Ausgabe 
(14.4.1883) 30
 
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Äugslmrger postjeitimg."

Nr. 30. Samstag, 14. April 1883.

Des Försters Enkelkind.

Original-Novelle von Mary Dobson.

(Fortsetzung.)

Junker Bobenwald führte die Försterstochter in eine Baumhütte, welche beide vorJahren errichtet, und neben ihr auf der Bank Platz nehmend sagte er in einem so ent-schlossenen Tone, wie sie noch nie von ihm vernommen:

Anna, laß mich die Sache kurz machen, denn ich darf Bergmann's nicht mit demMittagessen warten lassen, da dies heute zu Vermuthungen führen könnte, und Niemanddarf «ine Ahnung von unserer Unterredung haben. Du weißt, daß ich in diesen Tagenfür immer auf den Buchenhof übersiedele, um zuerst mich unter dem Inspektor in dieVerwaltung hineinzuarbeiten, dann aber sie selbst zu übernehmen.«

Ich weiß es, Ludwig«, entgegnete Anna so ruhig wie vorher, obgleich ihr jungesHerz dasselbe Weh empfand, das sie gefühlt, als eines Tages der Landkammerrath zuihrem Vater gesagt, daß er seinen jüngsten Sohn nach dem Buchenhof bringen wolle.

Und weißt Du auch weshalb meine Eltern, denn meine Mutter ist nur allzusehrmit den Ansichten meines Vaters einverstanden, mich nach dem stillen Buchenhof ziehen lassenwollen, jetzt, wo ich erst einundzwanzig Jahre alt bin, und noch nichts von der Welt,die doch so groß und schön ist, gesehen habe, während sie doch meinen Brüdern zu reisengestattet, und Hugo erst jetzt wieder von B. zurückkehrt, wo er Karl in der Garnison besucht, und die Festlichkeit bei Hofe mitgemacht hat? Weil sie sich meiner als ihresSohnes schämen, weil ich, der ich schwächlich und verwachsen bin und dazu hinke, michneben meinem Vater und meinen Brüdern nur schlecht als ein Bodenwald ausnehme,wenngleich sie meinen, mein Kopf doch die Familienähnlichkeit trägt!«

Ludwig«, unterbrach Anna den heftig erregten Jüngling in bittendem Ton.

Laß mich ausreden, Anna«, unterbrach sie dieser schnell,denn einmal muß ichsprechen, mich aussprechen über das, was mein Herz empfindet, seit meiner Kindheitempfunden hat und mich voll Bitterkeit gegen meine Eltern erfüllt, zu denen ich keineLiebe hege, und die ich doch so gerne geliebt hätte!"

Armer Ludwig«, sagte Anna in innigerem Ton, als vielleicht sie selbst wußte, undlegte ihre Hand auf seinen Arm, wie sie es wohl als Kind gethan, wenn seine Elternden tieffühlenden Knaben durch eine harte Bemerkung verletzt hatten, und sie ihn stillweinend im Hause oder Garten des Verwalters gefunden. Er ergriff ihre Hand undhielt sie fest in der seinen, während seine Wangen glühten, und seine Augen gleich denenseines Vaters funkelten. Nach einigen Sekunden fuhr er in ruhigerem Tone fort:

Ja, Annas meine Eltern schämen sich meiner und wollen mich für immer von sichentfernt halten, mich auf dem Buchenhof ansässig und beschäftigt wissen, wo mich tief imGebirge kaum Jemand sieht, noch besuchen wird. Ich bin auch mit ihrem Willen ein-verstanden, denn ich weiß» daß ich nicht für die Welt, in der sie leben und glänzen,geeignet bin, doch will ich, wenn ich einmal als Herr dort wohne, kein so einsames,