223
der 1418 und 1419 mit 81 Gulden besteuert war, besaß in Regensburg ein eigenes Geschäftshausund üble in dieser Stadt eine weitreichende geschäftliche Thätigkeit aus. Am häufigsten und entschie-densten wird auch Laudshut genannt, die Residenz Herzog Heinrichs, der selbst sür die Aufrechterhaltungund Förderung der augsburgiich-bayerischen Handelsbeziehungen das regste Interesse an den Taglegte. Ueberhanpt allenthalben fühlten sich die Augsbnrger in den bayerischen Herzogthümern heimischund fanden für den Verkauf ihrer Waaren günstigen Boden. Aber ebenso gewichtig und ergiebigwar auch die Gegenströmung von bayerischer Seite wobei in erster Linie der Salzhandelin Betracht zu ziehen ist.
Aus zwei Quellen floh der Salzstrom nach und durch Bayern : die eine hatte ihren Ursprungin Neichenhall, die zweite in Berchtesgaden und Hallein ; und es war von Alters Herkommen, daßdas Neichenhaller Salz über Trannstein nach Wasserburg, das Halleinsr dagegen nach Burghausen und Oetiiig ging. Jenes sollte Oberbayern und durch dessen Vermittlung Schwaben , dieses dagegenNiederbayern und Franken versorgen; für das erstere war Münch n, für das letztere Regensburg Hanptstappelort. München insbesondere erhielt durch zwei auseinanderfolgsnde Privilegien Kaiser Lud-wigs des Bayern ein die übrigen Städte überflügelndes Salzmonopol: „alles Salz, das innerhübder Jsar zwischen Landshut und dem Gebirg gefertigt wird, das soll alles nach München geführtwerden, und nur die Münchener sollen es führen oder ihre Diener, und niemand anders. Und wennmau Salz auf einer andern Straße ergreift, so ist es „zollsreysig"; und wenn man es auf einem an-dern Gejährt ergreift, als das zu München „ansgürtig" ist, dasselb -salz soll halb mit Fuhr undallem den Bürgern von München werden, und das ander halb Theil dem obersten Amtmann!" Da-durch war also den Angsburgern der direkte, gewinnreichere Bezug von Wasserburg oder gar vonNeichenhall abgeschnitten, und wenn sie ihren Bedarf nicht etwa von Landshut oder Regensburg holenwollten, was freilich auch häufig genug vorkam, so sahen sie sich aus die Münchener salzsertiger an-gewiesen. Der Gewinn, den diese dabei erzielten, muß sedeusalls ein beträchtlicher gewesen sein; dennder Salzhandel bildete ohne Zweifel einen Bestandtheil des Aug sbnrgischenGros;- und Exporthandels. Im Jahre 1120 löste die Stadt aus dem Salz-Ungelde die Summevon 510 Gulden und 80 Psd. Pfennige; da »tau nun von je zwei Scheiben einen Pfennig nahm,so käme dies einer täglichen Zufuhr von mehr als 400 Salzscheiben gleich. Die Zahl der AugsburgerSalzfertiger belief sich im Jahre 1159 auf dreißig. Andreas Frickinger, der sechsmal das Bürger-meisteramt versah und der Stadt jährlich etwa 27 Gulden Steuer entrichtete, war Salzsertiger;ebenso die beiden hoch angesehenen Bürger Ulrich Ziegeldach und Andreas Rebhun, welch letzterer stchin, Jahre 1414 mit 81 Gulden in den Steuerbücher» verzeichnet findet! Beide, sowohl Ziegeldachwie Rebhun, standen in enger Beziehung zu einzelnen Münchener Salzsertigern, denen sie Beträgevon mehr als 100 Dukaten übersendeten, um dajür Salzscheiben zugeschickt zu erhalten; und die beider-seitigen Diener waren in regelmäßigem Wechsel zwischen Augsburg und München unterwegs.
Auch über die Preise der Waare und des Transportes erfährt man Näheres. Der AugsbnrgerSalzsertiger Gastet Hug, dem sein Salz bei Freising aufgehalten wurde, weil er es, den bestehendenBestimmungen zuwider, selbst von Wasserburg geholt hatte, berichtete vor dem Raih: „wie daß der-selben seiner enthaltenen Salzscheiben gewesen feien 140; die seien ihn des ersten Kaufes zu Wasser-burg gestanden 73 Gulden und 4 Groschen Münchener (also die Scheibe etwas über V- Gulden);und sei darauf gegangen bis gen Freisingen zu fertigen 21 Gld. und 57 Pfennige! Zu diesen außer-ordentlich hohen Frachtgebühren (auch bei der Augsburger Wassercott kostete ja ein Faß bis Jngol-stadt 2 Gnlden) kamen dann noch die Zölle: München nahm unter dem Jsarthore von jeder Scheibeeinen Pfennig, zu besondern Zeiten auch zwei Pfennige. Der bayrische Zöllner bei Friedberg for-derte 2, initnnler auch :> Pfennige von der Scheibe; der städtische Zöllner an der Lechbrücke verlangtevon je 3 Scheiben 1 Pfennig, und in der Stadt selbst, am Salzstadel, mußten die Gäste für je zweiScheiben 1 Pfennig entrichten.
Eine besondere Eigenthümlichkeit im Salzhandel war, daß man damals allgemein dem Salzeals Taujchwaare den Wein entgegensetzte. Wein- und Salzstadel waren gewöhnlich vereint. AIszu München im Jahre 1471 ein neuer Salzstadel erbaut werden sollte, brachte der Rath unter Anderemdas als Begründung vor: es geschehe zur Förderung des Zolls am obern Thor, von wegen der Weine,die die Gäste hereinführen, und die den Wein hie verkaufen und Salz hinwieder aus-führen. In Augsburg aber wurde 1425 ein Rathsdekret erlassen „von den salzsertigern »ich Wein-schenken", mit der Bestimmung, daß kein Salzsertiger, Gastgeber oder Weinschenk sich zu schuldenkommen lassen solle, den Wein auf dem Markiern or zukaufen; welche Bestimmung schon im darauf-folgenden Jahre eine Bestrafung veranlaßte. Sie traf den Goldschmied Jürig Nathau, welchem derWeinmarkt und der Salzmarkt ein halbes Jahr verboten wurde „darum, daß er solich Ersatz, die vondes Weins und Salzes wegen gesatzt sind, hätt' überfahren."
Nächst dem Salze bildete der Viehreichthum für Bayern eine Quelle des Gegentausches, um somehr, als die Augsburger auch diese Waare für den Exporthandel zusammenkauften, und Rinder,Schafe und Schweine an den Bodensee und an den Rhein bis Straßburg und Speyer trieben; soließen im September 1418 die Rathgeben an die Ulnier und an den Graf.» von Württemberg dieBitte ergehen, sie möchten den Augsbnrger Bürgern Jakob Strauß und K'onrad Zoller Geleit geben,da diese jetzo mit Schweinen an den Rhine hinab trieben wöllent. Und derselbe Jakob Strauß (dervon der Augsburger Gemeinde zum Bürgermeister gewählt wurde) wandte sich einige Jahre später