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richten wollten und Herzog Wilhelm von Bayern durch Kaiser Sigismund den Auftrag er sielt, Kund-schaft zu erhellen, oll solche Neuerung der Franksurtcr und der Nördlinger Messe nicht Eintrag thunwürde: da übersandten die Augsburger dem Herzog eil, Gutachten, dessen Wortlaut höchst charakte-ristisch ist. „Nachdem uns bedanket", heißt es darin, „meinen wir, daß landknndig sei, ob die Blessezu Nürnberg also Fürgang gewinne, daß das größiich wär und würd wider die Blesse zu Frankfurt ,und große Hindernus, Eintrag und Schäden gemeinen Landen und Kaufleuten brächte, damit vielGewerbs möcht vermieden bleiben, sunder, so die Kaufleut von Behem, Mehreen, der Slesien, Oester-reich und sunst von Oberlanden vielleicht zu Nürnberg blieben, dawider die Kaufleut aus den Landenvon Brabaut, Flandern, Holland, Westsalen und Niederland vielleicht desgleich ze Frankfurt blieben,und daß an entweder», Ort der Gewerb gemindert werden und dem ganzen Lande merklich Unstattund Schaden dadurch wohl entstah'n möcht, und wirjannsers Theils zemal gerne wöllten,daß die Blesse zu Frankfurt durch gemeines Nutz willen also nnbekrünket belieb, wann die allen Kauf-leuten in keuschen Landen ze Wasser und ze Land am allergelegnisten ist."
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Aus den erwähnten Tatsachen geht hervor, daß die Herzoge dem wechselseitigen Verkehre ihrevolle Aufmerksamkeit zollten, und in der That bekundete namentlich der in Landshut residireude HerzogHeinrich, sowie der friedliebende Albrecht der Fromme, der von 1138 an in München regierte, einenüberaus regen Eifer und eine ernste Autheiluahme. Aber trotzdem wäre es eine arge Entstellung,wenn man ein derartiges gegenseitiges Einverständnis; als dauernd oder allgemein gütig hinstellenwollte, da es ja doch bekanntermaßen niat leicht »»ruhigere und sehdelnstigere Nachbarn gab, alsdiejenigen, welche die schwäbische Reichsstadt damals an den Baycrnherzogen hatte, und da die Be-drückungen und Belästigungen, welche die Brüder Ernst und Wilhelm von Bayern-München, sowieLudwig der Bärtige von Bayern—Jngolüadt und endlich Ludwig der Reiche über Augsburg ver-hängten, die unaufhörlichen Klagen der Chronisten hervorriefen. Um daher diesen hervorragendenEharatterzug nicht unerwähnt zu lassen, bitte ich Sie, mir noch zu einigen ganz kurzen Bemerkungenüber den Augsburger Kaufmann in Bayern während der Fehdezeit Gehör zu schenken-
Burkhard Zink klagt an einer Stelle, wo er von dem 1458 mit Herzog Ludwig dem Reichenausgebrochenen Llrcite erzählt: „es wollt aus dasmal niemand weder sein Gut noch fein Geldschuldlassen folgen; so getrost man auch nicht von Bayern her in die Stadt weder führen noch tragen nochtreiben, es wandert auch niemand von hinnen gen Bayern , denn es was niemand sicher: wen manankam, der was verloren!" Nach diesen Worten also war damals eine vollständige Lähmungdes Handels herbeigeführt.
Aber so schlimm war es nicht immer, sondern man darf im Gegentheil behaupten, daß dieAugsburger im Allgemeinen auch zur Fehdezect ihre Kausfahrten wagten. Der Beweis hiesür liegtin den Aussöhnuugsverträgeu, welche nach beendigtem Streit zwischen der Stadt und den Herzogengeschlossen zu werden pflegten. Denn da ist die Rede von Durchgangszöllen, welche man in Lands-berg, Schougau Neustadt, Wasserburg re. zur Belästigung der Augsburger während der Fehde erhöht;oder von Slapelorteu, die man ungerecht aufgerichtet: oder von Kaigeldern, die man in Augsburg den Bayernherzogen zum Trotz erhoben halte. Wenn also während der Kriegszeit Zoll, Stapel undUmgeld von solchem Belang waren, daß mau dem Gegner damit empfindlich schaden konnte, io gehtdaraus doch zur Genüge hervor, daß ein nicht unbeträchtlicher, wechselseitiger Handelsverkehr selbstwährend der Fehde stattgefunden haben muß. — Und noch viel weniger ließen sich die reichsstädtischenKaufleute abschrecken, wenn die Bayernherzoge einen Krieg führten, an dem Augsburg selbstiiich t betheitigt war. Denn sie konnten alsdann in dem mit Krieg überzogenen Lande miteiner gewissen Sicherheit fahren, wenn sie sich nur mit einem Geleitjcheine versehe,i hatten,welcher, vom Augsburger Stadtrath ausgefertigt und gesiegelt, die eidliche Versicherung enthaltenmußte, daß die vom betreffenden Kaufmann oder Wageumanu initgeführten Güter ihn, selbst zu eigenund keinem andern gehören, besonders keinem, der an dem Kriege irgend welchen Antheil habe. —Freilich ein absoluter L-chutz war damit nicht gewährt, sondern es kam ebensogut vor, daß die Aa yern-herzog e die „offenen Briese" nicht beachteten, als sich auch umgekehrt zahlreiche Fälle ereigneten, indenen die Gegne r derselben einen Angriff auf Augsburger Kaufmannsgüter blos deshalb unter-nahmen, weil sie dieselben für bayerische hielten. Immerhin aber zeigt sich die Benützung solcherGeleitscheine in gefährdeten Zeiten an und für sich schon den frischwagcnden und hartnäckigen Kauf-mannssinn, und es findet sich so das Markige in der Entwicklungsgeschichte des Augsburger Handelsbestätigt, das in den einleitenden Worten mit dem zwar knorrigen, aber höchst kraftvollen Namen derEiche verglichen wurde. Ueberhanpt: wenn man mit einem Rückblick das gewonnene Resultat zu-sammenfassen will, so sieht man, wie sich die Zähigkeit in Kriegsgefahr, das Umfahren der Gelcit-straße, die Antheilnahme der Herzoge, die Fürsorge der Rathgeben, die Masse der Hindernisse undUnbequemlichkeiten zu einem kräftigen und vielgestaltigen Cultnrbild vereint.
. . zugleich auch läßt sich, so eng begrenzt das Thema an Zeit und Stoff erscheinen mag,
doch aus der »»gemeinen Rührigkeit, mit der die Augsburger Kaufleute in Bayern schalteten und sichda zu Herren der cominerziellen Verhältnisse zu machen wußten, recht gut ein Schluß auf die damaligeHandelsepoche der Augsburger überhaupt ziehen. Wenn nun vollends — und