieSpecerei und andri Kleinad, die in dem Trüchlin gewesen sind, das sie ihr ufgebrochen Hand, undein Fäßlin mit Kramerei; item Claus Hofmeister, der hat etwieviel Bändel bei demselben Nomein einen« Trüchlin gehedt-" — Wenn wir nun zu dieser Schilderung noch das Steuerbuch des ge-nannten Jahres heranziehen, so sehen wir. daß Heinrich der Eugeljchalk mit 43 Gulden besteuert war,und Hans und Jörg Mangmeifter mit je 14 Gulden, während dagegen die übrigen nur zu 4 bis 1Pfund Pfennige verpflichtet waren und der Barthvlome Mäuler mit seinen! Bett, Pavese und Holz-schnitt gar nur 10 Groschen Steuer zahlen konnte, also ein ziemlich geringer Krämer gewesen sein mag.
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Wenn nun in dem bisher Angeführten blos vom Transithandel und dabei mehr von störenden,als förderlichen Einflüssen die Rede war, so verhält es sich dagegen ganz anders da, wo der Augs-burger Kaufmann die eigenen und die vom Weltniarkt geholten Produkte inBayern s el b st ab- .
zusetzen, oder aber andere Erzeugnisse, sei es sür eigene Zwecke, sei es sür den Weiterveriandt, daselbsteinzutauschen pflegte. Denn da wird man alsbald gewahr, daß die gegenseitige Handelsverknnpfungeine überaus enge und bedeutungsvolle war und daß Bayern als ein unentbehrliches c o m m e r-zielles Hinterland der Reichsstadt Augsburg sigurirte. i
Schon die Thatsache , daß die Augsburger durch den Besitz von liegenden Gütern, von Hinter-sassen, Leibgedingen und Korngülten an den verschiedensten Orten der bayerischen Herzoglhümer sich . !eingenistet hatten, läßt vermuthen, daß es ihnen ein Leichtes wurde, die von Italien oder von Frank-furt geholten Waaren hier an den Mann zu bringen; noch deutlicher weist darauf hin die außer- !
ordentlich große Zahl von säumigen Schuldnern, welche sie in allen Theilen Bayerns hatten und dieden Rath zu Hunderten von Mahn- und Verwendungsbriesen nöthigten. — Es gaben ihnen zunächstdie Märkte der näher gelegenen Städte Gelegenheit, mit den dortigen Kaufleuten Verbindungen !
anzuknüpfen, und auch hier müssen Landsberg und Schougau in erster Linie genannt werden. So !
schrieben die Nathgeben im Jahre 1419 an die Landsberger: „als euch wohl wissend ist, wie unser >
Mubürger und Kaufleute den Markt bei euch mit ihren Leibern und Gütern jährlichpslichtig >
sind zu suchen, also thuen wir euer Liebe zu wissen, daß sie jetzo aber uf denselben Markt ver- ^
meinen zu kommen, ob sie Sicherheit und Geleite haben mügeu." — Nicht minder thätig erwiesen sichdie Augsburger in den westlich benachbarten Städten, noch mehr aber im Donaugebiet: Donauwörth ,Neuburg, Jngolstadt, Regensburg, Passau. Jngolstädter und Regensburger Großhändler bezogen dieAugsburger Leinwand „samtkauss", und einer der reichsten Augsburger Kaufherrn, Hans Endorffer,